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USA: Trump so unbeliebt wie nie – ist das die Stunde der Demokraten? Bei den Zwischenwahlen im November könnten die Amerikaner mit der Politik ihres Präsidenten abrechnen und die Republikaner abstrafen. Auf diese Schlüsselfiguren der Demokaten kommt es an.

Dana Heide 30.06.2026 - 20:08 Uhr Artikel anhörenDemokratischer Wahlkämpfer Ossoff in Atlanta: „Das ist die korrupteste Regierung, die es jemals gab.“ Foto: BloombergAtlanta, Washington. Jon Ossoff hält sich erst gar nicht damit auf, seinen direkten republikanischen Konkurrenten anzugreifen. Gleich zu Beginn seiner Wahlkampfrede in Atlanta Ende Mai attackiert der demokratische Senator aus Georgia lieber gleich den US-Präsidenten. „Das ist die korrupteste Regierung, die es jemals gab, und jeder weiß es“, sagt Ossoff mit Blick auf Donald Trump. „Seine Präsidentschaft zerbricht.“ Die Menge johlt und klatscht.Ossoff wirkt gelassen, obwohl große Erwartungen auf ihm lasten. Der 39-Jährige muss seinen Sitz im US-Senat gegen den republikanischen Herausforderer Mike Collins verteidigen. Sein Abschneiden könnte darüber entscheiden, ob die Demokraten bei den Wahlen im November nicht nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus erringen, sondern auch im Senat.Denn der Kampf um die Mehrheiten im Kongress dürfte äußerst knapp werden. Im Repräsentantenhaus werden alle 435 Sitze neu vergeben, im Senat stehen 33 Mandate zur Wahl. Um die Mehrheit im Senat zu erlangen, müssten die Demokraten alle eigenen Sitze – darunter Georgia – verteidigen und vier zusätzliche gewinnen. Traditionell hat die Partei des Präsidenten bei den Zwischenwahlen Nachteile: ein Muster, das oft als „Zwischenwahlen-Fluch“ bezeichnet wird.Erringen die Demokraten eine Blockademacht?Sollte es den Demokraten gelingen, nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat die Mehrheit zu erringen, könnten sie republikanische Initiativen blockieren.Deshalb kommt es auf einzelne Kandidaten wie Ossoff besonders an. Seinen Sitz im Senat zu verteidigen, dürfte für ihn jedoch alles andere als leicht werden. Denn US-Präsident Donald Trump und die Republikaner haben in Georgia viele Anhänger – 2024 gewann Trump den Staat mit zwei Prozentpunkten Vorsprung.Ossoff bittet deshalb mehrmals pro Woche per E-Mail seine Unterstützer um Spenden für den Wahlkampf. „Wir könnten dieses Rennen verlieren“, mahnt er in einer Nachricht.In einer anderen verweist der US-Schauspieler Ben Stiller auf den Ernst der Lage: „Die Demokraten haben eine echte Chance, die Mehrheit im Senat zurückzugewinnen – und wenn wir erfolgreich sind, wird Donald Trumps Agenda gestoppt“, schreibt er. „Doch die Rückeroberung der Mehrheit ist nicht möglich, ohne den Sitz von Jon Ossoff in Georgia zu verteidigen.“Inside America Wie Donald Trump die US-Hauptstadt militarisiert Ossoff ist schlank und athletisch, hat volles dunkles Haar und trägt häufig ein makelloses blaues Hemd. Er wirkt nahbar, fast wie der junge Mann von nebenan. Nach seiner Rede in Atlanta nimmt er sich Zeit, um Unterstützer am Rand der Bühne persönlich zu begrüßen. Er spricht mit vielen einzeln, umarmt einige und lächelt für Selfies.Ossoff gilt nicht nur mit Blick auf die Midterms als wichtiger Hoffnungsträger der Demokraten. Für 2028 wird er sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. Der frühere Dokumentarfilmproduzent gilt als politisches Ausnahmetalent.Seine Rede in Atlanta hat den Tonfall einer Predigt, wie er in den Südstaaten häufig zu hören ist. Sie findet in einer ehemaligen Kirche statt, hinter ihm sind noch die Orgelpfeifen zu sehen.Immer wieder unterbricht er seinen Redefluss, um die Reaktionen des Publikums aufzunehmen. Die rund 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer reagieren auf nahezu jeden Satz: mit Jubel, Gelächter, Empörung, Zwischenrufen des Erstaunens – oder mit Buhrufen.Donald Trump: Der US-Präsident verhöhnte den demokratischen Wahlkämpfer Ossoff unlängst. Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpaWarum Ossoff ein guter Kandidat sei? „Er hat Erfahrung, mit Trump umzugehen“, sagt A.J. Tucker, ein Rally-Teilnehmer, der seinen vollen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Trump hatte Ossoff in der Vergangenheit mehrfach beschimpft. Erst Mitte Juni ätzte er, der demokratische Senator sei in Washington „ein Witz“, niemand kenne ihn in der Hauptstadt.Für Joel Whisenant ist es eine Premiere: Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er eine politische Kundgebung besucht. „Ich war politisch nie besonders involviert“, sagt der Pensionär, der aus der Nähe von Atlanta kommt. „Aber man muss etwas tun, die Lage ist sehr besorgniserregend.