Es passiert nicht oft, dass eine kleine Podiumsdiskussion die Wechselkurse von Währungen auf den Weltmärkten bewegt. So geschehen am Mittwoch, vor dem Abschlusspanel des jährlichen Notenbankertreffens im portugiesischen Sintra, in dem Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), und Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), aufeinandertreffen sollten, sekundiert von Andrew Bailey, dem Gouverneur der Bank of England, und Tiff Macklem, dem Gouverneur der Bank of Canada.Vor der Veranstaltung stieg der Wechselkurs des Dollars. Vermutlich, weil die Finanzmärkte neue Bekenntnisse von Warsh zu seiner falkenhaften Haltung, also seinem Plädoyer für eine straffe Geldpolitik, erwarteten.Warsh, der lockerer auftrat als sein Vorgänger Jerome Powell vor einem Jahr, sagte in der Diskussion, die Inflationsrisiken hätten in den vergangenen Wochen in der Tat nachgelassen, auch die Inflationserwartungen seien etwas zurückgegangen. Er bekräftigte zugleich sein Ziel, die Inflation zu dem Ziel von zwei Prozent zurückzuführen.Ölpreisverfall „überraschend“Auch Lagarde sagte, es sei dann doch überraschend gewesen, wie stark der Ölpreis zuletzt gefallen sei, von zeitweise rund 120 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) der Nordseesorte Brent auf rund 73 Dollar. Das habe die Notenbank in ihren Szenarien so schnell nicht erwartet.Beide ließen sich jedoch nicht so recht in die Karten gucken, was das nun für die weitere Zinspolitik bedeutet. Die EZB hatte zuletzt im Juni die Leitzinsen angehoben, um 0,25 Prozentpunkte, die Fed hatte abgewartet, aber Signale in Richtung einer strafferen Geldpolitik gegeben.An den Finanzmärkten war zuletzt erwartet worden, dass die EZB noch einmal die Zinsen anhebt, aber wohl noch nicht im Juli, vielleicht im September. Für die Fed hatte es alle drei Positionen unter Analysten gegeben: Zinserhöhung, Zinssenkung, Nichtstun. Die Finanzmärkte hatten nach den starken Worten von Warsh zugunsten der Preisstabilität zuletzt allerdings etwas mehr als eine Zinserhöhung für dieses Jahr eingepreist. Aber das scheint noch sehr volatil zu sein.Auch Mitglieder des EZB-Rates hatten sich zuletzt unterschiedlich geäußert. Während Chefvolkswirt Philip Lane und Bundesbankpräsident Joachim Nagel die Auffassung vertreten hatten, so schnell vorbei sein werde die Inflation jetzt nicht, war EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel klar in Richtung Zinserhöhungen vorgeprescht. Es gab in Sintra aber auch schon erste Stimmen, die meinten, womöglich sei jetzt gar keine Zinserhöhung mehr nötig, weil der Ölpreis der Notenbank die Arbeit abnehme.„No forward guidance“In der Diskussion zwischen Warsh und Lagarde warfen beide sich die Bälle zu, wie klug es sei, jetzt gar nichts mehr über den künftigen Zinskurs zu verraten. „No forward guidance“, keine Ankündigungen mehr, wurde zum immer wieder gewählten Schlagwort.Als Lagarde sagte, die EZB gebe jetzt, anders als in der Niedrigzinsphase, ja auch keine „forward guidance“ mehr, sagte Warsh: Er habe Lagarde ja schon damals als französische Finanzministerin und IWF-Chefin sehr geschätzt: „But now I love her.“ Der Dollar gab am Ende wieder etwas nach.
Notenbankertreffen in Sintra: Kevin Warsh und Christine Lagarde lassen sich wenig in die Karten gucken
Vor der Abschlussdebatte beim Notenbankertreffen in Sintra steigt sogar der Wechselkurs des Dollars. Die Chefs der großen Notenbanken sind mit einem stark gefallenen Ölpreis konfrontiert. Wie wollen sie reagieren?









