Die erneuerbaren Energien haben im ersten Halbjahr 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs gedeckt, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum und so viel wie nie zuvor. Das zeigen vorläufige Zahlen des Forschungsinstituts ZSW und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Nach dem Willen der Bundesregierung sollen es bis zum Jahr 2030 mindestens 80 Prozent werden.Nach dem windschwachen ersten Halbjahr 2025 haben Windparks auf See in diesem Jahr 28 Prozent mehr Strom erzeugt, Windparks an Land sieben Prozent mehr. Zusammen trugen sie gut ein Viertel zur Stromerzeugung bei. Auch die installierte Kapazität legte deutlich zu: In diesem Jahr wurden auf See Windparks mit einer Kapazität von 0,9 Gigawatt gebaut, an Land kamen 2,5 Gigawatt hinzu.Bei der jüngsten, deutlich überzeichneten Ausschreibung für Windparks an Land hatten Projekte mit einem Volumen von 2,5 Gigawatt den Zuschlag erhalten, wie die Bundesnetzagentur in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte. In der mit gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten kämpfenden Offshore-Branche sind die Aussichten hingegen düster. Energiekonzerne wie Total Energies und BP denken laut über eine Rückgabe ihrer ersteigerten Flächen nach, und alle für dieses Jahr geplanten Ausschreibungen sind ausgesetzt.Wirtschaftsministerin Katherina Reiche überarbeitet FörderungNeuen Schwung dürfte erst eine anders aufgestellte Förderung bringen, welche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) derzeit erarbeiten lässt. Noch hat sie allerdings weder einen Entwurf für das Ende dieses Jahres auslaufende Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) noch für ein neues Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) vorgelegt. „Wir erwarten von der Bundesregierung eine rasche Einigung, damit wir im Verfahren vorankommen, die Unternehmen investieren und die Ausbauziele erreicht werden können“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.Photovoltaikanlagen trugen im ersten Halbjahr knapp ein Fünftel zur Stromerzeugung bei (plus 3,7 Prozent), es kamen Anlagen mit einer Kapazität von 8,3 Gigawatt hinzu. Die Stromproduktion aus Wasserkraft ging wegen des gesunkenen Niederschlags um 7,7 Prozent auf 2,7 Prozent zurück, die aus Biomasse blieb nahezu unverändert bei 8,3 Prozent. Zur Entwicklung der Stromerzeugung aus den einzelnen fossilen Energieträgern Kohle und Gas machten ZSW und BDEW keine Angaben.„Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger und desto resilienter wird unsere Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks. Die Energiekrisen der vergangenen Monate und Jahre wurden durch die fossilen Energieträger ausgelöst, nicht durch die erneuerbaren“, sagte Frithjof Staiß vom ZSW.Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 262 Terawattstunden Strom verbraucht, 0,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Austauschsaldo war erstmals wieder leicht negativ, das heißt, es wurde insgesamt etwas mehr Strom exportiert (34 Terawattstunden) als importiert (33 Terawattstunden). Im ersten Halbjahr 2024 waren 8,6 Terawattstunden mehr importiert als exportiert worden, im ersten Halbjahr 2025 7,5 Terawattstunden mehr.