Im ARD-Sommerinterview mit Moderator Matthias Deiß lieferte Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) eine Performance ab, die man wohlwollend als „pragmatisch“ bezeichnen könnte. Bei genauerem Hinsehen erinnerte sie jedoch eher an einen Entfesselungskünstler, der sich in seinen eigenen Knoten verheddert hat.Während Friedrich Merz sich auf Instagram bereits als „Reformkanzler“ inszeniert und in Zeitlupe durch die politische Landschaft schreitet, versucht Klingbeil das nächste Kunststück. Er will gleichzeitig die Rentenbeiträge erhöhen, Familien entlasten und gesunde Menschen zum Arzt schicken, um Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nachträglich zu erbetteln. Mit mäßigem Erfolg.
Rekordschulden im Schatten der Aufrüstung
Zentraler Ankerpunkt seiner Argumentation ist das Mantra der nationalen Sicherheit. „Man kann sich gegen Putin nicht mit der Schwarzen Null verteidigen“, proklamierte Klingbeil mit der Überzeugung eines Mannes, der morgen einen Haushalt mit Rekordschulden vorlegen wird. Dies rechtfertigt er mit der verschlafenen Modernisierung der Bundeswehr. Die 34-Milliarden-Lücke, die er bei seinem Amtsantritt vorfand, sei nun weg – weggezaubert durch den beherzten Griff in die Rücklagen und eine Nettokreditaufnahme, die so „verfassungsgemäß“ daherkommt, wie es eben geht.













