Der für die Wirtschaft so wichtige Rhein leidet auch in diesem Jahr unter Wassermangel. Die Hitzewelle im Juni ist nur einer der Gründe. Langfristig fehlt vor allem Schmelzwasser aus den Alpen, weil es dort weniger schneit. Das führt zu Problemen für die Schifffahrt. Der Fluss spielt eine wichtige Rolle für den Transport von kritischen Rohstoffen und Waren.Ein Sprecher der Kölner Logistikgruppe HGK sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass Binnenschiffe schon jetzt mit deutlich geringerer Ladung unterwegs seien. Die Rede war von einer nur noch etwa halb so großen Last. Als Beispiel wurden Lieferungen von Steinsalz genannt. Das macht die Frachtkosten deutlich teurer, ist aber immer noch günstiger, als die Fracht per Bahn oder mit Lastwagen zu transportieren.„Behördliche Fahrverbote gibt es bei Niedrigwasser nicht“Wie eine stellvertretende Sprecherin der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) mitteilt, erfolgen im Fall von Niedrigwasser keine Sperren des Rheins oder anderer Wasserstraßen wie bei Hochwasser. Stattdessen würden die Kapitäne oder Reedereien die Ladung im eigenen Ermessen reduzieren. Wenn die Schiffe leichter sind, haben sie weniger Tiefgang und kommen auch durch seichtere Stellen. „Behördliche Fahrverbote gibt es bei Niedrigwasser nicht. Die Verantwortung für die Beladung und sichere Fahrt des Schiffes liegt beim Schiffsführer“, heißt es von der WSV.Niedrigwasser im Rhein ist kein neues Phänomen. Schon in den vergangenen Jahren war der wichtige Fluss so ausgetrocknet, dass die Logistik Probleme bekam. Im Jahr 2018 wurden wegen der Trockenheit sogar Teile der strategischen Ölreserven freigegeben. Der Chemieriese BASF, der in Ludwigshafen am Rhein ein großes Werk betreibt, hat in den vergangenen Jahren Spezialschiffe mit wenig Tiefgang angeschafft, die auch bei Niedrigwasser fahren können.Niedrigwasser ist kein größes Problem für Duisburger HafenBASF bezeichnet die aktuelle Situation als beherrschbar. Die Versorgung der Anlagen mit Rohstoffen und die Belieferung der Kunden sei gesichert. Mit dem eigenen digitalen Frühwarnsystem habe man die Pegelentwicklung des Rheins kontinuierlich im Blick und leite daraus die nötigen Maßnahmen ab. Konkret bedeute dies, dass bei aktuellem Rheinpegel noch alle Schiffe fahren, allerdings nicht mehr voll beladen werden könnten.Auch die Kölner Logistikgruppe HGK hat reagiert. Um den immer häufiger auftretenden Trockenphasen zu begegnen, lässt sie ihre neuen Schiffe so bauen, dass sie durch niedriges Wasser kommen. „Diese Schiffe können auch bei wenig Wasser mehr Fracht transportieren als herkömmliche Modelle“, schreibt ein Sprecher der HGK in einer Mail.Dem Duisburger Hafen bereitet das Niedrigwasser bisher noch keine größeren Probleme. „Aber wir beobachten die Situation kontinuierlich“, schreibt ein Sprecher von Duisport auf Anfrage. Das Unternehmen führe regelmäßig Baggerarbeiten vor den Hafeneinfahrten und Umschlagbetrieben aus, um Untiefen zu reduzieren.Das Wasserstraßenamt WSV erwartet am Wochenende zunächst Entspannung durch Regen am Rhein. „Der Anstieg wird jedoch voraussichtlich nicht nachhaltig sein“, so die Sprecherin. Nach dem Wochenende würden die Wasserstände unter Hochdruckeinfluss wieder in Richtung des derzeitigen Niveaus sinken.
Rhein: Niedrigwasser bedroht Schifffahrt und Logistik
Hitze und Dürre werden zum Problem für die Wasserstraßen. Schiffe sind schon mit weniger Ladung unterwegs. Reicht das?








