Davon werden die Bürger in Eltville und Rüdesheim noch ihren Kindern erzählen: wie es einmal fünf Monate ganz still war in ihrer Heimat. Von Freitagabend um 22 Uhr an bis zum 12. Dezember werden dort keine Züge entlangfahren, weil die Strecke von Grund auf saniert wird. „Generalsanierung“ heißt es bei der Deutschen Bahn nicht mehr, sondern weniger martialisch „Korridorsanierung“, aber so oder so ist es das zweite Mammutprojekt in Rhein-Main nach der Aufarbeitung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim vor zwei Jahren.Die Arbeiten zwischen Wiesbaden und Troisdorf nördlich von Bonn machen weniger Schlagzeilen, weil es sich nicht um eine Hauptachse des ICE-Verkehrs handelt wie seinerzeit bei der Riedbahn und weil sich das Publikum gewöhnt hat an diese groß angelegten Sanierungen; zuletzt ist jene zwischen Hamburg und Berlin zu Ende gegangen. Weniger wichtig ist die rechte Rheinstrecke aber nicht. Es handelt sich um eine der am stärksten belasteten Güterzugstrecken Europas, Teil der bedeutsamen Nord-Süd-Achse von den Seehäfen der Niederlande bis nach Italien.Es geht nicht nur um LärmschutzDie Hoffnung, nachdem der Personenfernverkehr 2002 mit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke unweit der Autobahn 3 weitgehend aus dem Rheintal herausgenommen worden war, werde es auch für die Güterzüge eine neue Route anderswo geben, wird sich auf lange Zeit nicht erfüllen. Es kann daher nur stetig versucht werden, das Zusammenleben der Bewohner der reizvollen Orte am Strom mit dem Eisenbahnverkehr erträglicher zu machen.Dazu zählt nicht nur Lärmschutz, sondern zum Beispiel auch, dass in Rüdesheim endlich der Bahnübergang ersetzt wird, der dort Unmengen von Lebenszeit verschlingt. Dies ist jedoch nicht Teil der bevorstehenden Sanierung. Immerhin hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im Februar angekündigt, er werde noch 2026 entscheiden, ob und wie der Bahnübergang beseitigt werden könne. Und immerhin bekommt die Stadt im Zuge der Korridorsanierung einen neuen, zentral gelegenen Bahnhof.Die Sperrung bringt nicht nur ungeahnte Ruhe ins Rheintal, sondern verlangt auch Nerven, weil Personenzüge durch Omnibusse auf etwas anderen Routen ersetzt werden. Wird danach alles wie vorher? Im Rheingau wäre man fürs Erste schon froh, wenn nach der Sanierung, wie immer sie nun heißt, wenigstens die Fahrpläne etwas mehr eingehalten würden als bisher.