Wenn die Notenbanker aus aller Welt einmal im Jahr ins portugiesische Sintra zum EZB-Forum kommen, ist dieser Geldpolitik-Gipfel immer auch eine Bestandsaufnahme zur Verfasstheit der Welt. Dieses Jahr ist die Witterung in Sintra recht stürmisch.Während im vergangenen Jahr noch die Zölle Donald Trumps und sein Dauerstreit mit Fed-Chef Jerome Powell die Gemüter bewegten, ist es in diesem Jahr das Hin und Her um Iran und die Straße von Hormus. Kaum hatten die Notenbanker sich daran gewöhnt, dass der Anstieg des Ölpreises keine kurzfristige Angelegenheit, sondern eine ernsthafte Krise ist, da sorgt die starke Bewegung des Ölpreises in die Gegenrichtung schon wieder für Unruhe.Die Vernünftigen in der EZB und der US-Notenbank Fed warnen, dass die Inflation damit nicht von einem Tag auf den anderen vorbei ist. Aber ihr Kampf scheint von Tag zu Tag nicht leichter zu werden. Gerade die hoch verschuldeten Staaten werden jetzt natürlich die Frage stellen, ob weitere Zinserhöhungen noch notwendig sind, wenn doch die Ursache der Inflation, der hohe Ölpreis, auf dem Rückzug ist.Eine Lehre aus den zurückliegenden Ereignissen können die Notenbanker auf jeden Fall schon mal ziehen: Nicht nur die Bedeutung von geopolitischen Schocks von der Art, wie man sie gerade erlebt hat, ist gestiegen. Zugenommen hat auch das Tempo, mit dem diese die Weltwirtschaft jeweils in die gegenteilige Richtung schicken können – im Extremfall mit einer Äußerung von US-Präsident Donald Trump.