“Seine größte Sorge ist, dass am Wahltag viele Menschen zu Hause bleiben. Deshalb hat er sich bereits freiwillig gemeldet, einen Fahrdienst für jene zu organisieren, die es aus eigener Kraft nicht bis zum Wahllokal schaffen.Zum Zeitpunkt der Kundgebung hat Donald Trump bereits ein gravierendes Popularitätsproblem, danach ist es noch schlechter geworden. Ende Juni liegen seine Zustimmungswerte im Durchschnitt bei etwas über 39 Prozent. Eine Ipsos-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters sieht ihn sogar nur noch bei 34 Prozent.Whisenant verlässt sich dennoch nicht auf Umfragen und verweist auf die verlorene Präsidentschaftswahl der Demokratin Hillary Clinton im November 2016: „Bei Hillary waren sie auch sicher, dass sie gewinnt.“ Die 52-jährige Cheryl Jackson, Lehrerin und Uber-Fahrerin aus Atlanta, teilt seine Sorge, dass am 3. November zu wenige zur Wahl gehen könnten. Viele Jüngere hätten politisch resigniert, sagt sie. „Wir müssen sie davon überzeugen, dass ihre Stimme zählt.“USA Umfragewerte sinken – die Methode Trump kommt an ihre Grenzen In den meisten Bundesstaaten und Wahlkreisen sind die Parteipräferenzen so verfestigt, dass sich der Ausgang bereits abzeichnet. Doch in einigen ist das anders – und sie könnten am Ende entscheidend sein.Nach Einschätzung des US-Wahlanalysehauses Cook Political Report ist die Senatswahl vor allem in Maine, Michigan und Ohio offen. Weitere sechs Staaten gelten demnach als umkämpft, aber mit etwas klarerer Tendenz – darunter Georgia und Texas. Real Clear Politics kommt zu einer anderen Einordnung: Dort gelten die Senatswahlen in acht Bundesstaaten als völlig offen, darunter ebenfalls Georgia.Zweimal gewann Trump den Bundesstaat bereits: 2024 und 2016. Im Jahr 2020 ging er an den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden – wenn auch sehr knapp mit 0,2 Prozentpunkten. Trump ficht das Wahlergebnis bis heute an.Demokrat Platner im US-Bundesstaat Maine: Blitzkarriere in der Politik. Foto: BloombergEin anderer schwer umkämpfter Staat für einen Platz im Senat wird Maine, wo gerade einmal 1,4 Millionen Menschen leben. Der Kandidat der Demokraten, Graham Platner, ist das genaue Gegenteil von Ossoff: raue Stimme, legere Kleidung, die Unterarme tätowiert.Dem 41-Jährigen gelang eine politische Blitzkarriere. Der frühere Austernzüchter besiegte Anfang Juni die amtierende Gouverneurin von Maine, Janet Mills, in den demokratischen Vorwahlen.Dabei war Platner noch vor einem Jahr kaum bekannt – und er ist hochumstritten. So trug er fast 20 Jahre lang ein Tattoo auf der Brust, das als Nazi-Symbol gilt. Platner hat es inzwischen überdecken lassen und sagt, er habe nicht gewusst, wofür es steht. Doch seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein, und das gilt auch für rassistische und sexistische Äußerungen.Die Demokraten hätten „acht Jahre lang, zehn Jahre lang behauptet, Trump sei ein Nazi“, sagte Trump Mitte Juni bei einer Rede in Pennsylvania. „Jetzt können sie das nicht mehr sagen, weil sie einen Typen haben, der ein Tattoo auf der Brust hat.“Die Wahl zu gewinnen, dürfte für Graham Platner angesichts der Kontroversen und seiner geringen politischen Erfahrung schwierig werden – auch wenn Maine bei der Präsidentschaftswahl 2024 für die demokratische Kandidatin Kamala Harris gestimmt hat. Wie schon bei den sieben Wahlen davor.Republikanische Senatorin Collins: Trump offen widersprochen. Foto: BloombergDoch Platners Gegnerin Susan Collins gilt in Maine als beliebt und dürfte auch für Wählerkreise infrage kommen, die den amtierenden Präsidenten kritisch sehen. Sie gehört zu den wenigen republikanischen Senatorinnen und Senatoren, die Trump in den vergangenen Jahren offen widersprochen haben.Bei den Demokraten geht die Angst um, Maine zu verlieren – und damit die Chance, die Mehrheit im Senat zu gewinnen. Doch noch ist nichts entschieden.Die Umfragen können sich bis zur Wahl noch verschieben – es sind noch rund drei Monate. In Texas liegt der demokratische Kandidat James Talarico in Erhebungen derzeit nur einen Prozentpunkt hinter seinem republikanischen Gegner. In Ohio hat der demokratische Senatskandidat Sherrod Brown zuletzt in Umfragen aufgeholt. Verwandte Themen Donald TrumpBloombergRepublikanerHillary ClintonEine Sorge vieler Beobachter ist, dass US-Präsident Trump Instrumente nutzen könnte, die den Wahlprozess beeinflussen. So treibt er derzeit eine Wahlrechtsreform voran, den sogenannten Save America Act.Das umstrittene Gesetz soll es zur Pflicht machen, die US-Staatsbürgerschaft nicht nur bei der Wählerregistrierung, sondern auch am Wahltag selbst durch ein „angemessenes“ Ausweisdokument nachzuweisen.Kritiker befürchten, dass dies viele Menschen von der Stimmabgabe abhalten könnte. Doch ob das tatsächlich die Republikaner begünstigen würde, bleibt vorerst unklar. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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