Die Historikerin Anna von Villiez wird neue Antisemitismusbeauftragte in Hamburg. Das teilte die Wissenschaftsbehörde mit. Die Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule an der Hamburger Volkshochschule hatte sich in einem Auswahlverfahren durchgesetzt, konnte zunächst aber nicht bestellt werden. Weil ein Mitbewerber vor Gericht gezogen war, musste erst die Entscheidung des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts abgewartet werden.

Die Neubesetzung des Amtes gilt ab sofort und für die nächsten drei Jahre. Villiez leitete die Gedenk- und Bildungsstätte seit 2018, zuvor beschäftigte sie sich am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit ethischen Fragen und war an der Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg tätig.Die Historikerin bedankte sich für die Entscheidung und warnte davor, dass Jüdinnen und Juden »heute wieder ihre Identität in der Öffentlichkeit verbergen müssen, aus Angst vor Anfeindungen«. Sie wolle »jüdisches Leben sichtbarer machen«, erklärte sie weiter.

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) erklärte, der nun wieder besetzte Posten spiele eine entscheidende Rolle für die Bekämpfung von Antisemitismus. Villiez bringe wissenschaftliche Expertise, eine starke Verankerung in der jüdischen Stadtgesellschaft und viel Erfahrung im Dialog mit den Bürgern in Hamburg mit. Die Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und Linken begrüßten die Bestellung ebenfalls.