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BYD, MG, Chery: Wie Chinas Autobauer den UK-Automarkt erobern Marktanteil nahezu verdoppelt: Im Vereinigten Königreich expandieren chinesische Hersteller rasant. Insbesondere im elektrifizierten Segment bauen sie ihre Anteile aus.

Felix Stippler 03.07.2026 - 12:52 Uhr Artikel anhörenOmoda-Autos kommen in Großbritannien an: Chinas Hersteller bauen ihre Marktmacht aus. Foto: REUTERSDüsseldorf. Chinesische Autohersteller bauen ihre Präsenz am zweitgrößten Automarkt Europas massiv aus. Innerhalb nur eines Jahres haben die Konzerne ihren Marktanteil im Vereinigten Königreich nahezu verdoppelt.Mehr als 15 Prozent der seit Jahresbeginn zugelassenen Autos kamen aus chinesischer Produktion – im selben Zeitraum des Vorjahres waren es weniger als acht Prozent. Das zeigen Zulassungsdaten des Dienstleisters Dataforce, die das Handelsblatt ausgewertet hat.Damit haben Fahrzeuge aus der Volksrepublik ihre Wettbewerber aus Japan Dataforce zufolge vom zweiten Platz verdrängt. Nur deutsche Marken sind noch beliebter: Hersteller wie BMW, Volkswagen und Mercedes kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent. Doch auch die Deutschen verlieren: Seit Jahresbeginn haben sie leicht an Marktanteilen eingebüßt.Branchenkennern zufolge zeigt sich im Vereinigten Königreich besonders deutlich, wie konsequent chinesische Hersteller ihre Expansionspläne umsetzen. In der Volksrepublik tobt ein harter Preiskampf, Absatzzahlen und Margen schrumpfen. Die Hersteller weichen deshalb auf westliche Märkte aus. „Großbritannien ist die Speerspitze der chinesischen Auto-Offensive in Europa“, sagt Simon Schnurrer, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman.Diese Offensive setzen die Autobauer fort. Beim jährlichen Motorsport-Event „Festival of Speed“ das vom 9. bis 12. Juli im britischen Goodwood stattfindet, präsentieren die Chinesen mehrere neue Modelle. Der weltgrößte Elektroautohersteller BYD allein will acht Autos enthüllen. „Es ist mehr als nur eine Präsentation, es ist ein Bekenntnis“, sagt Stella Li. Die Vizechefin des Autobauers gilt als eine der Schlüsselfiguren hinter der Europastrategie von BYD.Exklusiv China verkauft jetzt erstmals mehr E-Autos als Verbrenner Insbesondere im Segment, das Elektroautos und Plug-in-Hybride kombiniert betrachtet, wächst die Dominanz der chinesischen Marken. BYD etwa hat seine Präsenz in diesem Segment innerhalb von zwei Jahren massiv ausgebaut. So kam der Konzern im ersten Quartal 2024 auf knapp 1300 neu zugelassene Autos. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren es im Vereinigten Königreich mehr als 21.000 Neuzulassungen – das entspricht einem Marktanteil von mehr als 4,5 Prozent.Bei den reinen Stromern steht der Konzern kurz davor, Marktführer zu werden. Den Zahlen von Dataforce zufolge kommt der Hersteller in diesem Segment seit Jahresbeginn auf einen Anteil am UK-Markt von knapp unter sieben Prozent. Elon Musks Unternehmen Tesla liegt mit rund 180 Neuzulassungen mehr knapp vor BYD auf dem ersten Platz.Bei Elektroautos schließen die Chinesen zunehmend zu den deutschen Herstellern auf, die im Vergleich zum Vorjahr Anteile verloren haben. Den Dataforce-Zahlen zufolge kommen die größten chinesischen Marken auf knapp unter 18 Prozent.Keine ZölleIm Vergleich zum EU-Markt sind die chinesischen Marken im Vereinigten Königreich deutlich stärker vertreten. In der Union haben die Hersteller ebenfalls