Dienstag, 18:30 Uhr, eine Tankstelle in Wachau, einem Vorort von Leipzig: Vor der Zapfsäule herrscht großer Andrang. Sprit bekommt hier jedoch vorerst keiner mehr. Ein Ausverkauf? Der Grund ist profaner: „Der Herr an der Tankstelle meinte, dass das EC-Gerät nicht funktioniert. Und Barzahlung klappt wohl auch gerade nicht“, sagt Bella W. (26) nach ihrem Tankversuch. Die angehende Gymnasiallehrerin aus Bautzen lässt sich ihre gute Laune nicht verderben, obwohl sie gezielt hierherkam: „Ich hatte in einer App geschaut, wo es in der Umgebung am günstigsten ist, und bin deshalb hier.“Hintergrund ist das Aus für den Tankrabatt der Bundesregierung: Noch bis Mitternacht gilt die Steuerermäßigung. Am Tag davor variieren die Preise stark. Die Unterschiede zwischen den Tankstellen sind ungewöhnlich groß. Teilweise kommt es zu langen Schlangen an der Zapfsäule.Der Tank von Bella W. ist zum Glück noch nicht ganz leer. „Er ist noch viertel voll, zur nächsten Tankstelle komme ich auf jeden Fall. Aber ich hätte den Rabatt heute schon gern noch in Verbindung mit dem ohnehin günstigen Preis hier mitgenommen“, sagt die junge Frau.
Quelle: Sachsen Fernsehen
Ein paar Kilometer weiter, an der Aral an der Tabaksmühle, steht Kilian Laubisch (30) aus Leipzig. Er tankt meist hier. Laubisch arbeitet im Event-Bereich und ist täglich rund 100 Kilometer mit seinem Auto unterwegs. Für ihn greift die staatliche Maßnahme ohnehin viel zu kurz: „Der Tankrabatt war im Grunde nur Symptombekämpfung. Das eigentliche Problem ist doch, dass das Leben an sich immer teurer wird“, findet der Leipziger. Vor allem die substanziellen Fixkosten wie Miete, Lebensmittel und eben der Kraftstoff seien in Deutschland spürbar explodiert. Das Ende des Rabatts sieht er pragmatisch: „Ich bin natürlich immer froh, wenn ich etwas geschenkt bekomme. Aber eine echte Entlastung habe ich im Portemonnaie unterm Strich nicht gespürt.“ Statt befristeter Rabatte fordert der 30-Jährige ein radikales Umdenken in der Energiepolitik: „Wir müssen uns dringend unabhängiger organisieren, was die Verfügbarkeit von Rohstoffen angeht, oder selbst neue Alternativen entwickeln.“ Hoffnung setzt er dabei vor allem auf heimische Biomasse wie Raps oder Hanf.












