Imago, Reuters, Illustration Ida Götz / NZZ72 von 104 Partien der Fussball-WM sind gespielt. Die Datenanalyse beantwortet die spannendsten Fragen der Vorrunde.Niels Bossert, Simon Huwiler, Ida Götz29.06.2026, 13.25 Uhr4 LeseminutenTrinkpausen können den Schwung bremsen – ihr Einfluss wird aber überschätztDie Trinkpausen sind derzeit die wohl umstrittensten zweimal drei Minuten im Weltfussball – Spieler, Trainer und Experten sind sich uneinig. Ralf Rangnick, der Trainer Österreichs, zeigte sich begeistert von den «hydration breaks». Laut Uruguays Coach Marcelo Bielsa hingegen «bringt das nichts». Im Gegenteil: Die Unterbrechungen nähmen dem Spiel viel weg.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bielsa kritisiert, dass die Pausen den natürlichen Spielfluss störten. Und tatsächlich kippte an der laufenden WM nach den Trinkpausen vereinzelt das Momentum – also der positive Schwung eines Teams, das gerade dominiert.Im zweiten Gruppenspiel der Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina (4:1) übernahmen die Bosnier Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 0:0 zunehmend das Spieldiktat. Murat Yakin nutzte die Trinkpause, um Johan Manzambi und Rubén Vargas einzuwechseln.Das Momentum drehte sich: Die Schweiz steigerte ihre Expected Goals (xG), die erwartbaren Tore, von 0,31 auf 1,67. Manzambi traf, zwei Minuten nachdem er eingewechselt worden war.Auch bei Deutschland gegen Curaçao zeigte sich dieser Effekt: Kurz vor der Trinkpause kassierte Deutschland den 1:1-Ausgleich. Doch der Gegner konnte den Schwung wegen der Unterbrechung nicht nutzen. Drei Minuten Coaching von Julian Nagelsmann reichten: Deutschland erzielte vor der Halbzeit zwei weitere Tore.Trotz diesen Beispielen lässt sich aus den Trinkpausen kein genereller Effekt auf die Spieldynamik herauslesen. Zwar kann das Momentum kippen, Daten, die der NZZ von Opta zur Verfügung gestellt wurden, zeigen jedoch, dass dies ebenso bei der Fussball-WM 2022 in Katar geschah. Die «hydration breaks» gab es damals noch nicht.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenNeben taktischen Eingriffen sorgen Tore, Chancen oder Platzverweise für Kipppunkte des Momentums. Trinkpausen gehören nun auch zu diesen Faktoren. Der Eindruck, sie seien öfter spielentscheidend, entsteht eher, weil solche Szenen derzeit stärker auffallen und diskutiert werden. Die Fans bleiben aber skeptisch: In der 22. und der 67. Minute ertönen Buhrufe in allen Stadien.Kleine Nationen überraschen – dank starker DefensiveMit der Aufstockung auf 48 Teams galten WM-Neulinge wie Kap Verde oder Curaçao bei Experten als Kanonenfutter und Punktelieferanten für grössere Fussballnationen. Diese monierten die sportliche Verwässerung des Wettbewerbs durch die abnehmende Qualität der Teilnehmer. Beim Passspiel bewahrheitete sich diese Befürchtung: Die Aussenseiter kommen auf weniger Pässe. Und sie missrieten ihnen öfter.Doch mutiges Mitspielen ist bei David-gegen-Goliath-Duellen auch nicht unbedingt der richtige Ansatz, wie Curaçao beim 1:7 gegen Deutschland schmerzhaft erfahren musste. Stattdessen überzeugten Teams wie Kap Verde oder Ghana mit einer starken Defensive.Sie standen kompakt in zwei Linien, liessen kaum Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld. Spielstärkere Gegner fanden keinen Weg durch den