Die ARD liebt Taylor Swift. Zumindest würdigt sie ihre popkulturelle Bedeutung erneut mit einem Doku-Format. In der dreiteiligen Serie „The Taylor Swift Years – Schicksalsjahre eines Superstars“ soll die Popikone nahbar werden. „Taylor ist DER Superstar ... Aber was weißt du eigentlich über sie?“, lautet die Ausgangsfrage.In insgesamt eineinhalb Stunden werden diese „Schicksalsjahre“ erzählt und versehen mit Kommentaren von Influencer-Swifties wie Riccardo Simonetti, Popkultur-Expertinnen und Swift-Biografen wie Rob Sheffield. Dessen Glaubwürdigkeit gleich durch einen roten Schal untermauert wird – ein Symbol aus dem Song „All Too Well“ und dem zugehörigen Video.Die Serie erscheint pünktlich zur Hochzeit von Taylor Swift und dem Football-Spieler Travis Kelce. Bereits zu den Konzerten der „Eras Tour“ in Deutschland im Sommer 2024 hatte die ARD in einer sechsteiligen Podcast-Serie „Die Taylor Swift Story“ mit Sängerin Vanessa Mai und Popkultur-Expertin Gizem Celik das Phänomen um Swift zu erklären versucht.Taylor Swift:Traumhochzeit in der SportarenaSeit Monaten spekulieren Fans über die baldige Eheschließung von Taylor Swift und Travis Kelce. Schon diese Woche soll es in New York so weit sein – im Madison Square Garden, einer Mehrzweckhalle mitten in der Stadt.Die Serie wiederholt in den ersten beiden Folgen, was die Hörer des Podcasts, der ausführlicher und etwas weniger sprunghaft erzählt, und sowieso alle Swifties bereits wissen. Es ist eine solide Nachhilfe in Sachen „Taylorverse“ für jene, die bisher nur „Shake It Off“ kennen und noch nie von den zahlreichen Skandalen gehört haben: Kanye West und die 19-jährige Taylor bei den VMAs und die Fehde, die folgte. Sowie alles rund um Scott Borchetta, Scooter Braun und die Master-Tapes, inklusive des Re-Recordings früherer Alben, „ein feministischer Akt“, wie es in der Doku heißt.Doch es empfiehlt sich vor allem die dritte Folge, die nach der „Eras Tour“ ansetzt. Und die eine wundervoll symptomatische Aussage der Pop-Influencerin Silvi Carlsson enthält: „Ich fühle mich auf alle Fälle verarscht. Ich hab’ letztes Jahr aufgehört, mich Swiftie zu nennen.“ Die Regisseurinnen Anna Bilger und Inga Turczyn schaffen es, das Swiftietum einzufangen, das über die Persona Taylor Swift hinausgeht. Sie erzählen die Geschichte einer Community, die einen Safe Space kreiert – und verliert.Künstliche Intelligenz:Nur das Original ist legalTaylor Swift will ihre Stimme und ihr Aussehen markenrechtlich schützen lassen. Ist das Exzentrik eines Megastars – oder bitter nötig in Zeiten, in denen selbst der US-Präsident gefakte Bilder mit ihr für politische Zwecke nutzt?Egal, was man von Taylor Swift hält, wesentlich ist: Ihre Fans sind eine GemeinschaftSo kämpft Biografin Anne Sauer mit den Tränen, als sie von den ermordeten Kindern spricht, die 2024 bei einem Taylor-Swift-Tanzkurs in Großbritannien erstochen wurden: Das habe gezeigt, sagt sie, „dass es immer noch gefährlich ist, Mädchen zu sein“. Kurz darauf sieht man sie im Film erneut, sichtlich gerührt von Swifties, die 2024 in den Straßen von Wien tanzten und sangen, nachdem die Konzerte wegen einer Bombendrohung abgesagt wurden.In diesen Momenten erzählt die Doku das Wesentliche: Taylor Swift mag vor allem eine Inszenierungskünstlerin mit guten Marketingstrategien sein und ihre Musik kann man belanglos finden, trotzdem sind die Fans eine Community.Taylor Swift:Weltherrschaft, Taylor's VersionWer in diesen düsteren Zeiten die destillierte Freude sucht, findet sie bei Taylor Swift. Über den unerhörten Sog des derzeit größten Popstars - und den klug konstruierten Zauber ihrer Songs.Und diese Community fühlt sich vielfach nun eben „verarscht“ von derjenigen, die wie eine Freundin für sie ist, für die sie all die Freundschaftsbändchen bastelten, deren Musik sie seit Jahren begleitet. Spätestens seit dem Album „Lover“ von 2019 sang Taylor vor allem für die Girls und Gays, auch auf der „Eras Tour“. 2020 nutzte sie ihre politische Stimme und stellte sich öffentlich gegen Trump. Auch zur Wahl 2024 befürwortete sie Kamala Harris, doch alles ein wenig „too little, too late“, kritisiert die deutsche Influencerin und Youtuberin Alicia Joe.Viele Swifties sind inzwischen enttäuscht über das Anbiedern beim konservativen Amerika und den Rückzug in die private Liebesgeschichte in politisch aufwühlenden Zeiten. Die Moderatorin Hadnet Tesfai spricht von „White Feminism“ und kritisiert, dass sich Taylor als privilegierte Milliardärin immer nur dann politisch positioniere, wenn es gerade angenehm ist.Trotzdem steht am Ende die Hoffnung, dass „Taytay“ nicht still bleiben wird. Die Hochzeit wird sie sicher als Bühne nutzen. Die Frage ist bloß, wofür.„The Taylor Swift Years – Schicksalsjahre eines Superstars“, drei Teile, in der ARD-Mediathek.
Sollen wir Taylor Swift die Freundschaft kündigen? Neue ARD-Doku zeigt den Unmut der Swifties
In der Dokuserie „The Taylor Swift Years“ will die ARD ergründen, wer der Superstar wirklich ist – und zeigt den Unmut der Swifties.











