Hitzewelle, Rekord-Feuerwerk und eine grosse Trump-Show: Wie Amerika seinen 250. Geburtstag feierteAn der grossen Jubiläumsfeier in Washington präsentierte sich Donald Trump gleich selber als Hauptattraktion. Die Party stand im Zeichen des Wetters – und der politischen Polarisierung.05.07.2026, 07.27 Uhr5 LeseminutenDas Feuerwerk in Washington hatte Donald Trump als «grösstes Feuerwerk der Geschichte» angekündigt.Evan Vucci / REUTERSMit unzähligen Events, Paraden, Pop-Konzerten und Nachstellungen historische Szenen haben Amerikanerinnen und Amerikaner am Samstag das 250. Jubiläum ihres Landes gefeiert. In Philadelphia, wo 1776 die Vertreter der amerikanischen Kolonien die Unabhängigkeitserklärung zur Loslösung von Grossbritannien verabschiedeten, wurde eine Zeitkapsel mit Gegenständen aus allen 50 Gliedstaaten in den Boden versenkt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Kapsel soll im Jahr 2276 zum 500. Geburtstag des Landes wieder geöffnet werden. In New York segelte eine Flottille historischer Segelschiffe den Hudson River hoch. An einer feierlichen Zeremonie in Charlottesville in Virginia erhielten 75 Menschen aus aller Welt im einstigen Haus des Gründervaters Thomas Jefferson das amerikanische Bürgerrecht.Im Griff einer HitzewelleDoch wegen einer Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit mussten etliche der geplanten Feierlichkeiten abgesagt oder verkürzt werden. In Washington verschoben die Organisatoren den Beginn der grossen Jubiläumsveranstaltung «Salute to America» auf der National Mall auf den späten Nachmittag, um zu verhindern, dass sich die Besucher allzu grossen gesundheitlichen Risiken aussetzten. Am Abend entlud sich die Hitze in Blitz und Donner, worauf die Behörden wegen einer Unwetterwarnung einen Evakuierungsbefehl für die Party-Zone erliessen, was das Programm weiter erheblich verzögerte.Eigentlich gilt der Independence Day als Tag, an dem Amerika zusammenrückt. Er markiert den Anfang des Sommers, und viele Amerikaner verreisen oder feiern mit Freunden und der Familie. Auf der National Mall in Washington finden sich in gewöhnlichen Jahren Anwohner zu Picknicks ein. Dieses Jahr aber hatte der Secret Service das Areal der Feierlichkeiten in eine Hochsicherheitszone verwandelt, die man nur mit Ticket betreten konnte. Die Polarisierung, die zu einer Zunahme der politischen Gewalt geführt hat und in Attentatsversuchen auf Präsident Trump gegipfelt ist, prägte auch den Nationalfeiertag.Polarisierte FeierlichkeitenEs waren vor allem Anhänger Trumps, die am Nationalfeiertag den Weg nach Washington fanden und die National Mall in ein blau-weiss-rotes Farbenmeer verwandelten. Wie Sportfans verfielen einige in Sprechchöre und skandierten: «We love Trump!» Ein Strassenhändler verkaufte Baseball-Mützen mit der Aufschrift: «Trump hatte mit allem recht!». Ein afroamerikanischer Youtuber in einem Anzug in den Farben der amerikanischen Flagge verwickelte Passanten ins Gespräch und erklärte ihnen enthusiastisch, dass Jesus durch die Person Trumps handle.Der Kongress hatte bereits vor zehn Jahren eine überparteiliche Organisation mit dem Namen «America 250» gegründet, welche im ganzen Land Projekte zum Jubiläum umsetzen sollte. Dann aber rief Trump per Verordnung eine zweite Organisation mit dem Namen «Freedom 250» ins Leben. Diese kam in den Genuss des Grossteils der vom Kongress zugesagten Gelder, richtete sich an der Person und der Agenda des Präsidenten aus und übernahm die Organisation der meisten Veranstaltungen in der Hauptstadt. Dazu gehören auch der umstrittene Käfigkampf vor dem Weissen Haus im Juni sowie die «Salute to America»-Party am 4. Juli.Aus Unmut über die Politisierung des Events sagten fast alle Bands und Musiker wie The Commodores oder die Country-Sängerin Martina McBride ihre Teilnahme ab. Stattdessen donnerten Staffeln von Kampf-Jets über die