PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKrisenmanagement„Resilienz ist wichtig“ – Hochbahn stellt sich auf neue Risiken einStand: 16:20 UhrLesedauer: 5 MinutenDie Hamburger Hochbahn investiert massiv in den Ausbau des U-Bahnnetzes, aber auch in die Resilienz des UnternehmensQuelle: Christian Charisius/dpaDie Hamburger Hochbahn rüstet sich für den Ernstfall – von Notstrom über geschützte Leitstellen bis zu neuen Dieselbussen als Reserve. Das Unternehmen baut ein „riesiges Paket“ für den Verkehr in Krisenzeiten auf.Stromausfälle, Sabotage, Cyberangriffe, Extremwetter: Die Hamburger Hochbahn beschäftigt sich inzwischen mit Risiken, die lange eher als Problem von Energieversorgern, Sicherheitsbehörden oder Katastrophenschützern galten. Bei der Bilanzvorlage für das Jahr 2025 ging es deshalb nicht nur um Fahrgastzahlen, Investitionen und neue U-Bahn-Strecken. Einen Schwerpunkt bildete die Frage, wie der Betrieb auch in Krisenfällen aufrechterhalten werden kann. „Die letzten Monate haben gezeigt: Resilienz ist wichtig“, sagte Jens-Günter Lang, Sprecher des Vorstands und Technikvorstand der Hochbahn.Hinter dem Begriff steckt die Frage, wie Busse und U-Bahnen auch dann weiterfahren können, wenn zentrale Systeme ausfallen oder außergewöhnliche Krisenlagen eintreten. Die Hochbahn untersucht dafür ihre gesamte Infrastruktur neu. Im Fokus stehen Betriebshöfe, Leitstellen, Energieversorgung, digitale Systeme und Verkehrsabläufe. Geprüft wird, wo Schwachstellen liegen und wie sich der Betrieb auch unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten lässt.Lesen Sie auchLang verwies auf Entwicklungen, die vor wenigen Jahren kaum eine Rolle gespielt hätten. Stromausfälle, Probleme kritischer Infrastruktur, Extremwetterlagen oder Ausfälle technischer Systeme seien Risiken, auf die sich Betreiber heute einstellen müssten. Das Unternehmen habe deshalb begonnen, das Thema systematisch zu bearbeiten. Die Hochbahn habe vier Schwerpunkte definiert: den Schutz ihrer Infrastruktur, einen robusteren Betrieb, den Ausbau des Krisenmanagements sowie die Anpassung an die Folgen des Klimawandels.Dabei geht es um weit mehr als zusätzliche Sicherheitstechnik. Nach Angaben des Unternehmens werden Betriebshöfe, Abstellanlagen und technische Einrichtungen auf neue Schutzstandards überprüft. Gleichzeitig beschäftigt sich die Hochbahn mit Fragen der Notstromversorgung, der Absicherung von Lieferketten, dem Schutz digitaler Systeme sowie der Widerstandsfähigkeit ihrer Leitstellen. „Wir stellen uns Situationen vor, mit denen wir früher gar nicht gerechnet haben, dass sie kommen“, sagte Lang.Auch die Folgen des Klimawandels spielen dabei eine größere Rolle. Die Hochbahn untersucht nach eigenen Angaben, wie U-Bahn-Anlagen auf Starkregen vorbereitet werden können, welche Auswirkungen extreme Hitze auf Fahrzeuge und Infrastruktur hat und wie sich Betriebsabläufe bei zunehmenden Wetterextremen absichern lassen. Lang sprach von einem „riesigen Paket“, das in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden müsse. Für erste Maßnahmen seien bereits rund 20 Millionen Euro eingeplant worden. Lesen Sie auchRückendeckung erhält das Unternehmen dabei von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne), der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Hochbahn ist. Die Rahmenbedingungen hätten sich verändert, sagte er mit Verweis auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. Deshalb müsse man neue Risiken bewerten und entsprechende Vorsorge treffen. Ziel sei es, die Mobilität auch unter schwierigen Bedingungen