Der Sockel wird immer breiter, die anspruchsvolle Küche in Deutschland hat eine starke Basis: So hatte der Restaurantführer Guide Michelin in seiner Ausgabe für 2016 die kulinarische Lage im Land beurteilt. Wer auf Frankfurt und Hessen blickte, konnte dem durchaus zustimmen. Vier neue Zweisternerestaurants hatte der Guide Michelin damals ausgerufen, eines davon in Frankfurt, das „Lafleur“ im Palmengarten-Gesellschaftshaus mit Küchenchef Andreas Krolik.Zehn Jahre und eine Pandemie später mögen aus diesem Sockel einige Steine herausgebrochen sein, auch in Frankfurt. An der Spitze, so scheint es, herrscht aber wieder Energie, und die noch immer meistbeachtete Institution, die sie misst, hat das bemerkt.Als am 23. Juni der Guide Michelin seine neuen Wertungen für Deutschland verkündete, zeichnete er drei Restaurants mit insgesamt fünf Sternen aus. Es war das zweite Mal, dass der Restaurantführer die Auszeichnungen in Frankfurt präsentierte. Ein lokalpatriotischer Akt war das nicht, auch wenn die Redaktion der deutschen Ausgabe ihren Sitz in der Stadt hat.Wer eine Michelin-Gala ausrichten möchte, muss Geld bereitstellen, ungeachtet der Tatsache, dass der Restaurantführer das Produkt eines privaten Unternehmens ist. Die Erwartung der Gastgeber: dass die Umwegrendite hoch ausfällt. Anders gesagt: Einiges von der Aufmerksamkeit, die jedes Jahr die Verleihungen der Michelin-Sterne erregen, bekommen auch die Orte ab, an denen sie stattfinden, was wiederum die Hoffnung unter anderem auf Tourismuszuwachs und die damit verbundenen Einnahmen nährt.Nutzen angezweifeltMit Spitzengastronomie in Verbindung gebracht zu werden, steht Frankfurt gut zu Gesicht. Dies umso mehr, als sich, von der Ankündigung abgesehen, dass Siemens neue Arbeitsplätze schaffen will, die guten Nachrichten aus und für die Kommune in jüngster Zeit nicht überschlagen haben. Die Messe verliert ein ums andere Geschäft, nach Suhrkamp verabschiedet sich mit S. Fischer der nächste Traditionsverlag nach Berlin. Ein Zuwachs an ausgezeichneten Restaurants und die Nennung der Stadt in so einem Zusammenhang hingegen sind etwas Positives.Dass es sich lohnt, in das Ereignis Michelin-Gala zu investieren, hatte ein Kommunalpolitiker der Linken im Frankfurter Römer angezweifelt: 350.000 Euro aus dem Stadtsäckel und 150.000 Euro aus Mitteln der Tourismus und Congress GmbH seien eine unnötige Subventionierung elitärer Zusammenhänge. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung war gegenteiliger Ansicht, und das ist gut so. Das auch, weil die Gala flankiert war von einer Veranstaltungsreihe, zu der kulinarische Abende gehörten, Tage für Berufsschüler und ein Nachwuchswettbewerb; auch dafür wurden die städtischen Mittel verwendet. Maßgeblich ersonnen hatte das Robert Mangold, Geschäftsführer der Tiger & Palmen Gruppe, Frankfurter Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA und dessen Präsident für Hessen.Dass Ausgaben für Veranstaltungen, deren Nutzen sich nicht automatisch erschließt, kritisiert werden, ist legitim, lesen kann man sie als Ersuchen um Transparenz. Was wofür genau ausgegeben wurde, wie viele Besucher welches Ereignis hatte, welche Effekte messbar sind: Das sollte nach der Sommerpause offiziell bilanziert werden.