Mehr als 6,1 Millionen Euro wendet die Hessische Landesregierung für die punktuelle Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit auf. „Eine eigene Wohnung ist weit mehr als ein Dach über dem Kopf“, sagte Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) am Donnerstag. Sie sei ein Rückzugsort und bedeute Schutz, Privatsphäre und Selbstbestimmung.Gemeinsam mit Vertretern verschiedener Sozialträger stellte sie 15 Modellprojekte vor. Sie sollen den Verlust von Wohnungen frühzeitig verhindern, den Zugang zu dauerhaftem Wohnraum ermöglichen, Menschen beim Übergang aus stationären Einrichtungen in eigenen Wohnraum helfen und passende Angebote für besonders schutzbedürftige Menschen schaffen.Hessen: 34.000 Menschen von Wohnungsnot bedrohtStatistiken zufolge leiden in Hessen mindestens rund 34.000 Menschen unter Wohnungsnot oder sind davon bedroht. 1711 Menschen leben auf der Straße. Sie werden Obdachlose genannt. 29.035 Personen sind nach den Angaben des Statistischen Bundesamts in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Sie gelten als „wohnungslos“. Hinzu kommen 1891 „verdeckt Wohnungslose“. Sie schlafen beispielsweise bei Freunden. 1397 Personen sind von Wohnungslosigkeit bedroht.Dies ist einer der Anknüpfungspunkte für sechs der 15 Modellprojekte. Sie fördern den Aufbau von Fachstellen zur Wohnraumsicherung, die Menschen beraten, deren Wohnung beispielsweise durch Mietschulden, Kündigungen oder Konflikte mit Vermietern gefährdet ist.Weitere sechs Projekte setzen den sogenannten Housing-First-Ansatz um. Dabei erhalten wohnungslose Menschen zunächst eine eigene Wohnung und werden anschließend durch Fachkräfte dabei unterstützt, ihre Lebenssituation dauerhaft zu stabilisieren.Hofmann plädiert für „würdevolle Unterkünfte“ in FrankfurtZwei Modellprojekte verbessern das sogenannte Schnittstellenmanagement. Sie richten sich an Menschen, die etwa nach einem Aufenthalt in einer Klinik, einer stationären Einrichtung oder nach der Haftentlassung keine gesicherte Wohnperspektive haben. Dadurch soll verhindert werden, dass Menschen an solchen Übergängen wohnungslos werden oder ohne passende Hilfe bleiben.Ein weiteres Modellprojekt schafft in Frankfurt einen geschützten Tagesaufenthalt für wohnungslose Frauen. Dort erhalten sie Beratung, Unterstützung und einen geschützten Ort, von dem aus weitere Hilfen vermittelt werden können.Mit den Modellprojekten schaffe man Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben, erklärte Hofmann. „Wohnen ist ein Menschenrecht.“ Auf die Frage, was sie von den Diskussionen über die Unterbringung von Obdachlosen in S-Bahnhöfen in Frankfurt halte, antwortete die Ministerin, dass es um „eine kommunale Angelegenheit“ gehe. Sie fügte aber hinzu, dass man „fachlicherseits“ für „würdevolle Unterkünfte“ plädiere.FDP nennt Housing-First-Strategie wichtigen SchrittYanki Pürsün, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion aus Frankfurt, nannte die Housing-First-Strategie einen Schritt in die richtige Richtung. Jetzt sei vor allem die Großstadt Frankfurt am Zug. Sie müsse den Ansatz deutlich ausbauen und die Landesförderung konsequent nutzen. „Housing First ist ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung des Bahnhofsviertels – aber nur im Zusammenspiel mit einer konsequenten Sicherheits-, Sucht- und Ordnungspolitik.“Der Vorsitzende der Hessen Caritas, Jörg Klärner, lobte die Landesregierung dafür, dass sie sich trotz der schwierigen Haushaltslage und vieler Kürzungen finanziell engagiere. Dies sei aus der Sicht der freien Wohlfahrtspflege ein wichtiges Signal. „Wohnungslosigkeit ist keine Randfrage. Sie ist eine der härtesten Formen von Armut und berührt zentrale Fragen von Würde, Sicherheit und Teilhabe.“
Hessen: Was das Land für Wohnungslose tun will
Mit 15 Modellprojekten will die hessische Sozialministerin den Kampf gegen Wohnungslosigkeit verstärken. Dabei spielt auch die Frankfurter Diskussion über die kurzfristige Schließung einer Notunterkunft eine Rolle.






