Herr Baum, Sie sind Erbe und Sprecher der Simson-Familie. Ihren Vorfahren gehörte einst das Simson-Werk in Suhl, bevor sie von den Nazis enteignet und als Juden aus Deutschland vertrieben wurden. In der DDR wurden in der Fabrik Mopeds der Marke Simson gebaut, wie die Schwalbe, um die es in Ostdeutschland mittlerweile einen regelrechten Kult gibt. Immer häufiger nutzt auch die AfD die alten Mopeds zur Betonung einer neuen Ost-Identität. Wie haben Sie in New York davon erfahren?Wir hörten im Februar von Freunden in Europa, dass sich diese Partei unseres Namens bemächtigen will, indem sie Ausfahrten mit den DDR-Mopeds organisiert und T-Shirts und Plakate mit dem Namen Simson als AfD-Werbung drucken lässt.Als wir Thüringens Parteichef Björn Höcke auf einer Simson rumfahren sahen, umgeben von AfD-Flaggen, hat das große Wut in unserer Familie ausgelöst. Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens.Was wissen Sie über Björn Höcke?Höcke und seine Partei sind antisemitisch; er macht die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verächtlich. Die AfD diskriminiert Menschengruppen, die migrantisch sind, oder wegen ihrer sexuellen Orientierung. Höcke ist ein Freund von Diktatoren aus aller Welt, auch solchen, die Europa gerade attackieren. Für mich ist er ein sehr unangenehmer Kerl.Auch Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nutzt das Moped für Wahlkampftouren. Die Partei will die Simson als immaterielles Kulturerbe schützen lassen. Stört Sie das auch?Unser Ziel ist es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss. Wir haben darüber auch mit Gesa gesprochen, der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, die weiterhin die Namensrechte von Simson hält. Sie muss gegen den Missbrauch des Namens vorgehen.