Internationale Ermittler sind erstmals in einer konzertierten Aktion gegen Online-Netzwerke von Männern vorgegangen, die Frauen betäuben und sexuell missbrauchen. Wie die EU-Polizeibehörde Europol am Donnerstag mitteilte, wurden bei dem Einsatz unter der Leitung des Bundeskriminalamts, des Landeskriminalamts Hamburg und der britischen National Crime Agency (NCA) 156 mutmaßliche Täter und Opfer identifiziert, vier weitere frauenfeindliche Online-Communities aufgespürt und 274 neue Ermittlungsansätze entwickelt. Europol sprach von einer „beispiellosen Operation“, die Ende Juni am Hauptsitz der NCA in London stattgefunden habe. Beteiligt waren 29 Ermittler aus sieben Ländern.Die Ermittler hatten seit April im Rahmen des sogenannten Projekts Medusa zusammengearbeitet. Es beruht, wie Europol darlegte, auf der Erkenntnis, dass Online-Communities eine wesentliche Rolle bei der Ermöglichung und Normalisierung von sexuellen Übergriffen unter Einsatz von Betäubungsmitteln spielen: Entsprechende Straftaten werden oftmals von den Tätern auf Internetplattformen und in Chatgruppen geteilt. Die Übergriffe richteten sich fast ausschließlich gegen Frauen und erstreckten sich oft über längere Zeiträume, manchmal sogar über Jahre hinweg. Sie würden üblicherweise von Personen begangen, die eine berufliche Autoritätsposition oder eine Vertrauensposition ausnutzten.„Diese Straftaten sind keine Einzelfälle“Die Täter nutzen nach Angaben der EU-Polizeibehörde verschlüsselte Messaging-Dienste, Foren und geschlossene Chatgruppen, um Erfahrungen auszutauschen, missbräuchliches Verhalten zu normalisieren, den illegalen Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und Betäubungsmitteln zu erleichtern und kriminelle Handlungen zu koordinieren.Diese Kommunikation offenbare detaillierte Planungen, die Bestärkung schädlicher Handlungen und den Austausch von Material. „Sie zeigt, dass diese Straftaten keine Einzelfälle sind, sondern Teil eines umfassenderen Musters organisierten und miteinander vernetzten Verhaltens“, berichtete Europol.Das Projekt Medusa wird von Deutschland und dem Vereinigten Königreich geleitet. Außerdem beteiligen sich daran Brasilien, Frankreich, Kanada, die Niederlande, Spanien, Ungarn und die Vereinigten Staaten. Europol unterstützt und koordiniert die Staaten. Bisher haben die Teilnehmer 57 Personen festgenommen und 158 Opfer in Sicherheit gebracht. Zudem wurden seit April 113 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Diese beziehen sich regelmäßig auf die Straftatbestände Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, aber auch auf schwere Körperverletzung und versuchten Mord.