Sie war mit Pablo Picasso befreundet und beschenkte Luzern mit einer der schönsten Kunstsammlungen. Zum Tod von Angela RosengartDie Grande Dame des Schweizer Kunsthandels Angela Rosengart ist im Alter von 94 Jahren gestorben.02.07.2026, 15.17 Uhr4 LeseminutenAngela Rosengart neben ihren Porträtbildern von Pablo Picasso in ihrem Museum in Luzern, Aufnahme von 2021.Karin Hofer / NZZDie Kunst bestimmte Angela Rosengarts Werdegang von der Kindheit bis ins hohe Alter. In den letzten Jahren machte sie in erster Linie als Museumsdirektorin von sich reden, als Hüterin eines der schönsten Museen der Schweiz, wenn nicht weltweit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Museum Rosengart ist ein Juwel, was Inhalt und Verpackung angeht. Der neoklassizistische Palazzo inmitten der Stadt Luzern war einst eine Bank. Als Angela Rosengart vor etwas über zwanzig Jahren das Gebäude erwarb, zog dort mit ihrer Sammlung die Kunst ein. Rund 300 Exponate, das Beste, was die Moderne zu bieten hat: Picasso, Matisse, Miró, Chagall, Klee.Zuallererst aber war Angela Rosengart das Kind eines der bedeutendsten Kunsthändler in Europa, bevor sie selber mit Kunst zu handeln begann als umsichtige Vermittlerin, die zugleich eine eigene Sammlung aufbaute und pflegte. Ihr Vater, Siegfried Rosengart (1894–1985), war ein Jahrhunderthändler, der grosse Namen der klassischen Moderne vermittelte. 1920 gründete er in Luzern eine Galerie, die später seine Tochter übernahm.Das Kunstvirus im BlutAngela Rosengart lernte das Metier des Kunsthandels von der Pike auf, stieg schon als junge Frau in den Familienbetrieb ein, gleich nach dem Schulabschluss. Um dann das ganze Leben lang dort zu wirken. Dabei machte Angela Rosengart aus einer anfänglichen Not eine Tugend: Nachdem sich ihr Vater in den Skiferien das Bein gebrochen hatte, musste sie in der Galerie mit anpacken. Schwer fiel es ihr nicht. Sie liebte es, von Kunst umgeben zu sein. Kunst war in ihren Augen da, um die Menschen zu erfreuen. So hielt sie es ein Leben lang, insbesondere auch als Museumsgründerin.Das Kunstvirus hatte sie im Blut, denn es war ein Familienvirus. Der Onkel ihres Vaters war kein Geringerer als der berühmte Münchner Galerist Heinrich Thannhauser. Er bewog Angela Rosengarts Vater dazu, in Luzern eine Filiale zu betreiben. 1928 wurde die vormalige Galerie Thannhauser dann zur Galerie Rosengart. Hier schulte Angela Rosengart ihr Auge für gute Kunst im täglichen Umgang mit ihr. 1957 wurde sie mit 25 Jahren Teilhaberin der Galerie.Durch Angela Rosengarts feine Hände gingen Werke von van Gogh, Cézanne, Vuillard, Bonnard, Matisse, Gris, Miró, Chagall und Picasso. Manets Meisterwerk «Un bar aux Folies-Bergère» vermittelte die Galerie an das Courtauld Institute in London. Bei den Rosengarts gingen Sammler wie der deutsche Baron von der Heydt, damals Besitzer des Monte Verità in Ascona, ein und aus, und Künstler wie Marc Chagall, Georges Braque oder Henri Matisse. Mit ihnen entstanden lebenslange Freundschaften.Vom Meister porträtiertVon jener Zeit zeugt in den Luzerner Museumsräumen ein Porträtbild von Angela Rosengart, das Picasso gemalt hat. Als sie vom grossen Meister in Südfrankreich eines Tages aufgefordert wurde, ihm Modell zu sitzen, war ihre Aufregung so gross, dass sie die halbe Nacht nicht schlafen konnte, wie sich Angela Rosengart vor ein paar Jahren in einem Interview mit dieser Zeitung erinnerte.Angela Rosengart in einem Porträt von Pablo Picasso aus dem Jahr 1964.Pro Litteris, ZürichDie junge Galeristin hatte Picasso als liebenswürdigen Menschen kennengelernt. «Picasso hatte ja viele Seiten, man hat nie den ganzen Picasso gesehen. Wenn er aber jemanden gut mochte, dann war das ein wunderbares Verhältnis», so beschrieb sie ihre Eindrücke von dem Künstler, der sie nicht weniger als fünfmal porträtiert hatte.Sie und ihr Vater hatten das Privileg, Bilder bei Picasso für die Galerie direkt aussuchen zu dürfen. Heute hängen von ihm Meisterwerke in Luzern, interessante Bilder, besondere und vielleicht auch etwas schwierige Werke, die sich nicht leicht verkaufen liessen. Kunstwerke jedenfalls, von welchen sich Angela Rosengart und ihr Vater nicht mehr trennen wollten, weil sie ihnen ans Herz gewachsen waren.Für diese über die Jahre gewachsene Familiensammlung gründete Angela Rosengart 1992 eine Stiftung zum Zweck, das Konvolut zu bewahren. Mit dem ehemaligen Gebäude der Nationalbank an der Pilatusstrasse 10 konnte 2002 ein musealer Rahmen gefunden werden.Für die Zukunft vorgesorgtAngela Rosengart war eine leidenschaftliche Kunsthändlerin. Ihr ging es nicht einfach darum, Bilder zu verkaufen. Sie war stets darum bemüht, Werke gut zu platzieren. Sei es in privaten Sammlungen oder in namhaften Museen: Der Ort für ein Werk musste für sie stimmen.In ihrem Herzen war Angela Rosengart aber eine noch leidenschaftlichere Kunstsammlerin. Aufgrund ihrer Liebe zur Kunst war es für sie oft schwer, sich von Werken zu trennen. Das Sammelfieber packte sie bereits mit 16 Jahren. 1948 verliebte sie sich in einer Ausstellung der Galerie mit Werken von Paul Klee in eine Zeichnung mit dem Titel «X=chen». Sie konnte das Blatt mit einem ihrer ersten Monatslöhne als Galeriemitarbeiterin erwerben: Das waren damals 50 Franken. Heute ist das Blatt eines der beliebtesten Postkartenmotive des Museums.Angela Rosengart sammelte weiter, vor allem Werke von Klee. Heute beherbergt das Museum rund 125 Arbeiten. Sie hängen in den ehemaligen Tresorräumen im Soussol des Museums. Für dessen Bestand hat Angela Rosengart bereits zu Lebzeiten vorgesorgt. Kunst und Gebäude gehören der Stiftung. Und auch die Werke liess sie auf ihre Provenienz untersuchen, obwohl sie sie als unproblematisch betrachtete: Die Konvolute von Chagall und Picasso stammen direkt von den Künstlern, vieles von Klee aus dessen Nachlass.Noch lange ist Angela Rosengart fast jeden Tag in ihrem Museum anzutreffen gewesen. Nun ist sie im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit ihrem Museum hat sie die Kunstfreunde dieser Welt reich beschenkt.Passend zum Artikel