Darüber spricht Villasimius: Ein Sonnenschirmverbot sorgt für AufregungEin Dorf auf Sardinien meinte es nur gut. Ein wunderschöner Strand am Ende eines Tales sollte geschützt werden. Doch die Massnahme der Gemeinde war nicht besonders durchdacht.Virginia Kirst05.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenIn Reih und Glied: Sonnenschirme am Strand von Punta Molentis, an der Südspitze Sardiniens.GettyOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Nachricht machte international Schlagzeilen: Besucher des Strandes Punta Molentis auf der italienischen Insel Sardinien dürfen nur dann einen Sonnenschirm aufstellen, wenn zu ihrer Gruppe Kinder unter 10 Jahren oder Menschen über 65 Jahre gehören. Und das, nachdem sie 10 Euro pro Kopf gezahlt haben, um den Strand überhaupt betreten zu dürfen. Willkommen!Diese Regelung hatte die Gemeinde Villasimius zu Beginn des Sommers veröffentlicht. Spott und Empörung waren gross: Der Nutzer Jacopo Emme etwa fragt auf der Facebook-Seite der Gemeinde, ob es nun einen Schwarzmarkt brauche, auf dem Kinder und ältere Menschen für den Strandbesuch angeheuert werden könnten. Und Chiara Lussu nennt die Regelung peinlich. Sie ziele nur darauf ab, dass die Gemeinde mit dem Strand Kasse mache. «Zum Schutz des Strandes sind zwar mitgebrachte Sonnenschirme verboten, doch am Strand selbst stehen Dutzende Reihen von Sonnenschirmen und Liegen sowie ein Imbiss.»Als die Nachricht der Regelung immer weitere Kreise zog und sie sich auch in der Schweiz und in Grossbritannien zu verbreiten begann, ruderte die Gemeinde zurück: Fortan darf jede Besuchergruppe einen Sonnenschirm aufstellen – egal, wie jung oder alt die Strandbesucher sind. Auch die Zahl der Badegäste, die sich gleichzeitig auf dem Strand aufhalten dürfen, wird leicht erhöht, von 250 auf 290. Das Eintrittsgeld bleibt.Gianluca, der in einem kleinen Hotel in der Nähe des Strandes arbeitet, sagt: «Die Absicht der Verordnung war gut gewesen, aber die Regelung selbst war schlecht gemacht.» Es ergebe natürlich keinen Sinn, die Sonnenschirmerlaubnis an das Alter der Besucher zu knüpfen. Aber die Besucherzahlen zu limitieren, sei notwendig. Das war auch die eigentliche Absicht der Gemeinde.Denn der Strand, so erklärt Gianluca, liege am Ende eines Tals, und als es im vergangenen Sommer dort gebrannt habe, hätten die vielen Autos nicht schnell genug wegfahren können. Die Strandbesucher mussten über das Meer in Sicherheit gebracht werden, ein paar Autos brannten aus. «Wenn weniger Autos und Menschen am Strand sind, ist er leichter zu evakuieren», sagt Gianluca.Auch Carlo Ucella, der nur ein paar Kilometer vom Strand entfernt mit seiner Familie das Hotel Domu Simius betreibt, kritisiert die Verordnung zwar wegen der «verwirrenden Kommunikation». Aber nicht in der Substanz: «Sie ergibt Sinn, weil sie versucht, die empfindliche Natur am Strand zu schützen.» Zumal eine Flut im Winter die Hälfte des Strandes weggespült habe und der Strand nun viel kleiner sei.An dem Strand gebe es viele Dünen, die Menschen nicht betreten dürften, sagt Ucella. Und obwohl sie eingezäunt seien, sei es schwierig zu kontrollieren, dass die Besucher das Verbot einhalten. Die Gemeinde habe die schwierige Aufgabe, die Schönheit des Strandes zugänglich zu machen und sie gleichzeitig zu schützen, gibt Ucella zu bedenken.Hoffentlich gelingt das nun im zweiten Anlauf.Passend zum Artikel