Block, drehten ab und versuchten, durch Pässe in der eigenen Hälfte die Defensive aus der Reserve zu locken – vergeblich. Kap Verde und Ghana blieben diszipliniert.Erst im späteren Spielverlauf erhöhten sie den Druck, als die Favoriten wegen des Spielstandes langsam nervös wurden. So kamen auch die Aussenseiter zu Chancen. Die Spielidee ist mehr als nur «den Bus parkieren», wie José Mourinho einst die extreme Defensive nannte.Als glückliche Fügung wuchsen dann einzelne Spieler auf der grössten Bühne des Weltfussballs über sich hinaus: Eloy Room, Curaçaos Torhüter, hielt mit 15 Paraden gegen Ecuador ein 0:0 – WM-Rekord über 90 Minuten. Auch Vozinha, der Goalie von Kap Verde, avancierte mit seinen Reflexen gegen Spanien zum Nationalhelden.Die vermeintlichen Punktelieferanten entpuppten sich teilweise als Favoritenschreck. Paraguay, Kongo-Kinshasa, Südafrika, Kap Verde und Ghana schafften es in den Sechzehntelfinal. Die drei Letzteren rangieren jenseits der Top 60 der Fifa-Weltrangliste.Messi und Mbappé glänzen mit Toren – Xhaka ist der heimliche DominatorIm Fussball erzählen oft Tore die Geschichten. An dieser WM ist eine davon der Wettstreit von Lionel Messi und Kylian Mbappé um die Krone als WM-Rekordtorschütze.Doch die Spieler, die den entscheidenden Pass vor dem Assist spielen oder mit Übersicht die gegnerischen Linien überwinden, bleiben dabei oft im Schatten der Offensivstars.In der Statistik der linienbrechenden Pässe führt der Schweizer Granit Xhaka sogar vor dem spanischen Ballon-d’Or-Sieger und Mittelfeldregisseur Rodri. Auch der Abwehrchef Manuel Akanji ist oben mit dabei. Er gehört auch zu den besten Passspielern der Gruppenphase.Ein weiterer Name sticht in beiden Statistiken hervor: Jan Paul van Hecke. Noch während des Turniers verpflichtete Tottenham Hotspur den 26-jährigen WM-Debütanten der Niederlande für 52 Millionen Pfund.Joker brillieren an der WM wie nie zuvorWann spielt er von Anfang an? Diese Frage beschäftigte Fans in der Schweiz und Deutschland gleichermassen. Dann kam der Super-Joker Johan Manzambi im letzten Gruppenspiel in der Startelf zum Einsatz.Sein deutsches Pendant, Deniz Undav, muss weiterhin auf seine Chance warten. Vielleicht ist die Jokerrolle für Undav aber genau richtig, da er so mehr Druck ausübt.Als Joker schreibt der Deutsche bereits WM-Geschichte: In nur 106 Minuten über drei Spiele verzeichnete Undav die meisten Torbeteiligungen eines Einwechselspielers (5 Skorer) in einem einzigen Turnier. Damit stellte er Roger Millas Rekord aus dem Jahr 1990 ein.Trainer profitieren an dieser WM stark von frischen Kräften, die müde Gegner vor Probleme stellen. Die hohen Temperaturen und die Belastung durch das erweiterte Turnier verstärken diesen Effekt.43 Tore – ein Fünftel der insgesamt 215 Treffer – erzielten Einwechselspieler. Damit ist der Rekord von 32 Joker-Toren an der WM 2014 bereits gebrochen.Passend zu diesem Trend setzte Sasa Kalajdzic nach 72 Spielen in 17 Tagen den Schlusspunkt der Gruppenphase: In der Nachspielzeit (90. +6) traf er für Österreich zum 3:3 gegen Algerien – nur eine Minute nach seiner Einwechslung.Passend zum Artikel
WM 2026: Datenanalyse – Trinkpausen, Aussenseiter, Joker und Spielmacher
72 von 104 Partien der Fussball-WM sind gespielt. Die Datenanalyse beantwortet die spannendsten Fragen der Vorrunde.













