Mitarbeiter von Ernst & Young nach Eindringen in das Konto des australischen Premierministers vor GerichtEin Angestellter der Prüfungsfirma Ernst & Young und ein weiterer Mann haben das Bankkonto des australischen Premierministers Anthony Albanese gehakt. Die Regierung erwägt nun eine Aufspaltung der grossen Beratungsfirmen.03.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer australische Premierminister Anthony Albanese bezeichnete den Hack seines Kontos als «erhebliches Problem».ImagoEinen solchen Vorfall gibt es in der Finanzbranche selten: Ein Wirtschaftsprüfer soll sich Zugang zum Bankkonto eines Premierministers verschafft haben. Diese Woche mussten ein Mitarbeiter der Prüf- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) sowie ein weiterer Mann vor Gericht erscheinen, da sie ohne Berechtigung auf das Konto des australischen Regierungschefs Anthony Albanese zugegriffen haben sollen. Der EY-Mitarbeiter arbeitete im Auftrag von EY bei der Commonwealth Bank als der Vorfall passiert sein dürfte. Ihm wurde inzwischen gekündigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Albanese bezeichnete den Fall in einem Radiointerview mit dem staatlichen Sender ABC als «erhebliches Problem»: Besonders beunruhigend sei, dass ein externer Dienstleister – statt eines Mitarbeiters der Bank selbst – auf die Daten zugreifen konnte.Regierung erwägt Aufspaltung der BeratungsunternehmenDer Vorfall kommt für die Branche zu einem äusserst ungünstigen Zeitpunkt. Der stellvertretende Finanzminister Daniel Mulino präsentierte diese Woche ein Reformpapier, das umfassende organisatorische Veränderungen bei den grossen Prüfungs- und Beratungskonzernen vorsieht. Im Fokus steht die sogenannte «organisatorische Separation»: Firmen wie KPMG, Deloitte, PwC und EY sollen künftig entweder ausschliesslich Prüfungen oder nur noch Beratungen durchführen dürfen – nicht länger beides parallel. Ein weniger radikaler Vorschlag sieht lediglich organisatorische «Trennwände» zwischen den Bereichen vor.Weitere Reformvorschläge enthalten eine Deckelung der Zahl der Partner auf 400 pro Unternehmen – das liegt erheblich unter den derzeit bis zu 1000 Partnern mancher Konzerne – sowie ein Verbot, Mandanten in beiden Bereichen gleichzeitig zu bedienen. Auch die Finanzaufsicht Asic soll gestärkt werden, nachdem die bisherige Selbstkontrolle durch Berufsverbände wie Chartered Accountants ANZ verstärkt kritisiert worden ist.Das Kernstück der Reform ist dabei eine neue Lizenzpflicht: Erstmals sollen ganze Prüfungsfirmen – nicht nur einzelne Prüfer – eine Zulassung der Asic benötigen, verbunden mit Auflagen zu Qualitätsmanagement und Governance sowie Strafen von bis zu 910 Millionen australischen Dollar (fast 550 Millionen Euro) bei Verstössen.Dass die Behörde diese Kontrolle personell überhaupt leisten kann, bezweifelt die Rechtswissenschafterin Helen Bird von der Swinburne University allerdings: Die Zahl der Asic-Kontrollen sei in den vergangenen zehn Jahren gesunken, schrieb sie in einer Analyse zum Thema. Mulino sprach von einem «Vertrauensdefizit», das behoben werden müsse: «Es ist an der Zeit, Vertrauen und Integrität zurückzugewinnen, damit sich Regierung, Steuerzahler und Unternehmen auf die Dienste der grossen Prüfungs- und Beratungsfirmen verlassen können.»Serie von SkandalenDie geplanten Massnahmen knüpfen an eine Reihe von Skandalen bei den «Big Four» an. So kam ans Licht, dass KPMG-Partner vertrauliche Papiere des Immobilienkonzerns Lendlease, darunter Vorstandsprotokolle sowie – besonders brisant – Pitch-Unterlagen von Konkurrenten wie EY und PwC gebraucht haben sollen, um sich Aufträge bei der Bank Westpac sowie dem Vermögensverwalter Dexus zu sichern. Ein ehemaliger Leiter des Audit-Bereichs hatte diese Vorwürfe bereits 2024 intern eingereicht. In den vergangenen Wochen schlug der Skandal dann auch öffentlich hohe Wellen.Die Auswirkungen waren erheblich: Neben dem Rücktritt des australischen CEO Andrew Yates, des Chairman Martin Sheppard und des Audit-Leiters Julian McPherson verlor KPMG sein langjähriges Prüfungsmandat bei Lendlease. Das Finanzministerium klassifizierte den Fall offiziell als «significant event». Diese Kategorisierung war nach dem PwC-Skandal etabliert worden. Sie verpflichtete KPMG dazu, bei allen staatlichen Projekten nachzuweisen, dass keine an Fehlverhalten beteiligten Personen tätig sind.Aufsicht nicht strukturell verankertBeim PwC-Skandal von 2023 ging es um ein Steuerleck, das ein PwC-Partner nutzte, um Regierungsdokumente zu geplanten Steuermassnahmen an grosse Klienten weiterzugeben, mit dem Ziel, sie bei Umgehungsstrategien zu unterstützen. Daraufhin musste PwC seinen Bereich der Beratung für staatliche Aufträge ausgründen; dieser firmiert seither unter Scyne. Nach dem Skandal sind die Staatsaufträge an die «Big Four» laut «Guardian»-Berichten von 218 Millionen australischen Dollar im Fiskaljahr 2021/22 auf 114 Millionen im Jahr 2024/25 gesunken.Hinter beiden Fällen – PwC und KPMG – steckte dasselbe Kernproblem: Partnerschaften entgingen bislang etablierten Kontrollsystemen. Im Gegensatz zu Aktiengesellschaften waren sie nicht verpflichtet, sich regelmässig einer externen Überprüfung zu unterziehen.In Deutschland sowie der Schweiz unterliegen Auditing-Firmen nach Einschätzung von Markus Wagner, Rechtswissenschafter aus Deutschland an der University of Wollongong, einer wesentlich strengeren behördlichen Aufsicht als in Australien. In Deutschland seien dafür die Wirtschaftsprüferkammer und die Abschlussprüferaufsichtsstelle zuständig. Hinzu komme, dass die EU-Abschlussprüferverordnung einen standardisierten Regelrahmen schaffe, der die Offenlegung von Interessenkonflikten, den Wechsel von Mandatsträgern und externe Qualitätskontrollen auch für Partnerschaften verpflichtend vorschreibe. «Dieses Regulierungsniveau hat Australien bislang strukturell nicht erreicht», so Wagner. Trotzdem bleibe auch in Europa die Steuerung grosser Beratungsnetzwerke mit mehreren Geschäftsfeldern «ein schwierigeres Feld».Passend zum Artikel