Die Personalentscheidung, die am Montag etwa zwei Millionen TV-Zuschauer sehen werden, ist kein mutiger Coup. Alles andere wäre aber auch eine echte Überraschung, denn es geht um die zweiterfolgreichste Abendnachrichtensendung nach dem „heute journal“ im ZDF. Es geht um die „Tagesthemen“, und die werden am Montagabend erstmals von Jörg Schönenborn moderiert.

In dem Format ist Seriosität wichtig und dass der Anzug gut sitzt – und das ist bei ihm der Fall. Aber es ist nun mal auch eine jener wenigen Nachrichtensendungen, in denen nicht nur trockene News verlesen werden, sondern auch eine Sendung, in der durchaus persönlicher Stil einfließen darf wie bei Claus Kleber, Ulrich Wickert oder Marietta Slomka.

Steifheit, die Seriosität ausdrücken soll

Gegen die Wahl des 61-jährigen Schönenborn war die Entscheidung für die damals 43-jährige Jessy Wellmer tatsächlich eine Überraschung: Sie ist zuvor auch durch Lockerheit aufgefallen. Schönenborn ist immer eher durch eine gewisse Steifheit aufgefallen, die seine Seriosität ausdrücken sollte.

Denn bisher hat Schönenborn an Wahlabenden die Tabellen mit den Hochrechnungen, Prognosen, Sitzverteilungen, Koalitionsmöglichkeiten und Endergebnissen präsentiert. Immer sehr sachlich. Und immer sollten die Zahlen wichtiger und interessanter sein als der Überbringer selbst.