Berlin, Hamburg. Ein Zwischenruf bringt Carsten Linnemann für einen kurzen Moment aus dem Konzept. Der Generalsekretär der CDU hat die Parteibasis in Hamburg zu seiner „Einfach mal machen“-Tour eingeladen. Er läuft durch die Stuhlreihen im Curio-Haus, einem historischen Veranstaltungssaal im schicken Stadtteil Rotherbaum.Bei dem Parteitreffen diskutieren sie, wie Deutschland wirtschaftlich auf die Beine kommt – und die CDU aus ihrem Umfragetief. Linnemann stellt einem Studenten eine Frage: „Was würdest du als Bundeskanzler als Erstes machen, um für mehr Wachstum zu sorgen?“ „Bärbel Bas entlassen!“, ruft jemand in den Saal. Gelächter. Applaus.Für einen Moment scheint Linnemann zu überlegen, ob er den Ball aufnehmen soll. Ein Witz auf Kosten der Co-Vorsitzenden der SPD, die vielen in der Union als Reformbremse gilt? Der Saal wäre auf seiner Seite. Oder ein Wort der Mäßigung? Das könnte dem Klima in der schwarz-roten Koalition dienen.Es ist eine Abwägung, vor der Linnemann, leidenschaftlicher Fußballer und im Ehrenamt Vizepräsident des Bundesliga-Aufsteigers SC Paderborn, nicht nur an diesem Abend des 15. Juni steht: Angriff oder Verteidigung? Die Bundesregierung für das Erreichte loben oder für das Fehlende kritisieren? Profil oder Loyalität?