Wir schreiben das Jahr 1996: Ich notiere mir auf einem Block URLs aus Zeitschriften, um sie später Zeichen für Zeichen in den Browser einzutippen. Ich bin zu dem Zeitpunkt zehn Jahre alt und das Open Web liegt mir zu Füßen. Also fast. Denn noch ist es wahnsinnig schwierig, neue Websites zu finden.Anzeige
Am Anfang des Webs stand die Suchmaschine
Julia Kloiber arbeitet als Mitgründerin der feministischen Organisation Superrr Lab an gerechten und inklusiven digitalen Zukünften. Für die gedruckte Ausgabe von Technology Review schreibt sie regelmäßig eine Kolumne. (Foto: Oliver Ajkovic)
Dann: Yahoo! Die Suchmaschine tritt in mein Leben und befreit mich ein für alle Mal von handgeschriebenen URL-Zetteln. Eine schlichte Liste mit zehn Treffern. Ganz simpel, ohne Werbung und sonstigen Schnickschnack. „Im Internet surfen“ wird nach und nach von „googeln“ abgelöst. Suchmaschinen werden das Tor ins World Wide Web. Sie führen mich zu Portalen, durch die ich immer wieder neue, abgelegene, skurrile, informative und heimelige Orte des Internets entdecke. Ich lande auf Blogs, in Foren, auf selbst programmierten Websites und krieche unzählige Rabbit Holes hinab.
Mit den Jahren wird die schlichte Liste mit zehn Treffern allerdings um allerlei Nerviges angereichert: Werbung, bezahlte Platzierungen und SEO-optimierte Inhalte. Rückblickend wirkt all das noch erstaunlich harmlos. Denn Google wird demnächst dank Künstlicher Intelligenz von einer Suchmaschine zu einer Antwortmaschine.Anzeige








