PfadnavigationHomePanoramaSechs Tote in StadeFluchtwagen-Fahrerin wieder auf freiem Fuß – sie soll Migranten beraten habenStand: 12:39 UhrLesedauer: 3 MinutenGegen den mutmaßlichen Todesschützen von Stade ist Haftbefehl erlassen worden. Der 45-Jährige wurde wegen sechsfachen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen angeklagt. WELT-Reporter Gerrit Schröder steht vor Ort und berichtet.Die Fahrerin des Fluchtwagens nach der Bluttat von Stade ist wieder frei. Doch über die Rolle der 65-Jährigen gibt es viele offene Fragen. Sie soll bei einer Organisation arbeiten, die Migranten berät.Die Frau, die nach der Bluttat von Stade den Fluchtwagen des mutmaßlichen Todesschützen gefahren haben soll, ist wieder auf freiem Fuß. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Stade WELT auf Nachfrage. Zuvor hatte die „Hannoversche Allgemeine“ darüber berichtet.Derzeit sieht die Staatsanwaltschaft keinen dringenden Tatverdacht gegen die 65-Jährige. Ob sie sich strafbar gemacht hat, ist jedoch weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Für den Erlass eines Haftbefehls habe jedoch kein ausreichender Tatverdacht vorgelegen. Ob ihr am Ende überhaupt ein strafrechtlicher Vorwurf gemacht wird, ist derzeit offen. Die Ermittlungen dauern an.Die 65-Jährige aus Bremen soll in dem späteren Fluchtwagen auf den 45 Jahre alten Fatih G. gewartet haben, der die tödlichen Schüsse in der Mutter-Kind-Einrichtung abgegeben haben soll. Die Polizei stoppte den Mercedes später mit Schüssen auf die Reifen. Anschließend wurden die Fahrerin und ihr Beifahrer festgenommen. Gegen den in Deutschland geborenen türkischen Staatsbürger wurde Haftbefehl erlassen. Lesen Sie auchIn dem Schreiben soll sie detailliert – und einseitig – den Sorgerechtsstreit zwischen den Eltern und den Behörden schildern und die Vermutung von Ärzten zurückweisen, das Baby habe ein Schütteltrauma erlitten. Stattdessen führte sie die Kopfverletzungen auf einen unbeabsichtigten Unfall zurück und beschrieb den 45-Jährigen als einen „ruhigen, besonnenen Mann“. Lesen Sie auchIn dem Dokument soll sie auch zahlreiche Mitarbeiter namentlich genannt haben. Ob sich diese unter den späteren Opfern befanden, ist bislang nicht bestätigt.Engagement für MigrationsverbandIn den sozialen Medien wird intensiv über die Beteiligung und Rolle der 65-Jährigen an der Bluttat diskutiert. Denn nach Recherchen der „HAZ“ soll sie für eine Lobbyorganisation arbeiten, die Ehepaare mit verschiedenen Nationalitäten berät und die sich als „Schnittstelle von Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik“ versteht. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ bekam das 20-seitige Schreiben – und sprach am Freitag kurz telefonisch mit der Frau, die nach eigener Aussage in Bremen lebt. Eine Organisation, auf die diese Beschreibung zutrifft und die über das umstrittene Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird, wollte sich auf Anfrage von WELT nicht zu der Mitarbeiterin äußern. Laut Homepage bietet der Verein Beratung bei Themen wie Eheschließungen im In- und Ausland, Familiennachzug, Aufenthaltsrecht, Einbürgerung sowie zu Fragen rund um Sozialleistungen und Krankenversicherung an. Lesen Sie auchWarum die Frau den Tatverdächtigen am Tag der Bluttat nach Stade begleitete, ist bislang ungeklärt. Offen sich auch, ob sie wusste, dass Fatih Khan G. bewaffnet zu dem Treffen mit den Mitarbeitern des Jugendamtes ging. Nach Informationen des NDR soll der 45-jährige Tatverdächtige die mutmaßliche Tatwaffe, eine Beretta Modell 70, am Berliner Kurfürstendamm gekauft haben. Für die Pistole und 21 Schuss Munition habe er demnach rund 4000 Euro bezahlt.Die Staatsanwaltschaft Stade bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord. kami