Die Touristen wurden zur finanziellen Belastung: Der Kölner Dom verlangt neu EintrittBeten bleibt kostenlos, das Besichtigen kostet 12 Euro. Mit der neuen Eintrittsgebühr wird auf die steigenden Unterhaltskosten am Kölner Dom reagiert. Doch die Gebühr ist mehr als eine wirtschaftliche Massnahme.01.07.2026, 14.45 Uhr3 LeseminutenWer durch die Pforte des Kölner Doms will, zahlt ab sofort 12 Euro Eintritt.Christoph Hardt / ImagoSeit dem ersten Spatenstich im Jahr 1248 hat der Kölner Dom einiges erlebt. Er überstand den Zweiten Weltkrieg, wenn auch nicht unversehrt, und an seiner Fassade haftet der Russ der Industrialisierung. Heute stellen ihn vor allem die Millionen Besucher vor neue Herausforderungen. Rund 6 Millionen Menschen besichtigen das Bauwerk jedes Jahr. Das macht ihn zu einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Für das Domkapitel, das geistliche Leitungsgremium am Kölner Dom, ist dieser Erfolg längst auch eine finanzielle Belastung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit den Besucherzahlen steigen auch die Kosten. Der Unterhalt kostet inzwischen rund 16 Millionen Euro jährlich. Um den laufenden Betrieb langfristig zu finanzieren, erhebt der Dom deshalb neu eine Eintrittsgebühr. Seit Mittwoch kostet der touristische Besuch 12 Euro. Wer zum Gottesdienst oder zum Gebet kommt, darf weiterhin kostenlos eintreten. Wer den Dom jedoch als Sehenswürdigkeit erleben will, bezahlt. Ausgenommen von den neuen Ticketpreisen sind Kinder bis 13 Jahre und Menschen mit schweren Behinderungen.Sechs Mal in Folge ein Minus erwirtschaftetMit den Eintrittsgeldern soll der laufende Betrieb des Doms dauerhaft sichergestellt werden, wie das Domkapitel Anfang Juni mitteilte. Sach- und Personalkosten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Seit 2019 sei sechs Mal in Folge ein Minus erwirtschaftet worden. Über viele Jahre hätten die Defizite über Rücklagen aufgefangen werden können, doch diese seien in «absehbarer Zeit» aufgebraucht und die Kosten seien ohne Eintritte nicht mehr zu stemmen, sagte der Domrendant Clemens van de Ven im März.Ganz neu sind Eintrittsgelder am Kölner Dom allerdings nicht. Bereits bisher mussten Besucher für die Besteigung des Turms oder den Besuch der Domschatzkammer ein Ticket lösen. Entsprechend weist die Bilanz des Domkapitels seit Jahren Einnahmen aus Eintrittsgeldern aus. Für das vorvergangene Jahr beliefen sie sich auf 2,6 Millionen Euro.Die wirtschaftliche Begründung für die Erhebung ist nachvollziehbar. Der Kölner Dom ist kein Museum, das vom Staat vollständig finanziert wird, sondern eine aktive Kathedrale, deren Unterhalt weitgehend von der Kirche selbst getragen werden muss. Zugleich ist er eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Europas und einer der wichtigsten Identifikationspunkte der Stadt Köln.Petersdom und Notre-Dame sind kostenlos begehbarZahlreiche berühmte Kathedralen Europas verlangen längst Eintritt für touristische Besuche. Etwa die Westminster Abbey in London, die Sagrada Família in Barcelona oder das Fraumünster in Zürich. Der Kölner Dom folgt damit einem internationalen Trend. Gleichzeitig polarisiert der Entscheid. Kaum ein anderes Bauwerk steht in Deutschland so sehr für Geschichte, Glauben und Identität wie die gotische Kathedrale am Rhein.Kritiker verweisen darauf, dass zentrale Kirchen in Europa wie Notre-Dame in Paris oder der Petersdom in Rom weiterhin kostenlos zugänglich seien. Der Kölner Dom nehme innerhalb Europas eine vergleichbare kulturelle Stellung ein.Für die Kölner ist er Heimatbegriff und Orientierungspunkt. Er wird besungen und beschworen. Kaum ein anderes Bauwerk ist derart Teil der städtischen Identität. Dass die Kölner für den Besuch nun Eintritt zahlen müssen, sorgt für Unmut.Für Heimat zahle man keinen Eintritt, schrieb Oliver Eckert, der CEO der Kölner Stadt-Anzeiger Medien, im Juni in einem Gastkommentar in der Zeitung. Und Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, nannte den Entscheid des Domkapitels gegenüber der Deutschen Welle eine «Katastrophe». Eintrittspreise zu erheben, sei ein «grosser Fehler». Der Dom sei eine Kirche, kein Museum.Es gibt weiterhin kostenfreie BesuchstageDoch es gibt auch ein Schlupfloch für die, die keinen Eintritt zahlen wollen. Der Dom soll laut dem Domkapitel jährlich an bestimmten Tagen kostenfrei für alle sein. Vom 6. Januar (Fest der Heiligen Drei Könige) bis zum darauffolgenden Sonntag, am 1. Mai (Tag der Arbeit) und am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) sowie zur Dreikönigswallfahrt Ende September.Ob 12 Euro viele Besucher abschrecken werden, ist offen. Das Domkapitel rechnet damit, dass durch die Eintrittspreise die Besucherzahlen zurückgehen. Doch das könne sich positiv auf die Atmosphäre in der Kirche auswirken, sagte Dompropst Guido Assmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Dom, so scheint es, soll wohl wieder etwas mehr Gotteshaus und etwas weniger Touristenattraktion werden.Für die Kölner ist der Dom Heimatbegriff und OrientierungspunktJuliane Sonntag / ImagoPassend zum Artikel
Die Touristen wurden zur finanziellen Belastung: Der Kölner Dom verlangt neu Eintritt
Beten bleibt kostenlos, das Besichtigen kostet 12 Euro. Mit der neuen Eintrittsgebühr wird auf die steigenden Unterhaltskosten am Kölner Dom reagiert. Doch die Gebühr ist mehr als eine wirtschaftliche Massnahme.















