Mit dem Holz der Schlegel gestrichen, wird die Marimba Teil eines unwirklich klingenden Streichsextetts. Das Zusammenspiel von Akkordeon und Harfe scheint nicht von dieser Welt zu sein: Michael Wendeberg probt, freundlich im Ton, doch unerbittlich präzise und detailgenau, mit einem jungen Orchester. Die derzeitigen Stipendiaten der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA), Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMdK) Frankfurt und Gäste sind im Dachsaal der Deutschen Ensemble Akademie versammelt. Sie bereiten sich auf das Festival für Hans Zender (1936 bis 2019), das am Wochenende in der HfMdK stattfinden wird.Konzipiert hat es der dortige Cellist und Professor für Neue Musik, Lucas Fels. Er war gut mit Zender befreundet, seit er als Solist unter Zenders Leitung 1997 das Cellokonzert von Wolfgang Rihm uraufgeführt hat. „Zender war ein hervorragender Dirigent, ein phantastischer Komponist und Essayist, unglaublich neugierig, mit unglaublich präsentem Wissen über bildende Kunst, Philosophie, Natur, Geschichte. Das wollen wir in Erinnerung rufen und uns vor allem fragen: Was können wir für uns daraus lernen?“, so Fels.„Zender war nie einfach“Von 1988 an hatte Zender an der HfMDK eine Professur für Komposition inne. Seit etwa der gleichen Zeit arbeitete er eng mit dem Ensemble Modern zusammen. Auf seine Idee gehen die Werkstattkonzerte „Happy New Ears“ zurück. Wenn er dirigierte, wollte er immer auch eine eigene Komposition dabeihaben, darunter so manche Uraufführung.„Zender war nie einfach“, sagt Fels. „Er äußerte seine Vorstellungen apodiktisch. Ihn umzustimmen, war möglich, aber enorm harte Arbeit. Er war überaus fordernd, aber auch ebenso anregend: In seiner Musik wollte er sein ganzes Denken und Wissen spiegeln, und man kann tatsächlich viel aus ihr herauslesen und heraushören.“War mit Hans Zender befreundet und hat jetzt das Festival konzipiert: Lucas Fels, Cellist und Professor an der HfMDK FrankfurtCarlotta SteinkampDiesen Anspruch stellte Zender auch an seine Kompositionsschüler. Laut Dániel Péter Biró, der von 1992 bis1998 bei ihm studiert hat und beim Festival neben anderen in Diskussionen und mit einer Komposition zu hören sein wird, schien Zenders Forderung, Musik und Leben eng mit Philosophie und Geschichtsverständnis zu verbinden, mitunter zentraler als handwerkliche Fragen. „Zu Studienzeiten habe ich viel mit ihm gestritten“, sagt Biró. Doch im Nachhinein sei er „dankbar für Zenders Wirkung auf mein Leben und auf das Musikleben überhaupt“.Zender wird als durch und durch belesen geschildert. „Wenn man ihm mit irgendeinem Zitat kam, wusste er genau, aus welchem Buch es stammte, und hat auf Anhieb die richtige Stelle gefunden“, erinnert sich der Flötist des Ensemble Modern, Dietmar Wiesner. Eine besondere Vorliebe hatte Zender für fernöstliche Kultur: „Zender hat sich auch mal den spartanischen Bedingungen in einem japanischen Zen-Tempel unterworfen“, sagt Lucas Fels, fügt aber auch den kritischen Befund eines japanischen Komponisten an, aus dessen Perspektive Zenders Weltsicht und Musik ganz europäisch geblieben seien. „Doch Haikus und Kalligraphie haben für ihn auf der Stelle angefangen zu klingen“, sagt Wiesner, der am 4. Juli zusammen mit Lucas Fels „Lo-Shu IV“, 5 Haikus für Flöte und Violoncello, aufführen wird.95 Prozent waren ihm nie genugDem Dirigenten Zender ist Wiesner bereits in seiner Zeit bei der Jungen Deutschen Philharmonie begegnet: „Er war sehr fordernd, konnte auch sauer werden, etwa wenn er spürte, dass man nur etwa fünfundneunzigprozentig bei der Sache war. Mit seinen klaren und zielführenden Vorstellungen hat er uns dann doch extrem beeindruckt“, etwa in Schönbergs Orchesterfassung von Brahms' Quartett Op. 25. Die Interpretation war so überzeugend, dass die Deutsche Grammophon sie 1980 veröffentlicht hat. „Als Zender mir dann sagte, er habe beim Piccolo-Part von ‚Issei no kyo‘, dem ‚Lied vom einen Ton‘, ein wirklich gutes Stück, das am Samstag gespielt wird, an mich gedacht, habe ich mich gefreut. Er bat mich, aus verschiedenen Positionen zu spielen und mit der Würde eines Zen-Priesters von einer zur anderen zu schreiten. Das haben wir mehrere Male mit viel Spaß und schon damals in Kombination mit den ‚33 Veränderungen über 33 Veränderungen‘ gespielt, die auch am Samstagabend zu erleben sein wird.“Mit seinen „33 Veränderungen über 33 Veränderungen“ über Beethovens Diabelli-Variationen wollte Zender seine Erfahrungen mit seiner „komponierten Interpretation“ von Schuberts „Winterreise“ weiterentwickeln, ein Balanceakt zwischen Nostalgie und dem Versuch, mit heutigen Mitteln erlebbar machen, wie revolutionär Beethoven zu seiner Zeit komponiert hat. „Darin kann man sich Zenders Brille aufsetzen und hinterher auch wieder absetzen“, findet Michael Wendeberg. Zender habe allen, die mit ihm zu tun hatten, Mut gemacht zu eigenem Denken, sagt Fels. „Er war nicht einfach ein Besserwisser, er wusste tatsächlich vieles besser, und ich wünsche mir mehr solcher Persönlichkeiten, kompetent und unangepasst.“ Auch dies soll das Festival zeigen.Festival Hans Zender, Denken hören – Hören denken, 4. und 5. Juli, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.
Wie Frankfurt den Komponisten Hans Zender feiert
Er hat Generationen von Musikern inspiriert, auf ihn gehen die Frankfurter Konzerte „Happy New Ears“ zurück. Jetzt wird der Dirigent und Komponist Hans Zender mit einem Festival geehrt.






