Die letzte Spur von Hitlers Machtzentrale: Der älteste Bunker der NS-Zeit in Berlin soll abgerissen werden1934 liess Hitler in Berlin-Mitte die Neue Reichskanzlei bauen, als Symbol seines Herrschaftsanspruchs. 1949 wurde sie von den Russen abgebrochen. Auf dem Areal soll ein Neubau errichtet werden. Das stösst auf Widerstand.01.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBlick auf das Gelände in Berlin-Mitte, auf dem Hitlers Neue Reichskanzlei stand.Sven Kaeuler / DPA / KeystoneViel sieht man nicht mehr. Eine kleine Erhebung im Gelände, mit Gras bewachsen, am Rand die Überreste eines gemauerten Eingangs, der in den Untergrund führt. Das ist alles, was von der Machtzentrale der Nazis übrig ist. Auf der Brache an der Vossstrasse in Berlin-Mitte stand während der NS-Zeit die Neue Reichskanzlei, und der Eingang führte in den darunterliegenden Bunker. Nun sollen die letzten Spuren, die daran erinnern, verschwinden. Ein privater Investor will auf dem Areal sechsundsechzig Wohnungen und ein Bürogebäude bauen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Bausenator hat dem Vorhaben grünes Licht gegeben. Dass damit die Überreste des ältesten Bunkers der NS-Zeit in Berlin beseitigt würden, sei kein Problem. Der Berliner Boulevardzeitung «BZ» sagte der Senator, die Stadt wolle dem Bau von Wohnungen nicht im Weg stehen, um einen Bunker zu erhalten, der zum Wallfahrtsort für Neonazis werden könnte. Das war er bisher nicht. Die Baupläne stossen auf heftige Kritik. Und die Kritiker halten das Argument der Stadtverwaltung für vorgeschoben.«Totaler Wahnsinn»Der Verein Berliner Unterwelten, der sich für die Bewahrung und Dokumentation aller Bauten einsetzt, die sich unter Berlins Boden befinden, wehrt sich für die Erhaltung des Ortes. Die Spuren der NS-Machtzentrale abzureissen, sei «totaler Wahnsinn», sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins dem «Tagesspiegel». Auch die Denkmalpflege erhebt Einwände. Der Bunker sei nicht nur der letzte Rest der Neuen Reichskanzlei, sondern auch der letzte erhaltene Vorkriegsbunker des NS-Regierungsviertels.Als Baudenkmal, das erhalten werden muss, gilt er allerdings nicht. Der Bunker unter der Reichskanzlei ist nicht identisch mit dem «Führerbunker», in dem Adolf Hitler die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs verbrachte und wo er zusammen mit Eva Braun am 30. April 1945 Selbstmord beging. Dieser liegt einige hundert Meter von der Reichskanzlei entfernt.Vom «Führerbunker» ist heute oberirdisch nichts mehr erhalten. Die unterirdische Anlage wurde bewusst zerstört und mit Sand und Kies aufgefüllt. Darüber wurde ein Parkplatz gebaut. Lange Zeit blieb die Stelle, wo sich der Bunker befunden hatte, nicht bezeichnet, um eine Mystifizierung des Ortes durch faschistische Gruppierungen zu verhindern. Seit 2006 steht eine Informationstafel dort, die an die Geschichte des Areals erinnert.Zwei russische Soldaten zeigen im Mai 1945 im Garten der zerstörten Neuen Reichskanzlei auf die Grube, in der die Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun begraben worden seien.KeystoneDer Bunker unter der Neuen Reichskanzlei ist einer von vielen im ehemaligen NS-Regierungsviertel. Trotzdem sprach sich der Landesdenkmalrat im vergangenen Jahr dafür aus, die Aufnahme der Überreste des Bunkers unter der Reichskanzlei in die Denkmalliste zu prüfen. Die Neue Reichskanzlei sei einer der wichtigen Planungs- und Ausgangsorte des Zweiten Weltkrieges und stehe symbolhaft für das katastrophale Ende des NS-Regimes, heisst es in der Empfehlung des Gremiums. Mehr als tausend Quadratmeter des Bunkers sind noch erhalten, die Wände der Anlage haben einen Durchmesser von einem Meter siebzig. Für das geplante Bauprojekt muss rund die Hälfte der Anlage abgerissen werden.Marmor und Rosenholz1938 gab Adolf Hitler den Befehl zum Bau der Neuen Reichskanzlei. Sie sollte das repräsentative Zentrum des NS-Regimes und Symbol des Herrschaftsanspruchs des «Führers» sein. Nach Plänen von Hitlers bevorzugtem Architekten Albert Speer wurde sie in nur knapp zwölf Monaten gebaut. Hier hatte Hitler sein Büro. Ein monumentales, rund vierhundert Quadratmeter grosses und zehn Meter hohes Arbeitszimmer. Die Wände waren mit Marmor, Palisander und Rosenholz ausgekleidet, der Boden bestand aus kostbaren Kalksteinplatten.Monumental: die von Albert Speer geplante Neue Reichskanzlei in Berlin.ImagoFür den Bau der Neuen Reichskanzlei mussten 1938 ganze Strassenzüge abgerissen werden. Der in monumentalem Stil ausgeführte Bau war insgesamt über vierhundert Meter lang. Zeitweise arbeiteten mehrere tausend Arbeiter in Schichten, um ihn rechtzeitig fertigzustellen. 1945 wurde die Neue Reichskanzlei von der Roten Armee eingenommen und teilweise zerstört. Ab 1949 wurde sie auf Befehl der Sowjetischen Kontrollkommission abgebrochen.Passend zum Artikel
Hitlers Machtzentrale: Ältester NS-Bunker in Berlin soll abgerissen werden
1934 liess Hitler in Berlin-Mitte die Neue Reichskanzlei bauen, als Symbol seines Herrschaftsanspruchs. 1949 wurde sie von den Russen abgebrochen. Auf dem Areal soll ein Neubau errichtet werden. Das stösst auf Widerstand.









