Es sind weiterhin große Beträge, die der Westen aufbringt, um den russischen Vormarsch in der Ukraine zu stoppen. Selbst für überwiegend wohlhabende Länder wie die NATO-Mitglieder sind die 140 Milliarden Euro, die Kiew jetzt für dieses und das nächste Jahr zugesagt werden, kein Pappenstiel. Dass 60 Milliarden davon ein EU-Kredit sind, verringert die laufende Belastung für die Haushalte der beteiligten Länder. Aber wer weiß, ob die Ukraine das Geld je zurückzahlen kann.Es sollte sich niemand einreden, dass den Wählern diese Dimensionen entgehen. Gerade in einem Land wie Deutschland, wo der Staat seinen Bürgern höchste Abgaben und Steuern abverlangt und nun trotzdem Leistungen kürzt, hat die AfD damit ein für sie dankbares Thema gefunden. Daran wird sich leider nicht viel ändern lassen, solange der Krieg weitergeht.Risiken für die deutsche SicherheitFür die Europäer lautet die Wahl immer noch: Stützung des Puffers Ukraine oder Akzeptanz einer russischen Hegemonie über Osteuropa, die zu einem Ausgreifen weiter nach Westen führen könnte. Die großen Risiken, die auch für die deutsche Sicherheit mit der zweiten Option verbunden wären, blenden zu viele aus, die dafür sind, Putin einfach seinen Willen zu lassen.Zum schwierigen Gesamtbild gehört die Tatsache, dass es hier zwar um Beschlüsse der NATO geht. Tatsächlich handelt es sich aber längst um eine NATO minus eins. Die Amerikaner haben sich (nicht nur) in dieser Sache so weit aus dem Bündnis zurückgezogen, dass das Schicksal des Kontinents nun faktisch in der Hand der Europäer liegt.Das ist eine anstrengende, im Grunde aber unvermeidbare Entwicklung. Amerikas Interessen gelten heute stärker anderen Weltregionen. Tragisch ist, dass es erst eines fürchterlichen Krieges in der Ukraine und eines nationalistischen US-Präsidenten bedurfte, bis sich diese Erkenntnis in Europas Hauptstädten durchsetzte, aktuell in Rom.