Nach dem Schusswaffenangriff in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade ist ein sechster Mensch seinen Verletzungen erlegen. Wie die Polizei in Lüneburg am Montag mitteilte, starben fünf Menschen vor Ort und ein weiterer später in einem Krankenhaus. Mehrere Menschen seien teils schwer verletzt worden. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige, hieß es zuvor. Bei allen Todesopfern handelt es sich um Erwachsene.Weitere Angaben zu ihrer Identität und zur Frage, in welcher Beziehung sie zu den mutmaßlichen Tätern stehen, gab es zunächst nicht. Die Ermittler nahmen zwei Verdächtige fest, darunter auch den mutmaßlichen Schützen. Bei den beiden Personen in Gewahrsam handelt es sich Berichten nach um einen Mann und eine Frau, die älter als 21 Jahre alt sein sollen.Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht laut Polizei nicht mehr. In der Einrichtung sind Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht. Offenbar eine Beziehungstat Die Polizei sprach mit Blick auf den Tathintergrund von einer „erweiterten Familientragödie“. Es gehe „nicht in Richtung Femizid oder auch politischer Hintergrund“, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Das Motiv für die Gewalttat liege vielmehr „im Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung begründet“.Zeugen berichteten dem NDR und „Focus Online“, dass eine Frau und ein junger Mann versucht hatten, mit einem Auto zu flüchten. Die Polizei habe sie zum Anhalten aufgefordert und dann auf das Auto geschossen.Ein Polizist habe gebrüllt: „Anhalten, stehen bleiben“, berichtete ein Mann „Focus Online“. Das Auto sei weitergefahren. Mehrere Beamte sollen das Feuer eröffnet haben. Mindestens zehn, fünfzehn Schüsse seien gefallen, schätzt der Zeuge.Durch sein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt, wie er weiter berichtet. Er habe nur Fetzen gehört wie „Brustschuss“ und „Kopfschuss“. Worte, die er nicht einordnen könne. Dann hätten Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben - und versucht zu reanimieren.Polizei und Rettungskräfte waren am Nachmittag mit einem Großaufgebot vor Ort. Eine dreistellige Zahl an Helfern war im Einsatz. Kriminaltechniker in weißen Overalls sicherten Spuren, Absperrbänder riegeln den Tatort ab, Einsatzfahrzeuge verstellen die Straßen. Die Behörden forderten die Anwohner auf, den Bereich weiträumig zu meiden. Behörden: Keine Gefahr für Kita und Grundschule Ein Sprecher der Stadt Stade sagte, für eine Kindertagesstätte und eine Grundschule in der Nähe der Jugendhilfeeinrichtung habe keine Gefahr bestanden. Die Stadt habe nach den ersten Meldungen umgehend Kontakt zu den Einrichtungen gesucht. Die Kita-Kinder seien zum Zeitpunkt der Schüsse im Gebäude gewesen, sagte der Stadtsprecher. Eltern konnten ihre Schulkinder inzwischen abholen. „Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage“, sagte Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung. Der Kommunalpolitiker der Freien Wählergemeinschaft zeigte sich erschüttert: „Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen.“Die Polizei warnt zudem vor Falschnachrichten und Gerüchten. In Chatgruppen und sozialen Netzwerken würden unbestätigte Informationen zu der Einsatzlage verbreitet, schrieb die Polizei in ihrem WhatsApp-Kanal. „Die kursierenden Darstellungen entsprechen nicht dem derzeit polizeilich bestätigten Sachstand.“Die Polizei appellierte, keine ungeprüften Meldungen, Sprachnachrichten oder Gerüchte weiterzuverbreiten. „Dies kann zu Verunsicherung führen und polizeiliche Maßnahmen erschweren.“ Gesicherte Informationen gebe es über die offiziellen Kanäle der Polizei Stade.Stade hat knapp 48.700 Einwohner, gehört zur Metropolregion Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Hansestadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt.Das Verbrechen ist für viele in der malerischen Stadt unfassbar. Die Schüsse fielen in einer ruhigen Wohngegend, zwischen Einfamilienhäuser aus Backstein und Spielstraßen. Nach und nach trafen dort am Nachmittag immer mehr aufgewühlte Angehörige ein, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Ein Team der Krisenintervention versucht, die Angehörigen, Zeugen und Einsatzkräfte zu begleiten.Vor wenigen Tagen war es auf dem Vorplatz eines anderen Jugendhauses in Stade bereits zu mehreren Massenschlägereien gekommen, bei denen Dutzende Männer teils mit Besenstielen aufeinander einschlugen. Betroffene gaben an, dass eine Streitigkeit über Schulden eskaliert war. Wie die „Hamburger Morgenpost“ berichtete, setzte die Polizei Reizgas ein, um die Gruppen voneinander zu trennen.(Tsp, dpa, AFP)
Polizei spricht von „erweiterter Familientragödie“: Sechstes Todesopfer nach Schüssen in Jugendhilfeeinrichtung in Stade bei Hamburg
Die Polizei hat zwei Tatverdächtige festgenommen. In der Einrichtung sind Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht. Was bislang bekannt ist.










