Es geht um pflegerische Mängel und um den Vorwurf, dass Mitarbeitende ihre Schutzbefohlenen misshandelt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ermittelt gegen sieben teils ehemalige Mitarbeiter des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW), eine der größten sozialen Einrichtungen in Süddeutschland. Gleichzeitig ermitteln die Fahnder aber auch wegen falscher Verdächtigung: Eine umfassende interne Prüfung, teilt das DRW mit, habe keine Beanstandungen ergeben, genauso wie Prüfungen der eingeschalteten Aufsichtsbehörden. Möglicherweise, lässt das DRW durchblicken, hätten Konflikte innerhalb des Teams zu gegenseitigen Vorwürfen geführt – die Einrichtung hat mit Kündigungen reagiert und umstrukturiert.Die Ermittlungen unter anderem wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, teilt die Staatsanwaltschaft mit, würden noch mehrere Wochen andauern, es gelte die Unschuldsvermutung. Laut DRW hatten erstmals im Juli 2025 Mitarbeitende einer Wohneinrichtung Hinweise auf mutmaßliche pflegerische Mängel sowie mögliche Gewalttaten an die zuständige Einrichtungs- sowie Gesamtleitung des DRW gemeldet. In der betreffenden Wohneinrichtung werden schwerst- und mehrfach behinderte Menschen betreut, die rund um die Uhr auf Unterstützung angewiesen sind. Das DRW betont, dass „die Klientinnen und Klienten eigen- und fremdgefährdendes Verhalten zeigen“ und insofern teilweise auch freiheitsentziehende Maßnahmen angewendet werden müssten. Diese seien jedoch „in jedem Einzelfall richterlich genehmigt“.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Das Dominikus-Ringeisen-Werk ist einer der größten sozialen Träger in Bayern, mehr als 5000 Mitarbeitende unterstützen täglich mehr als 6000 Menschen mit Beeinträchtigung, die an verschiedenen Standorten betreut, gefördert und begleitet werden. Alleine in der Zentrale in Ursberg leben etwa 1000 Menschen mit Behinderungen. Das DRW verfügt dort unter anderem über Wohnangebote und betreibt ein Krankenhaus und ein Sanitätshaus. „Der Schutz und die Würde der uns anvertrauten Menschen haben für uns hohe Bedeutung. Wir unterstützen die laufenden behördlichen Ermittlungen und arbeiten mit den zuständigen Stellen konstruktiv zusammen, um zur Aufklärung des Sachverhalts beizutragen“, sagt Wolfgang Tyrychter, zuständiger Ressortvorstand des DRW.Die Mitarbeiter, die die Vorwürfe erhoben haben, haben nach Informationen der SZ unter anderem Beleidigungen und herabwürdigende Äußerungen beanstandet. Doch die eingeschaltete Heimaufsicht, teilt das DRW mit, habe die Einrichtung mehrfach geprüft, „jeweils ohne tatsächlich feststellbare Betreuungsmängel“. Die Präventions- und Interventionsbeauftragten des DRW hätten ebenfalls Gespräche mit allen Beteiligten geführt. In Fällen, in denen sich die Vorwürfe nicht bestätigt hätten, seien dabei neue Vorwürfe erhoben worden. „Auch diesen Vorwürfen wurde nachgegangen“, heißt es in einer Stellungnahme.Das Verhältnis einiger Mitarbeiter untereinander war offenbar stark zerrüttetSchließlich hätten Mitarbeiter Strafanzeigen gegen Kolleginnen und Kollegen gestellt, innerhalb des Teams seien gegenseitig Vorwürfe erhoben worden. Die internen Verwerfungen gingen so weit, dass nach Darstellung des DRW ein Mitarbeiter heimlich ein Personalgespräch mit einer Leitungskraft aufgezeichnet und diese an andere weitergegeben habe. Das DRW leitete unter anderem in diesem Fall strafrechtliche Schritte ein und meldete den Vorgang an Datenschutzbehörden. Dem betreffenden Mitarbeiter sei – wie weiteren Kolleginnen und Kollegen – gekündigt worden. Da sich keine Anhaltspunkte ergeben hätten, betont das DRW, habe es jedoch keine Entlassungen wegen der Gewaltvorwürfe gegeben.Um die Situation zu deeskalieren, stellte das DRW in der betroffenen Wohneinrichtung das Betreuungsteam neu zusammen. Demnach sei im Oktober 2025 eine neue Teamleitung mit langjähriger Führungs- und Praxiserfahrung in der Betreuung von Menschen mit komplexen Behinderungen installiert worden. Auch habe es Schulungsmaßnahmen für die Belegschaft gegeben, personelle Unterstützung sowie zusätzliche Vorsorgemaßnahmen. Laut DRW gab es seitdem auch keine neuen Vorwürfe über etwaige Pflegemängel mehr.Vertreter des Dominikus-Ringeisen-Werks haben nach eigenen Angaben Angehörige sowie gesetzliche Betreuer persönlich über die Vorwürfe informiert und die weiteren Maßnahmen erläutert. Von Angehörigen seien keine Vorwürfe über Missstände erhoben worden, im Gegenteil. Eltern von Bewohnern, die in der Wohneinrichtung betreut werden und als Beiräte amtieren, darunter Johanna Schenk von Stauffenberg, lassen sich wie folgt zitieren: „Wir fühlen uns seitens der Verantwortlichen beim DRW gut informiert. Wir sind mit der Betreuung von Menschen mit zum Teil hochkomplexen Behinderungen sehr zufrieden und haben jederzeit Zugang zu allen Informationen, die für uns relevant sind.“ Die Betreuung der Bewohner erfolgt derzeit weiterhin im Regelbetrieb.