Ich bin ziemlich bald nach dem Mauerfall damals durch die versunkene DDR gereist, habe in Erfurt, Magdeburg, Leipzig, Dresden, sogar an der polnischen Grenze in Görlitz gelesen. Noch war nichts blank poliert und renoviert, noch war viel Verfall, Tristesse und trübes Grau. Ich fuhr mit Regionalzügen, die Schaffnerin knarzte an jeder Station: „Zujestiegen. Fahrscheene.“ Der Weihnachtsmarkt in Magdeburg war eine Art Schnäppchen-Vorhölle. Ich wollte mir gebrannte Mandeln kaufen und sagte: „Aber bitte warme.“ „Sind warm.“ Ich kaufte, sie waren kalt. „Die sind kalt.“ „Waren aber warm. Die werden eben ooch mal kalt.“ Klar, logisch.
Elke Heidenreich über ihre erste Reise in die DDR
Wie fühlte es sich als Westdeutsche an, nach dem Mauerfall den Osten zu sehen? Über Dankbarkeit, Melancholie – und kalte gebrannte Mandeln, die mal warm waren.







