PfadnavigationHomePolitikDeutschlandKult-Moped der DDR„Verhöhnt unsere Familiengeschichte“ – Simson-Erbe wehrt sich gegen Vereinnahmung durch AfDStand: 05:02 UhrLesedauer: 3 MinutenDer AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf seiner Schwalbe bei einer gemeinsamen Simson-Ausfahrt in Sachsen-AnhaltQuelle: Peter Gercke/dpaBjörn Höcke und Ulrich Siegmund laden mit den DDR-Kultmopeds regelmäßig zu Ausfahrten. Der Nachfahre der jüdischen Familie Simson will das verhindern. Das Ziel sei, „dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss“.Der Sprecher und Erbe der traditionsreichen Unternehmerfamilie Simson, Dennis Baum, wehrt sich gegen die Vereinnahmung der DDR-Mopeds Simson durch die AfD vor den Wahlen in Ostdeutschland. „Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens“, sagte Baum dem Tagesspiegel-Podcast „Im Osten“.„Unser Ziel ist es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss“, sagte Baum. Er habe darüber bereits mit Gesa gesprochen, der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, die die Simson-Werke in Suhl nach der Wende abgewickelt hat und weiterhin die Namensrechte von Simson hält.Baum, der 80 Jahre alt ist und als Investmentbanker in New York lebt, ist Nachfahre und Sprecher der Simson-Familie. Seinen Vorfahren gehörte einst das Simson-Werk in Suhl, in dem Waffen und Autos hergestellt wurden, bevor die jüdische Familie von den Nazis in einem Schauprozess enteignet und als Juden aus Deutschland vertrieben wurde. In der DDR wurden in der Fabrik Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe gebaut, um die es in Ostdeutschland mittlerweile einen regelrechten Kult gibt. Immer häufiger nutzt auch die AfD die alten Mopeds zur Betonung einer neuen Ost-Identität. Zuletzt machten die AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke und Ulrich Siegmund Ausfahrten mit der Simson und wurden dabei von Hunderten begleitet. „Wir haben nichts gegen die allgemeine Verwendung der Marke Simson und des Mopeds Schwalbe, es war ja auch ein Produkt der DDR“, sagte Baum dem Tagesspiegel-Podcast „Im Osten“. Es sei aber eine Grenze überschritten, wenn mit dem Namen Simson eine Politik der Ausgrenzung verbunden werde. „Das verhöhnt unsere Familiengeschichte.“Lesen Sie auchBaum sieht in der AfD, die am Wochenende ihren von Protesten begleiteten Bundesparteitag in Erfurt abhalten will, und in dem Thüringer Parteichef Björn Höcke eine Gefahr. „Höcke und seine Partei sind antisemitisch; er macht die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verächtlich. Die AfD diskriminiert Menschengruppen, die migrantisch sind, oder wegen ihrer sexuellen Orientierung. Höcke ist ein Freund von Diktatoren aus aller Welt, auch solchen, die Europa gerade attackieren.“Simson-Erbe will auf Demokratiefestival in Erfurt sprechenBaum kündigte an, in den nächsten Tagen nach Deutschland zu reisen, um insbesondere junge Menschen aufzuklären. So werde er am Wochenende in Erfurt am Rande des AfD-Parteitags auf einem Demokratiefestival sprechen und auch zu den alten Produktionsstätten nach Suhl fahren. „Ich möchte, dass Menschen verstehen, was unserer Familie passiert ist, damit wir nicht wieder in eine solche Lage geraten. Der Antisemitismus wächst, die AfD ist gefährlich“, sagte Baum im Podcast-Gespräch. Man dürfe die rechtsextreme Agenda der Partei und ihre Rhetorik des Hasses nicht tolerieren.Lesen Sie auchBaum berichtet in dem Podcast „Im Osten“ erstmals ausführlich über die Familiengeschichte der Simsons. Demnach gab es nach dem Mauerfall einen Versuch, zumindest die Jagd- und Sportfabrik in Suhl zu übernehmen, in der Jagd- und Schusswaffen produziert wurden. „Die Treuhand hat uns abgeblockt. 1994 wurde uns gesagt, dass eine Firma aus Amsterdam ein besseres Angebot vorgelegt hätte. Ein Jahr später kam heraus, dass die nichts bezahlt hatten. Die Fabrik ging pleite und musste schließen“, berichtet Baum.20 Jahre später habe er Vertreter der früheren Treuhand gefragt, warum sie die Simson-Familie damals abgelehnt hätten. „Sie haben erzählt, unter welchem immensen Druck sie standen, das Volkseigentum innerhalb von fünf Jahren zu privatisieren. Für gründliche Recherchen hätten sie keine Zeit gehabt.“ Inzwischen stehen die Fabrikhallen in Suhl leer. Baum sagte dazu: „Die Werke geben ein trauriges Bild ab. Ich fühle Trauer für all die Menschen, die ihren Job verloren haben.“saha
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Björn Höcke und Ulrich Siegmund laden mit den DDR-Kultmopeds regelmäßig zu Ausfahrten. Der Nachfahre der jüdischen Familie Simson will das verhindern. Das Ziel sei, „dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss“.