sicherzustellen.Welche Folgen diese Überlegungen bereits haben, zeigt sich an der Busflotte. Die Hochbahn plant die Beschaffung von bis zu 150 neuen Dieselbussen. Diesen Plan, der noch unter dem alten Vorstandsvorsitzenden Robert Henrich getroffen worden war, bekräftigte Lang bei der Bilanz-PK. Die Verbrennerbusse sollen für Szenarien wie großflächige Stromausfälle oder andere Krisenlagen vorgehalten werden und müssen nach Angaben des Unternehmens bis spätestens 2029 bestellt werden, weil spätere Beschaffungen regulatorisch kaum noch möglich wären. Alle neuen Dieselbusse werden mit dem emissionsarmen Treibstoff HVO100 betrieben. Schon jetzt werde die Hälfte der Dieselbusse mit dem Kraftstoff betankt, der aus biogenen Rest- und Abfallstoffen hergestellt wird. Die Hochbahn hat zur Lieferung von HVO Verträge geschlossen, die eine ausreichende Versorgung für mindestens fünf Jahre sicherstellt.Die Pläne stehen im Kontrast zum bisherigen Kurs der Hochbahn, die seit Jahren auf die Elektrifizierung ihrer Flotte setzt. Ursprünglich sollten ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse, zuletzt kamen dafür nahezu ausschließlich Elektrobusse infrage, beschaffen werden. Für bestimmte Einsatzszenarien gebe es derzeit jedoch noch keine vollständig elektrische Lösung, sagten sowohl Lang als auch Tjarks. Ihm, so der Senator, seien Elektrobusse auch lieber als Verbrenner. Aber die Flotte wäre mit rein elektrischen Bussen nicht gut genug auf Krisen vorbereitet. Deshalb stehe der Senat hinter der Abkehr von der bisherigen Elektrifizierungsvorgabe. Lesen Sie auchWährend die Krisenvorsorge einen großen Teil der Pressekonferenz bestimmte, ging es auch um die klassischen Bilanzzahlen. Die Hochbahn investierte 2025 insgesamt 938,5 Millionen Euro brutto, also auch mit Geld direkt aus dem Hamburger Haushalt. Damit waren die Investitionen so hoch wie nie zuvor. „Wir setzen aktuell die größte Investitionsoffensive unserer Unternehmensgeschichte um“, sagte Lang. Die Investitionen seien gegenüber dem Vorjahr um 43 Prozent gestiegen.Ein Großteil des Geldes floss in den Ausbau des U-Bahn-Netzes. Zu den größten Projekten gehören die neue Linie U5, die Verlängerung der U4 sowie die Beschaffung der neuen Fahrzeuggeneration DT6. Beim ersten U5-Abschnitt zwischen City Nord und Sengelmannstraße soll Ende 2027 der Testbetrieb beginnen.Auch bei den Fahrgastzahlen erreichte die Hochbahn einen Höchstwert. 552 Millionen Menschen nutzten 2025 die Busse und Bahnen des Unternehmens. Zwar blieb die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil, sie liegt inzwischen aber deutlich über dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019. Tjarks sprach von einer „sehr erfreulichen Entwicklung“.Lesen Sie auchZugleich verweist die Hochbahn auf eine hohe Betriebsqualität. Die U-Bahn erreichte nach Unternehmensangaben eine Pünktlichkeit von 98 Prozent. Die Zuverlässigkeit lag sogar bei knapp 100 Prozent. Wirtschaftlich bleibt das Unternehmen dennoch auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Der Jahresfehlbetrag lag 2025 bei 316,2 Millionen Euro. Darin enthalten ist erstmals auch das Ergebnis der gemeinsam mit der Hochbahn bilanzierten Fährgesellschaft HADAG. Finanzvorständin Merle Schmidt-Brunn sprach von einem „gewollten Verlust“. Aufgabe eines öffentlichen Verkehrsunternehmens sei es, langfristig in Infrastruktur und Mobilität zu investieren. Der Fehlbetrag bewege sich seit mehreren Jahren auf einem vergleichbaren Niveau.Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik. Einer ihrer Schwerpunkte sind die städtischen Unternehmen.