«Touristische Seen meide ich grundsätzlich»: Ein Extremschwimmer verrät, wo Wasser am schönsten istErnst Bromeis über Bergseen, Badehosen aus PET-Flaschen und Glace, von der man nie genug bekommt.03.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenErnst Bromeis ist Wasserbotschafter und Extremschwimmer. Der ehemalige Triathlontrainer durchquerte in Expeditionen unter anderem den Rhein von der Quelle bis zur Mündung. Das Projekt «Das blaue Wunder» startete der 58-Jährige 2007, um Menschen für die Ressource zu sensibilisieren. Derzeit baut Bromeis in Reichenau (GR) ein «Haus des Wassers» auf. (www.graubuendenwasser.ch)Maurice Haas, Bearbeitung Patrick SavolainenBeigebracht hat mir das Schwimmen meine Mama in den Ferien in Rimini, als ich ein Kindergärtler war. Als Teenager schnorchelte ich einmal so lange, dass ich abends zusammenklappte. Wirklich gut gelernt habe ich es aber erst mit meiner heutigen Frau, einer Schwimmerin. Sie bereitete mich auf den Schwimmtest vor, der damals zur Aufnahmeprüfung fürs Sportstudium gehörte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Triathlet schwamm ich in natürlichen Gewässern und habe mich dann darauf spezialisiert. Ich durchquerte unter anderem rund zweihundert Seen in Graubünden und die grössten Seen jedes Kantons. Und ich schwamm von der Quelle des Rheins bis zu seiner Mündung, rund 1200 Kilometer.Wobei: Ob Fluss, See oder Meer – es ist ja immer dasselbe Wasser. Die ersten Einzeller sind darin entstanden, Dinosaurier haben es getrunken, und auch alles Leben nach uns wird nur das Wasser nutzen können, das wir hinterlassen. Neues Wasser gibt es nicht. Das macht diese Ressource so existenziell und schicksalhaft.Aus diesem Grund mag ich Firmen, die versuchen, das Wasser zu schützen. Das Zürcher Unternehmen Round Rivers etwa stellt Badehosen aus PET-Flaschen her, die zuvor aus der Limmat gefischt wurden (ab 79 Franken).Auch bei Sonnencrème gilt: Wir sollten uns nicht schützen, indem wir dem Wasser schaden. Also vermeide ich Produkte mit heiklen UV-Filtern. Bei Tests gut abgeschnitten hat zum Beispiel die Lotion von Eco Cosmetics (28 Franken / 100 ml).Eine Schwimmbrille muss vor allem dicht sein. Der Test: Brille an die Augen drücken, ohne den Kopfriemen zu benutzen. Wenn sie durch das Vakuum hält, ist sie dicht. Wir Sportschwimmer nutzen meist sogenannte Schwedenbrillen: klein, leicht, hydrodynamisch und billig (ab zirka 9 Franken).Auf meinen Expeditionen im Wasser habe ich immer Ohropax-Ohrstöpsel aus Silikon dabei (zirka 9 Franken / 6 Stück).Die beste Belohnung nach einem langen Schwimmtag ist ein Coupe Dänemark. Während meiner Rheinexpedition, die 44 Tage dauerte, habe ich fast jeden Abend einen Coupe Dänemark gegessen.Sonst geniesse ich am liebsten Wasserglace, zum Beispiel eine Rakete (65 Rappen).Der schönste See der Schweiz? Wer es archaisch mag, kommt auf dem Hochplateau des Lai da Rims bei Scuol auf seine Kosten. Romantiker werden am Lag da Laus in der Surselva fündig. Aus sportlicher Sicht empfehle ich die Überquerung des Walensees: mit dem Schiff nach Quinten und dann zurück nach Murg. Touristische Seen meide ich grundsätzlich.Der Weiler Isola am Silsersee ist malerisch. Dort gibt es ein kleines Hotel mit Restaurant, das «Lagrev» (Doppelzimmer ab zirka 220 Franken). Ebenfalls schön: die Badhütte in Rorschach am Bodensee von 1924. Sie ist im Dezember 2024 leider abgebrannt, soll aber wieder aufgebaut werden.Drei Regeln fürs Schwimmenlernen: Eine vertrauenswürdige Person muss dabei sein. Das Kind soll stets Grund unter den Füssen haben. Und: Es muss erleben, dass man unter Wasser sehen und ausatmen kann. Gerade das Atmen beherrschen viele erwachsene Hobbyschwimmer nicht. Aber wer nicht richtig atmet, wird sofort ermüden.Der wichtigste Gedanke, wenn man im Wasser in Schwierigkeiten gerät, ob durch Krämpfe, Strömung oder Kälte: Du stirbst nicht sofort. Meist bleibt Zeit, das Problem zu lösen. Am gefährlichsten ist die Panik.Wasser zu schützen, fängt im Kleinen an: seltener waschen, Pestizide, Ewigkeitschemikalien, etwa PFAS, und Plastik in der Umwelt vermeiden. Der grösste Hebel in unserem Land ist aber, sich auf demokratischem Weg für das Element zu engagieren.Ein Artikel aus der «NZZ Folio»Passend zum Artikel