Stand: 01.07.2026 • 12:59 Uhr

Die verheerenden Erdbeben in Venezuela verschärfen die ohnehin schwierige Lage im Gesundheitswesen. Tausende Verletzte müssen versorgt werden, doch den Krankenhäusern fehlt das Nötigste.

Von Anne Demmer, zzt. in Caracas

Vor einem Krankenhaus in Caracas sitzen Patienten auf Plastikstühlen. Eine Frau liegt mit angewinkelten Beinen auf einer Matratze. Ein Arzt im weißen Kittel verteilt Fruchtmus in Quetschbeuteln an die Wartenden. Es ist eine staatliche Einrichtung der höchsten Stufe. Eigentlich sollten hier hochkomplexe chirurgische Eingriffe möglich sein - in der Theorie.

Doch der Krankenhausbetrieb stehe kurz vor dem Kollaps, erzählt der leitende Arzt wütend. Er spricht schnell, möchte anonym bleiben, aus Angst vor der Repression der Regierung. Die Krise habe nicht mit dem Erdbeben begonnen, sie sei auf staatliches Unvermögen zurückzuführen, sagt er. "Ein Krankenhaus dieser Kategorie, das eigentlich gut ausgestattet sein sollte, verfügt nicht einmal über ein einfaches Labor. Es gibt keine Röntgengeräte. Weder einen Computertomographen noch einen Magnetresonanztomographen."