Der Prinz aus Nigeria ist tot, also jetzt wirklich. Lange hatten es Betrüger per Massen-E-Mails mit der Masche versucht, dass es ein angeblicher Prinz ein Erbe hinterlassen habe, das man gegen eine geringe Gebühr ... Eigentlich war das alles leicht durchschaubar, halbseiden von vorn bis hinten. Manche fielen trotzdem darauf herein. Und die „geringe Gebühr“ war natürlich weg.Der Prinz und einige ähnliche Maschen sind tot, aber der Betrug mit E-Mails floriert. Mit Chat-GPT und anderen großen Sprachmodellen (LLM) ist leichter denn je, E-Mail-Kampagnen zu erzeugen, die sehr überzeugend wirken. Keine Rechtschreibfehler, kein Radebrechen mehr mit miserablen Übersetzungen. Dabei geht es nicht bloß um den Text, den auch Nichtmuttersprachler nun mühe- und makellos generieren lassen können.Da Sprachmodelle auch gut programmieren können, lassen sich damit auch Webseiten etablierter Anbieter täuschend echt nachbilden. Wer sich von einer der zunehmend besser gemachten E-Mails verlocken lässt und auf den dort angebotenen Link klickt, glaubt oft genug, er oder sie sei auf der Seite eines Versandhändlers und gibt dort womöglich wichtige Daten wie etwa eine Kreditkartennummer ein.Die verkaufen die Betrüger dann an Darknet-Anbieter, wo man sie in Massen erstehen kann. Sodass es dann plötzlich unerklärliche Abbuchungen irgendwo auf der Welt gibt. Deshalb sollte man erst nachdenken, dann klicken – oder eben auch nicht klicken. Im Zweifel sollte man lieber die betreffende Seite selbst eingeben und prüfen, ob wirklich stimmt, was da angeboten oder von einem verlangt wird. Denn Passwörter und andere sensible Informationen verlangen seriöse Anbieter niemals per E-Mail.Es geht noch schlimmer und perfiderBetrüger nutzen alle Wege, die sich ihnen bieten. Wo immer es etwas zu holen gibt, sind sie da. Wann immer etwas Aufmerksamkeit erregt, versuchen sie, sich Geld zu erschleichen – sei es eine große Naturkatastrophe, die sie nutzen, um die Spendenbereitschaft auszubeuten. Sei es ein sportliches oder kulturelles Großereignis, bei dem sie etwa mit Tickets locken, die sich als Fake herausstellen und man nicht ins Stadion oder die Konzertarena kommt.Aber geht noch schlimmer und perfider. Frei verfügbare KI-Werkzeuge machen es möglich, nicht nur die Stimme eines Menschen nachzuahmen. Auch das Gesicht einer Person kann sozusagen gekapert werden. Viele Menschen, besonders ältere, fallen immer wieder auch auf sogenannte Schockanrufe herein. Dabei setzt sie ein angeblicher Polizeibeamter unter Druck, Geld für einen nahen Verwandten zu übergeben, der einen schweren Unfall verschuldet habe oder Ähnliches.Wenn nun aber die „Enkelin“ oder der „Enkel“ per Video anruft und der Oma oder dem Opa etwas vorheult, ist der Druck noch einmal ein ganz anderer. Durchaus nachvollziehbar, dass Menschen, auch jüngere, darauf hereinfallen. Damit solche Betrügereien einigermaßen überzeugend aussehen, braucht es nur erstaunlich kurze Sequenzen von Videos oder Tonaufnahmen von den Personen, die nachgeahmt werden sollen. Oft lassen sich solche Informationen über die sozialen Medien beschaffen.Was dagegen hilft, ist zunächst ein gesundes Misstrauen. Bei einem Schockanruf möglichst ruhig bleiben, den echten Verwandten selbst anrufen, um zu überprüfen, ob überhaupt stimmt, was der Anrufer erzählt hat. Wer möchte, kann mit seinen Verwandten auch ein Codewort vereinbaren, das in einem solchen Fall abgefragt werden kann. Das sollte natürlich auch geheim gehalten werden – also keinen Zettel an Pinnwand oder Monitor kleben.Zu gut um wahr zu seinGesundes Misstrauen hilft auch, nicht auf Betrugsversuche hereinzufallen, die mit enormen Preisnachlässen locken und oft genug Nutzer zeitlich unter Druck setzen – natürlich mit dem Ziel, dass diese kaum Zeit haben, die Sache ordentlich zu überdenken. Zeit, einen Anbieter zu googeln, sollte daher immer sein. Oft genug finden sich bei allzu verlockenden Angeboten ziemlich schnell Hinweise darauf, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, weil die Anbieter von solchen Fake-Shops bereits durch Betrügereien aufgefallen sind.Die Betrüger versuchen sich dem zu entziehen, indem sie Namen und Internetadressen schnell wechseln. Deshalb hilft eine ziemliche alte Weisheit hier mit am besten: Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht wahr, sondern in diesem Fall der Versuch, nichts ahnende Internetnutzer um ihr Geld zu bringen.Vorsicht ist auch geboten bei Anzeigen etwa in sozialen Netzwerken. Dahinter stecken auch oft genug Kriminelle, die Nutzern Geld abknöpfen oder an wichtige Daten gelangen wollen. Zwar haben die Anbieter der Netzwerke inzwischen mehr und mehr Klagen am Hals, weil sie – so der Vorwurf – nicht genug gegen Anzeigen mit betrügerischem Hintergrund unternähmen.Auch hier gilt also, sich nicht unter Druck setzen lassen („nur noch zwei Stunden verfügbar“) und noch einmal gut zu überlegen und zu prüfen, bevor man klickt und womöglich viel Geld verliert. Die üblichen Antiviren-Programme helfen dabei in aller Regel nicht weiter. Wichtig sind sie trotzdem, genauso wie regelmäßige Sicherheitsupdates.