Seit vor bald fünf Jahren die fundamentalislamischen Taliban in Kabul wieder das Sagen haben, ist das Verhältnis zwischen den Nachbarstaaten Afghanistan und Pakistan angespannt. Seit Jahresbeginn entlädt sich das immer wieder in Scharmützeln, hauptsächlich im Grenzgebiet.Am Montag gab die Regierung in Islamabad bekannt, die pakistanischen Streitkräfte hätten am Sonntag und Montag entlang der Grenze zu Afghanistan eine Bodenoperation sowie Luftangriffe durchgeführt. Dabei seien 29 Kämpfer getötet worden. Das sei eine Reaktion auf frühere Angriffe, die von afghanischer Seite aus geführt worden seien.Pakistan bezichtigt Indien und die Taliban der TerrorunterstützungDie Bodenoperation sei im Westen Pakistans geführt worden, und von der Luft aus seien „Terrorlager und Verstecke“ in den afghanischen Grenzregionen Paktia, Paktika und Kunar angegriffen worden. „Große Mengen an Waffen und Munition“ seien zerstört worden. Der pakistanische Informationsminister Tarar ordnete die Getöteten Terrormilizen zu, die zum Teil angeblich von Indien unterstützt worden seien (was Neu-Dheli bestreitet).Im Frühjahr hatten Qatar, die Türkei, Saudi-Arabien und China Vermittlungsversuche unternommen, die aber gescheitert waren. Die Kämpfe waren erstmals im Februar ausgebrochen. Die Taliban bestreiten, Militanten aus Pakistan Unterschlupf zu gewähren. Doch dass die Dinge so klar und einfach nicht liegen, zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit.Wer zu Zeiten des westlichen Afghanistan-Einsatzes, mit dem man das Land am Hindukusch zu stabilisieren hoffte, NATO-Stützpunkte in östlichen Provinzen wie zum Beispiel Kunar besuchte, bekam Ernüchterndes zu hören. Zwar wurden mit großer Ernsthaftigkeit Projekte für Infrastruktur und Bildung betrieben, und amerikanische Stützpunktkommandeure, die sich fleißig in die Gegebenheiten eingearbeitet hatten, konnten referieren, welche Clans wo das Sagen hatten.Von außen kaum in den Griff zu bekommenDoch, so lautete das Resümee, in den Griff zu bekommen werde die Sicherheitslage von außen nie sein. Maßgeblich seien nicht die Politik in Kabul oder diplomatische Initiativen, sondern wer wen zum Schwiegervater habe und wer mit wem von früher her ein Hühnchen zu rupfen habe. Vor allem sei die Grenze zu Pakistan nur eine Linie auf dem Papier. In Wirklichkeit gingen Fehden und Familienbeziehungen ungestört darüber hinweg. Wer sich dem westlichen Zugriff entziehen wolle, begebe sich einstweilen nach Pakistan.Da das auch umgekehrt gilt, hat heute Pakistan seinerseits ein Problem mit den unruhigen Nachbarn. Das ist, zugegeben, keine befriedigende Antwort auf die Vorwürfe aus Islamabad gegen Taliban, Indien und Terrorgruppen, die angeblich hinter Anschlägen in Pakistan stecken. Nur, Luftschläge sind das auch nicht.