Der 68. Mercosur-Gipfel begann am 29. Juni in Luque, Paraguay. Der südamerikanische Handelsblock bemüht sich um eine Expansion nach außen und versucht gleichzeitig, seinen eigenen fortschreitenden Zerfall aufzuhalten. Im Conmebol-Kongresszentrum trafen sich die Außenminister, um ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Japan zu unterzeichnen. Außerdem arbeiteten sie an den Details eines wegweisenden Abkommens mit Europa. Währenddessen empfing Argentiniens Präsident Javier Milei in Buenos Aires einen wichtigen Rivalen des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Anschließend sagte Milei seine Teilnahme am Gipfel ab, um negative Reaktionen zu vermeiden.

Das strukturelle Paradoxon des Mercosur trat deutlich zutage: Ein Block, der die größte Freihandelszone der Welt stützt – einen kombinierten EU-Mercosur-Markt mit mehr als 700 Millionen Menschen und fast einem Viertel des globalen BIP –, versucht, eine einheitliche Handelsfront zu präsentieren, während seine beiden größten Volkswirtschaften offen über die Spielregeln selbst streiten.

Mileis kalkulierte Abwesenheit

Als Affront, der Buenos Aires’ wachsende Verachtung für die multilateralen Zwänge des Blocks signalisiert, sagte Milei den Gipfel in letzter Minute ab. Die offizielle Begründung – eine Kabinettsumbildung im Inland mit dem Rücktritt von Stabschef Manuel Adorni und der bevorstehenden Vereidigung von Diego Santilli – befriedigte niemanden.