Ein Sportflugzeug kracht in Pekings höchsten Wolkenkratzer. Wie konnte das passieren?Wenige Tage vor dem 105. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas steuerte ein Zweisitzer in den Citic-Tower der Hauptstadt. Der Staat zensiert alle Inhalte zum Vorfall – denn er offenbart heikle Sicherheitslücken.01.07.2026, 16.55 Uhr3 LeseminutenAm 1. Juli feiert China den 105. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas. Fünf Tage zuvor krachte ein unautorisiertes Flugzeug in den Citic-Tower im Kern der Hauptstadt.Maxim Shemetov / ReutersEs passierte am vergangenen Freitag kurz nach Feierabend: Die Angestellten im Central Business District in Peking strömten gerade aus ihren Glasfassadenbüros auf die Strassen, als es krachte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Flugzeug war in das höchste Gebäude der Stadt (und mit 528 Metern eines der höchsten der Welt) geflogen, den Citic-Tower. Rauch quoll aus der Einschlagstelle, Trümmerteile stürzten die Fassade herunter. Passanten standen still, starrten nach oben, filmten und stellten die Aufnahmen in die sozialen Netzwerke. Von dort verschwanden die Videos kurz darauf wieder, so wie alles, was mit dem Citic-Tower zu tun hat – auch Inhalte zum Hochhaus, die nichts mit dem Vorfall zu tun hatten. Die Zensur griff sofort.Passanten fotografieren die Einschlagsstelle am Citic-Tower. Das Hochhaus ist das Wahrzeichen des Geschäftsviertels im Zentrum von Peking. Es wurde 2018 fertiggestellt.Maxim Shemetov / ReutersWer die Internetschranke umgehen konnte, suchte sich in den sozialen Netzwerken Informationen zusammen. Dort blühten Spekulationen: War die Pilotin eine Angestellte namens Liu Junhua? Sie gilt als Flug-Enthusiastin. Wie die «Financial Times» herausfand, wurde am Flughafen Shifosi im Nordosten Pekings ein Auto, dessen Kennzeichen auf ihren Namen lautet, durchsucht.Die Citic-Gruppe, ein staatlicher Megakonzern und der Betreiber des Hochhauses, hielt dagegen. Der Konzern liess die Angestellte Liu Junhua einen längeren Auftritt vor der Kamera abhalten, um zu zeigen, dass sie es nicht gewesen sein konnte. In den letzten Monaten und Jahren war es in China immer wieder zu Amoktaten gekommen, etwa indem Fahrer mit Autos in eine Menschenmenge fuhren.Kurz vor dem Feiertag der Kommunistischen ParteiErst am Tag nach dem Vorfall informierten die Bezirksbehörden in Chaoyang: «Am 26. Juni um 17.55 Uhr kollidierte (. . .) ein einmotoriges, zweisitziges Leichtsportflugzeug mit einem Hochhaus», hiess es. Der Pilot oder die Pilotin sei verstorben, 13 Personen seien verletzt worden. «Die zuständigen Behörden untersuchen den Sachverhalt weiter.»Artikel von chinesischen Medien fielen der Staatskontrolle zum Opfer, die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua berichtete nicht. Noch ist unklar, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag gehandelt hat. Unklar ist auch, ob die Behörden je über Ursache und ein mögliches Motiv berichten werden. Klar ist nur, dass die Behörden ein landesweites Flugverbot für Sportflugzeuge, Gleitschirme und Segelflieger verhängten. Wie die «Financial Times» berichtet, mussten in Peking sogar Drohnenschulen ihren Unterricht in Innenräume verlegen.Die Angelegenheit ist für die Kommunistische Partei äusserst heikel. Am 1. Juli feiert sie ihren 105. Jahrestag. Die Partei stellt sich als Garant der Sicherheit dar, sich selbst als unverletzlich – nun wurde diese Prämisse pünktlich zum Geburtstag vor den Augen der Weltöffentlichkeit demontiert.Ein Versagen der LuftwaffePeking hat eigentlich eine der am strengsten überwachten Flugverbotszonen der Welt. Die Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee ist primär dafür zuständig, das engmaschige Radarnetzwerk zu betreiben, jegliche Abweichung zu registrieren und unautorisierte Flugobjekte abzufangen. Drohnen und Drohnenteile dürfen in Peking nur mit Bewilligung transportiert, verkauft oder geflogen werden. Zivile Flugzeuge brauchen eine Genehmigung.Trotzdem konnte das Sportflugzeug des Typs Sunward Aurora von einer Flugschule im Nordosten Pekings bis ins Herz der Stadt fliegen, über zwanzig Minuten lang. Das zeigen Daten der Flugverfolgungs-Website Flightradar24. Dennoch wurde es nicht aufgehalten. Der Citic-Tower befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauptsitzes des Staatsfernsehens CCTV. Gerade einmal sechs Kilometer Luftlinie hätten gefehlt, und die Sunward Aurora wäre zum Regierungsviertel Zhongnanhai gelangt, wo der Staats- und Parteichef Xi Jinping lebt – das sind zwei Flugminuten. Das Ganze kann nur als ein Versagen der Luftwaffe gewertet werden, deren Sicherheitsmechanismen und Abläufe gescheitert sind.«Das war wahrscheinlich ein Schock für die politische Führung. Köpfe werden rollen», schrieb der China-Experte und Autor des spezialisierten Newsletters Sinocism, Bill Bishop, auf X.Es hätte sogar noch böser enden können. Bloomberg berichtet, dass die Sunward Aurora überraschend die Flugbahn eines Airbus von Hainan Airlines gekreuzt hatte. Dieser musste offenbar seinen Landeanflug abbrechen.Das Sportflugzeug Sunward Aurora ist das erste von China unabhängig entwickelte Leichtflugzeug. Es ist das Standardflugzeug der zivilen Flugschulen Chinas.Nur die beschädigte Fassade am Citic-Tower in Peking zeugt noch davon, dass die Mechanismen in einer der am strengsten überwachten Flugverbotszonen der Welt versagt haben.Han Guan Ng / APPassend zum Artikel
Ein Flugzeug kracht in den Citic-Tower in Peking - wie konnte das passieren?
Wenige Tage vor dem 105. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas steuerte ein Zweisitzer in den Citic-Tower der Hauptstadt. Der Staat zensiert jegliche Inhalte zum Vorfall und verordnet ein landesweites Flugverbot für private Leichtflugzeuge.











