Lange war da dieses Gefühl, übersehen zu werden, allein zu sein mit der Trauer und auch der Wut. Die Angehörigen der neun Menschen, die am 22. Juli 2016 beim rechtsterroristischen Attentat am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ermordet wurden, wünschen sich seither mehr Anteilnahme. Zum Beispiel, dass München und das OEZ in Reden von Politikern in einer Reihe genannt werden mit anderen Anschlägen, etwa in Hanau und Halle.Zehn Jahre ist es nun her, was an jenem frühen Abend an der Hanauer Straße geschah. Ein 18-Jähriger schoss am Olympia-Einkaufszentrum gezielt auf Menschen, die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund. Da das Geschehen an jenem Abend lange unklar war und viele Münchner weitere vermeintliche Schüsse an anderen Orten meldeten, löste die Tat große Unsicherheit in der Bevölkerung aus. Erst nach Stunden gab es Entwarnung.Zunächst hatten Polizei und Politik den Anschlag als Amoktat gewertet, erst 2019 wurde er als rassistisch motiviert eingestuft. Zum zehnten Jahrestag beteiligen sich einige Institutionen und Gruppen am Gedenken und erfüllen so den Wunsch der Angehörigen, nach dem sie ihre Initiative benannt haben: „OEZ München erinnern!“Am Jahrestag des Anschlags, dem 22. Juli, wird es wieder eine Gedenkfeier am Ort des Anschlags geben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird sprechen, die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. „Endlich“, sagt Sibel Leyla, zeige jemand von der bundespolitischen Ebene Interesse. „Endlich, nach so vielen Jahren Kampf.“ Es bedeute ihr und den anderen Angehörigen viel, „dass wir gesehen werden“.Doch auch im Vorfeld des Jahrestags erinnern im Juli verschiedene Veranstaltungen und Aktionen an den OEZ-Anschlag – hier eine Auswahl:Zwei der großen Münchner Theater beteiligen sich am Erinnern. „Welche Formen können wir für das Erinnern an Akte rechter Gewalt finden? Welche Rolle können Kunst und Musik dabei spielen?“ Das fragen die Kammerspiele und veranstalten am Freitag, 3. Juli, einen Workshop zu Musik und Erinnern. Am Abend desselben Tages wird der Film „Rückblickend betrachtet“ gezeigt, er handelt vom Bau des OEZ zu Olympia 1972.Im Marstall des Residenztheaters findet am Mittwoch, 8. Juli, ein Gespräch über das Weiterleben nach dem Anschlag, die Kontinuität rechter Gewalt in München statt. Auf dem Podium werden unter anderem die Angehörigen Sibel und Hasan Leyla sitzen.„Wir gehören zu dieser Stadt“, sagt die Mutter des ermordeten Can LeylaVon 4. bis 31. Juli ist die Installation „Nach:Leben“ der Künstlerin Cana Bilir-Meier an verschiedenen Orten in der Stadt zu sehen. Eine „Spurensuche zu Orten rechter Gewalt und Stimmen der Resilienz“.„Carrying memory“: So ist ein Treffen am Sonntag, 5. Juli, im Bellevue di Monaco überschrieben. Amnesty International lädt ein, mit Live-Musik und textbasierter Kunstausstellung soll ein Raum entstehen für Begegnung, Solidarität und Erinnerung.Am Sonntagnachmittag, 19. Juli, ist eine Demonstration geplant, vom Gärtnerplatz zum Landtag: „Zehn Jahre offene Fragen.“ Die Gruppe der Angehörigen will mehrere, aus ihrer Sicht noch immer offene Fragen zum Landtag tragen, etwa: „Wie viele Einzeltäter sind ein Netzwerk?“Im Lenbachhaus wird vom 22. Juli bis 30. August die Soundinstallation von Talya Feldman und des Sounddesigners Carlos Ángel Luppi zu hören sein: „Namen, Stimmen. Herzen.“„Kraft“ gäben die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen zum zehnten Jahrestag ihnen, den Angehörigen, sagt Sibel Leyla. Diese Kraft habe sie dringend nötig, jetzt, nach zehn Jahren ohne Can, ihren Sohn. Die Gruppe der Angehörigen wünscht sich weiterhin, dass die McDonald’s-Filiale, in der Can und mehrere andere erschossen wurden, zu einem Gedenkort werde. Und dass Straßen nach den Getöteten benannt werden. Sibel Leyla sagt: „Wir gehören zu dieser Stadt.“
OEZ-Attentat in München: Zum Gedenken kommt erstmals auch der Bundespräsident
Zum zehnten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum beteiligen sich zahlreiche Institutionen und Gruppierungen am Gedenken.