zugelegt und kommen auf einen Anteil von etwa zwölf Prozent. Das liegt Berater Schnurrer zufolge zum einen an den Zöllen von zum Teil mehr als 40 Prozent, die die Europäische Union auf chinesische Elektroautos erhebt. Weil Großbritannien nach dem Brexit kein EU-Mitglied mehr ist, gelten diese Zölle dort nicht. Zudem seien die Briten eher bereit, auf Stromer umzusteigen.Elektromobilität Mit offenem Visier – So plant Geely seine Deutschland-Offensive Eine frühere britische Volumenmarke ist bereits seit gut 20 Jahren in chinesischer Hand: MG wurde nach der Rover-Insolvenz von einem chinesischen Konzern aufgekauft, den später SAIC übernahm.Laut Schnurrer ist das ein weiterer Grund für den Erfolg der Chinesen. „Es gibt keine britische Volumenmarke mehr, die noch verdrängt werden könnte – die verbleibende lokale Industrie hat sich vor allem auf hochpreisige Nischen spezialisiert. Und ein chinesisches Auto mehr wird weder Aston Martin noch Rolls-Royce kaputtmachen“, sagt er.MG ist nach wie vor der größte chinesische Autobauer auf dem britischen Markt. Während der Hersteller in der Vergangenheit noch stark auf Verbrennermodelle setzte, machen Hybrid- und Mild-Hybrid-Modelle bei MG inzwischen mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen aus.Führend bei Plug-insBei Plug-in-Hybriden (PHEV) kontrollieren die Chinesen bereits knapp 40 Prozent des Marktes und sind damit Marktführer. Dabei spielen am UK-Markt neben BYD auch die beiden Chery-Marken Omoda und Jaecoo eine wichtige Rolle.Jaecoo ist innerhalb weniger Monate stark gewachsen, von knapp 1600 Neuzulassungen im ersten Quartal 2025 auf rund 12.750 PHEV-Neuzulassungen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Die Kunden im Vereinigten Königreich fragen vor allem die SUVs der chinesischen Hersteller nach. Etwa den Jaecoo 7, der im Design dem britischen Aushänge-SUV Range Rover stark ähnelt, mit einem Preis von umgerechnet mindestens 32.000 Euro aber deutlich günstiger ist. In der Branche nennen viele das Modell spöttisch „Temu Range Rover“.Die beiden Chery-Töchter gewinnen auch in der Europäischen Union zunehmend an Popularität, besonders in Spanien und Italien. Auf PHEVs aus China gilt innerhalb der Union kein Zoll. Deshalb sind die Chinesen auch auf dem EU-Markt in diesem Segment stark gewachsen. Verwandte Themen Europäische UnionBYDChinaGroßbritannienAston MartinJaecoo 7: Chinesische SUVs sind besonders beliebt. Foto: PRAnders als im Heimatmarkt setzen die Firmen im Vereinigten Königreich laut Branchenkenner Schnurrer nicht auf Kampfpreise. Dank ihrer niedrigeren Kostenbasis können sie höhere Margen erzielen, die sie angesichts der schwindenden Erträge in China dringend benötigen. Die Firmen verfolgen dem Experten zufolge einen langfristigen Ansatz und sind insbesondere darauf bedacht, sich Händlernetze zu erschließen und zunehmend Flottenkunden zu gewinnen.Das zeigen auch die Dataforce-Daten. Anders als in vielen EU-Staaten sind die chinesischen Hersteller demnach sowohl bei Unternehmenskunden als auch bei privaten Käufern mehrheitlich präsent. In Märkten wie Deutschland entfällt bei manchen Herstellern noch immer ein großer Teil der Neuzulassungen auf Händler oder die Hersteller selbst. Diese Autos sind zwar zugelassen, aber noch nicht verkauft. Branchenkenner sprechen deshalb von „taktischen Zulassungen“. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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