Hauptstadt und sorgten für ein Luft-Spektakel. Auf der Bühne beim Washington Monument schwitzten derweil die tapferen Musikanten der Militärkapellen aus Marine, Luftwaffe und Armee in ihren Uniformen, bis Donald Trump – wegen der wetterbedingten Verzögerung erst nach 23 Uhr (Lokalzeit) als Hauptattraktion der Party auftrat.Die USA als heroisches VolkAls Präsident Gerald Ford 1976 in Philadelphia eine Rede zum 200. Geburtstags Amerika hielt, betonte er das Verbindende und pries das amerikanische Experiment als andauernde Reise: «Freiheit ist eine lebendige Flamme, die man immer wieder nähren muss, und keine tote Asche, die man anbetet.»50 Jahre später zog Trump einen Bogen von der Unabhängigkeitserklärung in die Gegenwart, um die USA als heroisches Volk zu loben. «Die ganze Welt will sein wie wir, aber wir sind immer besser.» Am stärksten war sein Auftritt, der aus Sicherheitsgründen hinter einer kugelsicheren Glasscheibe stattfand, als der Präsident Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg auf die Bühne bat. Die über 100 Jahre alten Männer salutierten vor historisch bedeutenden Flaggen.Über weite Teile lobte sich Trump für seine angeblichen Verdienste als Präsident, etwa im Krieg gegen Iran. Immer wieder sprach er sich gegen den Kommunismus aus. Da die linksgerichtete Gruppierung Democratic Socialists of America in den demokratischen Primärwahlen Erfolge feiert, ist Trump dazu übergegangen, die Demokraten als Kommunisten zu bezeichnen. «Die Kommunisten werden immer die Verlierer sein», sagte er. «Wir werden diese Bedrohung stoppen, wie einen Krebs, den man früh herausschneiden muss.»«Grösstes Feuerwerk der Geschichte»Die Polarisierung zeigte sich auch bei der State Fair, die Trumps Jubiläums-Organisation auf der National Mall als Teil der Feierlichkeiten organisiert hatte. Für die Besucher gab es amerikanische Folklore wie Rodeo, ein Riesenrad sowie ein Modell des umstrittenen Triumphbogens, den Donald Trump in Washington errichten möchte. In billig aufgemachten Pavillons präsentierten sich die einzelnen Gliedstaaten und Territorien Amerikas. Colorado zeigte die Berge, Puerto Rico den Strand, Kentucky präsentierte seinen Bourbon Whiskey und Mississippi Elvis Presley.Doch viele demokratisch regierte Gliedstaaten wie Connecticut oder Washington weigerten sich, in den ihnen zugewiesenen Pavillons Ausstellungen zu organisieren – mit Verweis auf die hohen Kosten. Die demokratische Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, warf Trump vor, er fülle sich selber die Taschen und verlange von den Gliedstaaten, für die Kosten seiner «lächerlichen» State Fair aufzukommen.850 000 Feuerwerkskörper in 40 MinutenDen Schlusspunkt der Feierlichkeiten setzte nach Trumps Rede das traditionelle Feuerwerk, das erst kurz vor Mitternacht begann. Während die pyrotechnische Show in gewöhnlichen Jahren rund 20 Minuten dauerte, war sie diesmal rund doppelt so lang. Präsident Trump hatte versprochen, zum 250. Geburtstag des Landes das «grösste Feuerwerk der Geschichte» zu inszenieren.Insgesamt 850 000 Feuerwerkskörper wurden von zehn Standorten in den Himmel gejagt, womit nach offiziellen Angaben der bisherige Feuerwerks-Weltrekord einer philippinischen Mega-Kirche vor zehn Jahren gebrochen wurde. Ohne Kontroverse kam auch dieses eindrückliche Spektakel nicht aus. Wegen der Bewölkung war die Luft rund um die National Mall überaus stickig. Bereits im Vorfeld hatte der National Park Service vor einer schädlichen Feinstaub-Konzentration in der Luft gewarnt – und Menschen mit Gesundheitsproblemen das Tragen einer Schutzmaske empfohlen.Passend zum Artikel
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An der grossen Jubiläumsfeier in Washington präsentierte sich Donald Trump gleich selber als Hauptattraktion. Die Party stand im Zeichen des Wetters – und der politischen Polarisierung.











