Einige der verstörendsten Werke der Weltliteratur handeln von Prostitution. Nicht weil die Autoren käuflichen Sex besonders explizit darstellten, sondern vielmehr, weil sie es nicht tun: Sie romantisieren Sexarbeit oder dämonisieren sie. Manchmal auch beides. Genauso verhält es sich auch in der realen Welt. Prostitution wird idealisiert oder kriminalisiert.So beschreibt der kolumbianische Autor und Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez in seiner „Erinnerung an meine traurigen Huren“ einen greisen Journalisten, der sich zum 90. Geburtstag ein „Geschenk“ machen will: eine Nacht mit einer jungen, jungfräulichen Prostituierten. Doch das Mädchen ist so erschöpft, dass es immer wieder einschläft. Der Erzähler ist davon so fasziniert, dass er, ohne die 14-Jährige zu berühren, immer wieder zu ihr geht – und ihr beim Schlafen zuschaut. Márquez findet zärtliche, geradezu liebevolle Worte für das bizarre Gebaren des alten Mannes. Gerade das macht das Buch so schwer zu ertragen.

Anwohner fordern: Die Kurfürstenstraße soll teilweise Sperrzone werden.

© Rolf Kremming/imago

Noch drastischer verhält es sich mit dem Werk von Yasunari Kawabata, ebenfalls Literaturnobelpreisträger. Die käuflichen Mädchen, zu denen der alte Protagonist in „Das Haus der schlafenden Schönen“ geht, sind stark sediert. Während Márquez’ namenloser Protagonist die schlafende Schönheit beobachtet, berührt Kawabatas Eguchi sie sogar. Kurzum: Es ist abartig. Aber auch hier: romantisiert.