Kryptowährungen sind Donald Trumps neue Goldgrube: warum die Einkünfte des US-Präsidenten letztes Jahr explodiert sindDer amerikanische Präsident und seine Entourage haben 2025 mehr als 1,4 Milliarden Dollar mit Krypto-Deals verdient. Von Interessenkonflikten will das Weisse Haus nichts wissen. Eine interaktive Grafik zeigt, wo Trumps Geld herkommt.02.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDer Bitcoin steht unter Druck, doch für US-Präsident Donald Trump spielt das kaum eine Rolle. Er und seine Entourage haben im vergangenen Jahr bereits mehr als 1,4 Milliarden Dollar mit Kryptowährungen verdient. Das geht aus der jährlichen Veröffentlichung des U. S. Office of Government Ethics hervor, die unter anderem die Einkommensverhältnisse von Regierungsmitgliedern wie dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der USA offenlegt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auffällig bei Trumps Vermögenssituation ist der sprunghafte Anstieg von Einkommen aus Transaktionen, die mit der Krypto-Branche in Zusammenhang stehen. Diese betrugen 2024 lediglich 57 Millionen Dollar, 2025 waren sie 25-mal so hoch. Das Weisse Haus betont stets, dass die geschäftlichen Interessen des Präsidenten von seinen Kindern verwaltet würden. Trump bleibt aber der Begünstigte eines Treuhandfonds, in den letztlich die Erträge fliessen.Gemäss einer mit KI unterstützten Analyse der 927-seitigen Offenlegung setzte sich Trumps Krypto-Einkommen im vergangenen Jahr hauptsächlich aus Lizenzgebühren, dem Verkauf von Token sowie der Veräusserung von Unternehmensanteilen zusammen. Allein mit dem Verkauf von Krypto-Token über die Firma World Liberty Financial (WLF) verdiente Trumps Umfeld mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Die Veräusserung von Anteilen an der Firma brachte weitere Dutzende Millionen ein. Geführt wird WLF heute unter anderem von Zach Witkoff, dem Sohn von Trumps befreundetem Sonderbeauftragten Steve Witkoff.Lukrativer Trump CoinDie lukrativste Krypto-Transaktion des Jahres geht derweil auf die eigene Kryptowährung des Präsidenten zurück, den Trump Coin. Er lancierte diesen wenige Tage vor seiner Inauguration im Januar 2025. Trump kümmerte sich damals gleich selbst um die Vermarktung: «Get your $Trump now», setzte er damals über den Kurznachrichtendienst X ab. Mit dem Vertrieb solcher sogenannten Meme-Coins hat eine Tochtergesellschaft der Trump Organization 635 Millionen Dollar eingenommen.Meme-Coins dienen ausschliesslich der Spekulation und haben wie viele Digitalwährungen keinen inneren Wert. Meme-Coins werden gemäss einem «Pump and Dump»-Muster zunächst heraufbeschworen (Pump), um danach fallengelassen, also verkauft zu werden (Dump). Frühe Investoren wie die Trumps können so hohe Gewinne einfahren, während Nachzügler auf hohen Verlusten sitzenbleiben.Trumps Frau Melania lancierte fast gleichzeitig wie ihr Ehemann einen eigenen Meme-Coin. Dieser erreichte zeitweise eine Kapitalisierung von 8 Milliarden Dollar, hat aber seither 98 Prozent seines Werts verloren. Dennoch sorgte die Lancierung des Coin gemäss Offenlegung für Einnahmen von 6 Millionen Dollar. Mit ihrer TV-Dokumentation «Melania», die der Streaming-Dienst Amazon gekauft hat, verdiente die First Lady allerdings deutlich mehr: 10,7 Millionen Dollar.Trotz Verkäufen aus privaten Krypto-Wallets verfügt Trumps Familie dank WLF weiterhin über beträchtliche Bestände an digitalen Vermögenswerten. Dazu zählen USD1, der viertgrösste Stablecoin der Welt, der den Dollar im Verhältnis 1:1 abbildet, eigene WLFI-Token sowie Bitcoin und Ethereum. Auch wenn diese Bestände wegen der gegenwärtigen Krypto-Krise markant an Wert verloren haben, dürften sie immer noch einen Gegenwert im hohen dreistelligen Millionenbereich darstellen.Donald Trump hat die Krypto-Regulierung in den USA in hohem Tempo vorangetrieben. Auch zu seinen Gunsten.Kevin Lamarque / ReutersWeisses Haus: keine InteressenkonflikteDass Trump dermassen hohe Einkünfte mit digitalen Assets verzeichnet, ist kein Zufall. Schon vor Amtsantritt hatte er sich als krypto-freundlich positioniert und angekündigt, die USA zur «Krypto-Hauptstadt» der Welt zu machen. Diesem Anspruch liess er Taten folgen: Noch zu Beginn seiner Amtszeit trat der krypto-skeptische Chef der Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, ab. Trump ersetzte ihn durch Paul Atkins, der digitalen Assets ausgesprochen wohlgesinnt gegenübersteht. Atkins stellte in der Folge Verfahren gegen die Handelsplattform Coinbase und andere Anbieter ein – im Gegenzug spendete Coinbase an Trumps Ballsaalprojekt im Weissen Haus.Mit der Genius Act, die Stablecoins reguliert, der Idee einer staatlichen Bitcoin-Reserve und dem geöffneten Zugang zu digitalen Vermögenswerten in staatlichen Rentenplänen (401k) hat die Regierung Trump ein äusserst krypto-freundliches regulatorisches Umfeld geschaffen. Dies steht im scharfen Gegensatz zu der harten Gangart, die die Krypto-Branche unter Ex-Präsident Biden zu spüren bekam.Standen in der Vergangenheit vor allem Immobilien, Golf-Resorts und Hotels im Zentrum von Trumps Geschäftsinteressen, so hat er in den vergangenen zwei Jahren Krypto zur eigentlichen Goldgrube für sich und seinen Clan gemacht. Insgesamt dürfte der Präsident über seinen Treuhandfonds, seine Kinder und seine Getreuen seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus mehr als 2 Milliarden Dollar mit krypto-bezogenen Projekten verdient haben – dies schätzt die Nachrichtenagentur Reuters.Dass dadurch zwischen Trumps Regierungstätigkeit und den privaten Krypto-Unternehmen seines Umfelds ein Interessenkonflikt besteht, liegt auf der Hand. Davon will man in Washington aber nichts wissen. Anna Kelly, Sprecherin des Weissen Hauses, erklärte nach Publikation von Trumps Vermögensverhältnissen: «Weder der Präsident noch seine Familie waren jemals in Interessenkonflikte verwickelt – und werden es auch niemals sein.» Für einen Sprecher der Trump Organization zeigt die Offenlegung, dass Trumps Familienunternehmen über eine «solide Finanzlage verfügt, gestützt auf erstklassige, wertvolle Vermögenswerte, erhebliche Liquidität und eine konservative Bilanz».Die Krypto-Geschäfte von Trumps Umfeld stossen auch auf Kritik.Jemal Countess / GettyCash mit Golfklubs, Gerichtsverfahren, UhrenDass Trumps Vermögensbilanz ein konservatives Profil aufweist, darf bezweifelt werden. Allein schon der Umstand, dass die Haupteinnahmequelle aus Krypto-Erträgen besteht, lässt auf eine ausgesprochen hohe Risikoneigung des Präsidenten schliessen. Neben den Krypto-Anlagen sorgten auch herkömmliche Geschäfte für beträchtliche Einnahmen: Trumps Golfresort Doral in Miami etwa brachte fast 122 Millionen Dollar ein, sein «Weisses Haus für den Sommer», der Trump National Golf Club Bedminster, rund 37 Millionen.Den Klub und Familiensitz in Mar-a-Lago, Florida, lässt sich Trump ebenfalls versilbern: Die Einnahmen stiegen dort im Jahresvergleich von 50 auf 77 Millionen Dollar. Seine Privatklubs dienen zugleich der Förderung des Krypto-Geschäfts der Familie. So empfing Trump Ende April die 297 grössten Halter seines Trump Coin zur «exklusivsten Krypto-Konferenz» der Welt, bei der ein erlauchter Kreis einen «speziellen VIP-Empfang mit Champagner» mit dem Präsidenten erhielt. Auch Trumps Söhne Eric und Donald Trump junior nutzten die Klubs für Empfänge, etwa für World Liberty Financial.Als weitere Einnahmequelle erweisen sich die zahlreichen juristischen Vergleiche, die Trump unter anderem mit dem ehemaligen Twitter-Chef Jack Dorsey, den Fernsehsendern ABC und CBS sowie mit Alphabet und Meta eingegangen ist. Auch im Merchandising macht Trump viel Geld: So fanden die Uhren des Präsidenten reissenden Absatz. Aus dem Verkauf der Trump-Uhren, die ab 499 Dollar zu haben sind, flossen ihm 4,7 Millionen Dollar zu – deutlich mehr, als er mit seinen Büchern, Turnschuhen oder Parfums verdiente.Von Schweizer Geschenken kaum SpurenDie Summen aus den juristischen Vergleichen mit Meta (24,5 Millionen Dollar) sowie mit ABC und CBS (je 16 Millionen Dollar) flossen als «Geschenke» in Trumps Presidential Library. Alphabet wiederum liess einem Fonds 22 Millionen Dollar zukommen, um Trumps neuen Ballsaal im Weissen Haus mitzufinanzieren.Von den umstrittenen Geschenken der Schweizer Milliardäre, die Trump Mitte November 2025 besuchten, um im Zollstreit der Schweiz mit den USA zu vermitteln, fehlt in der Offenlegung jede Spur. Die Mitglieder von Team Switzerland hatten dem US-Präsidenten einen Goldbarren und eine Rolex-Tischuhr mitgebracht, was in der Schweiz auf Kritik stiess.Gemäss Aussagen des Teammitglieds Alfred Gantner waren die Geschenke aber nicht für Trump persönlich bestimmt, sondern für seine Presidential Library. Die Schweizer Mitbringsel sind im Dokument auch nicht als Geschenke aufgeführt. Aus der Schweiz stammen offiziell lediglich zehn WM-Tickets des Fifa-Chefs Gianni Infantino sowie zehn Tickets für das US Open aus dem Hause Rolex.Das Setzen auf die Krypto-Branche hat sich für Trumps Clan gelohnt.Tyrone Siu / ReutersPassend zum Artikel