Der mehrstöckige Komplex im Haut Marais ist ein sensorischer Tempel für japanische Lebenskunst mit Boutique, Restaurant, Bar, Teesalon, Duftraum und Galerie.Paris und Japan – eine enge Verbindung, die bis auf die Weltausstellungen 1867 und 1878 zurückgeht: Teepavillons, Porzellane, Lackwaren und Seidenstoffe lösten eine regelrechte Manie und den Japonismus aus, der die Kunst- und Designwelt von damals prägte. Hundert Jahre später, ab 1981, eroberten die Avantgarde-Modedesigner Yohji Yamamoto, Rei Kawakubo und Issey Miyake die französische Kapitale, im gleichen Zuge begann sich die Gegend um die Rue Sainte-Anne zwischen Louvre und Oper als Epizentrum japanischer Restaurants zu etablieren. Heute sind auch popkulturelle Phänomene wie Anime, Cosplay und die Games von Nintendo und Playstation kaum mehr wegzudenken, Messen wie die Japan Expo und die Paris Japan Pop Show ziehen Fans aus aller Welt an.In ganz anderen Sphären – weniger knallig und aufgedreht – bewegt sich der Designer und Innenarchitekt Shinichiro Ogata vom renommierten, 1998 gegründeten Designstudio Simplicity. Sein Credo: die traditionelle Kultur seiner Heimat für die heutige Welt neu und auf einem exquisiten Niveau zu interpretieren. Sein bisher eindrücklichstes Projekt ist ein Gesamtkunstwerk von moderner japanischer «art de vivre»: Ogata Paris, ein mehrstöckiger Komplex im dritten Arrondissement, der 2020 eröffnete. Symbiose zwischen Tradition und minimalistischem Design: Eine Boutique im Parterre stimmt mit Teegeschirr, Handwerk und frischen Wagashi-Süsswaren auf die Ogata-Reise ein. PD In der kleinen Seitenstrasse im Haut Marais deutet von aussen kaum etwas auf das hin, was sich hinter dem erhabenen Eingangstor des renovierten Hôtel Particulier aus dem 17. Jahrhundert verbirgt. Ist man einmal eingetreten, stimmen einen Anblick und Atmosphäre des hohen, klar gestalteten Atriums andächtig. Die Szenografie ist effektvoll und wohldurchdacht, dennoch subtil. Wie in einem Tempel bewegt man sich fortan achtsam weiter, um die verschiedenen Etagen zu erkunden.Ein ganzheitliches ErlebnisDieses Haus ist quasi die japanische Weiterentwicklung der Idee eines Concept-Stores, wie sie etwa Colette, einstiges Vorbild dieser Gattung, zwischen 1997 und 2017 repräsentierte. Ogata Paris ist ein ganzheitliches Erlebnis, gespickt mit grossen und kleinen Meisterwerken aus erstklassigen Zutaten und Materialien. PD Im ersten Stock: das Restaurant, Private-Dining-Räume und die intime Bar für Cocktails, basierend auf den fünf Elementen. Im Eingangsbereich befindet sich die Boutique mit exquisiten eigenen Teemischungen, täglich frischen Süssspeisen, handgefertigten Haushaltswaren und Geschirr japanischer Kunsthandwerker. In den Etagen darüber findet man das Restaurant – das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Kaiseki-Lokal «Odo» ist derzeit zu Gast –, eine Bar und eine Galerie für antike Handwerkskunst und zeitgenössische globale Kunst. PD Das Untergeschoss ist mit der Duftapotheke «Kaori» (links) und dem Teehaus «Sabo» (rechts) ein kontemplativer Kokon. Ein Kokon der Ruhe ist das Kellergewölbe mit dem Teesalon «Sabo» und der Duftapotheke «Kaori», die sich feinsten organischen Düften widmet. Durchgehend entdeckt man durchdachte, feinsinnige Details und Gesten – vom geschmorten Rindfleisch mit Yuzu bis zum tropfenförmigen Saucenkrügchen aus handgeschmiedetem Messing.Ogata Paris, 16 rue Debelleyme, 75003 Paris. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Ogata Paris: Shinichiro Ogatas Tempel für japanische Lebenskunst im Herzen des Marais
Ogata Paris: Der mehrstöckige Komplex ist ein sensorischer Tempel für japanische Lebenskunst mit Boutique, Restaurant, Bar, Teesalon, Duftraum und Galerie.







