Sintra. Im EZB-Rat stößt die Entscheidung der Bundesregierung, eine Übernahme der Commerzbank durch Unicredit abzulehnen, auf Unverständnis. Mehrere Euro-Notenbanker kritisierten im Gespräch mit dem Handelsblatt das Bestreben, Deutschlands zweitgrößte Privatbank unter allen Umständen zu schützen. Das Festhalten an nationalen Champions passe nicht zum Anspruch, den europäischen Binnenmarkt zu vertiefen.Namentlich will sich kein Notenbanker zu dem laufenden Übernahmeversuch äußern. Offiziell sind sie zur Neutralität verpflichtet, weil die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) die Transaktion noch genehmigen muss. Vertrauliche Gespräche am Rande des EZB-Forums im portugiesischen Sintra zeugen jedoch von weitverbreitetem Unmut.„Alle wissen: Wenn Europa funktionieren soll, ist eine gewisse Konsolidierung nötig“, sagte ein Mitglied des EZB-Rats. Mehrere Insider verwiesen darauf, dass grenzüberschreitende Bankenfusionen innerhalb Europas nicht ungewöhnlich seien. Dem könne sich Deutschland nicht verschließen, wenn es ernsthaft an der angestrebten Bankenunion interessiert sei, hieß es.

Wir brauchen mehr Effizienz, also brauchen wir mehr Konsolidierung. Monika SchnitzerWirtschaftsweiseDie Politik könne nicht glaubhaft für den Binnenmarkt eintreten, ohne freien Wettbewerb zuzulassen, sagte ein Befürworter der Übernahme. Das reflexhafte Eintreten für nationale Interessen halten Insider für problematisch, weil es Europa an großen Banken mangele und zu viele Institute miteinander konkurrierten.