Wenn das Statistische Bundesamt Anfang Juli meldet, dass Sachsen bei der Geburtenrate erneut das Schlusslicht bildet, ist die Schlagzeile schnell geschrieben: „Rekordtief seit 1997.“ Doch die Zahl 1,16 erzählt nur die halbe Geschichte.

Denn hinter dem Geburtenrückgang steht kein plötzliches Ereignis, sondern eine Kombination aus demografischen, sozialen und regionalen Faktoren, die sich seit Jahren gegenseitig verstärken. Wer verstehen will, warum in Sachsen so wenige Kinder geboren werden wie in kaum einer anderen Region Europas, muss über Kinderwünsche und Elterngeld hinausschauen – und sich die Struktur der sächsischen Gesellschaft genauer ansehen.

Ein Freistaat mit wenig Zuwanderung – und den Folgen

Der vielleicht auffälligste strukturelle Unterschied zum Bundesschnitt liegt in der Bevölkerungszusammensetzung. Der Ausländeranteil lag in Sachsen 2025 bei 8,4 Prozent, bundesweit hingegen bei 14,9 Prozent. Diese Lücke wirkt sich unmittelbar auf die Geburtenzahlen aus: Während in Deutschland insgesamt bereits 29,1 Prozent aller Neugeborenen eine nichtdeutsche Mutter haben, sind es in Sachsen lediglich 20,8 Prozent.

Da die Geburtenziffer ausländischer Frauen in Deutschland mit 1,78 deutlich über jener deutscher Frauen liegt, fehlt dem Freistaat der „zuwanderungsbedingte Stabilisierungseffekt“, der die Geburtenrate in westdeutschen Flächenländern spürbar stützt. Vereinfacht gesagt: Sachsen profitiert weniger von einer Bevölkerungsgruppe, die anderswo statistisch als demografischer Puffer wirkt.