PfadnavigationHomePolitikDeutschlandDominikus-Ringeisen-WerkStrafermittlungen wegen Misshandlungsvorwürfen in einem der größten BehindertenwerkeStand: 18:27 UhrLesedauer: 3 MinutenWas passierte im Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg?Quelle: WELT/Lennart PfahlerDas Dominikus-Ringeisen-Werk in Bayern betreut im Auftrag der Kirche Tausende Menschen mit Behinderung. Recherchen von WELT zeigen: Gegen Pflegekräfte einer Gruppe für besonders vulnerable Bewohner steht ein schwerer Verdacht im Raum.Ursberg ist ein besonderer Ort. Rund 3000 Menschen leben hier in der schwäbischen Idylle. 900 von ihnen im Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) – einer der größten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in ganz Süddeutschland. Seit 1884 kümmert sich das DRW um Menschen mit besonderen Bedürfnissen – seit 1996 ist der Betreiber eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts. Auf der Webseite des DRW heißt es in großen Lettern: „Jeder Mensch ist kostbar.“Doch ausgerechnet hier soll es zu schweren Gewaltvorfällen gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ermittelt nach Informationen von WELT gegen sieben Beschäftigte des DRW Ursberg, unter anderem wegen des Verdachts auf Misshandlung von Schutzbefohlenen und falscher Verdächtigung. Das teilte die Staatsanwaltschaft WELT am Mittwoch mit. Zuvor war zudem von Vorwürfen der Freiheitsberaubung die Rede.Der Fokus der staatsanwaltlichen Ermittlungen liegt auf Vorgängen in der sogenannten „Gruppe Manuel“. Hier sind Patienten mit dem höchsten Pflegegrad fünf untergebracht. Es handelt sich um eine Einrichtung des „Autismus- und Intensivwohnen“, die Bewohner haben einen hohen Assistenzbedarf, können sich großteils nicht verbal artikulieren und haben teils eine deutlich eingeschränkte Impulskontrolle.Lesen Sie auchNach WELT-Informationen stehen – aktive und ehemalige – Pfleger des DRW in Verdacht, Bewohner geschlagen, gewürgt und erniedrigt zu haben.Wie WELT aus Ermittlerkreisen erfuhr, gestaltet sich die Aufklärung sehr aufwendig. Die Staatsanwaltschaft wertet unter anderem Hunderte Seiten sogenannter FEM-Berichte aus. Dabei handelt es sich um die von Pflegern angefertigte gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation von „freiheitsentziehenden und -einschränkenden“ Maßnahmen. Jedes Mal, wenn ein Bewohner etwa fixiert oder eingeschlossen wird, muss dies schriftlich festgehalten werden. Für die Maßnahmen müssen zudem stets richterliche Beschlüsse vorliegen.Beleidigungen und SchlägeIn der Vergangenheit waren nach WELT-Informationen Zweifel aufgekommen, ob alle in der Gruppe angewandten Maßnahmen gerechtfertigt waren. Zudem liegen WELT von Zeugen dokumentierte Schilderungen verbaler und körperlicher Gewalt gegen Bewohner des Behindertenwerks vor. Darunter sind Vorfälle, in denen Pfleger die autistischen Schutzbefohlenen mit dem Ellbogen geschlagen oder als „Inzucht-Mongo“ bezeichnet haben sollen. Immer wieder sollen zudem Hämatome an den Körpern der Bewohner festgestellt worden sein. Von Teilen des Personals der Gruppe sollen diese Verletzungen regelmäßig mit Selbstverletzungen und Unfällen erklärt worden sein. Lesen Sie auchSeit mindestens Mitte 2025 liegen der DRW-Leitung Hinweise und Zeugenaussagen zu möglichen Misshandlungsfällen vor. Nach WELT-Informationen informierte die Heimleitung im September 2025 die zuständige Aufsichtsbehörde. Dabei handelt es sich um die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA). Bei anschließenden Prüfbesuchen wurden jedoch keine Auffälligkeiten festgestellt.Lesen Sie auchOffenbar kam es beim Pflegepersonal – darunter neben Fachkräften zahlreiche Quereinsteiger – in dieser Zeit zu erheblichen Verwerfungen. Obwohl die Hintergründe unklar sind, könnte hierin die Erklärung für die Ermittlungen wegen falscher Verdächtigung liegen. Mittlerweile sollen große Teile der betroffenen Belegschaft versetzt worden sein. Andere haben das DRW verlassen.Die Einrichtungsleitung war am Mittwoch zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Vergangene Woche hatte das DRW WELT proaktiv mitgeteilt: „Wir arbeiten eng und konstruktiv mit den zuständigen Fachstellen, Aufsichtsbehörden und Ermittlungsbehörden zusammen und unterstützen deren Prüfungen umfassend.“Die Stiftung ist nach eigenen Angaben der größte Arbeitgeber im Landkreis Günzburg. Sie hat demnach rund 4600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. An verschiedenen Standorten betreut die Einrichtung 5000 Menschen. Sie finanziert sich vollständig aus öffentlichen Mitteln und agiert laut eigener Angabe „im Auftrag der Kirche“.Wir sind das WELT-Investigativteam: Haben Sie Hinweise zum DRW oder vergleichbaren Fällen? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (X4YK57TU).
DRW in Ursberg: Strafermittlungen wegen Misshandlungsvorwürfen in großem Behindertenwerk - WELT
Das Dominikus-Ringeisen-Werk in Bayern betreut im Auftrag der Kirche Tausende Menschen mit Behinderung. Recherchen von WELT zeigen: Gegen Pflegekräfte einer Gruppe für besonders vulnerable Bewohner steht ein schwerer Verdacht im Raum.






