Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnt vor einer „neuen Weltunordnung“ und ruft zu mehr globaler Zusammenarbeit auf. „Rohe Machtpolitik, Nullsummendenken und Konfrontation ersetzen leider mehr und mehr die Pfeiler der kooperativen und regelbasierten Ordnung“, sagte Steinmeier am Montag zur Eröffnung einer internationalen Nachhaltigkeitskonferenz in Hamburg, der Hamburg Sustainability Conference. „Ein Zeitgeist der Brutalität und Rücksichtslosigkeit weht durch die internationale Politik.“Deutschland und die große Mehrheit der Staaten der Welt könnten in einer Welt ohne Regeln nicht bestehen, so Steinmeier. Es sei daher entscheidend, bestehende Partnerschaften zu pflegen, zu vertiefen und zu verbreitern – auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Hunger und Armut seien ohne internationale Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen nicht zu bewältigen. Blockade zeigt Verletzlichkeit der Weltwirtschaft Als aktuelles Beispiel für die Verletzlichkeit globaler Verbindungen nannte Steinmeier die Blockade der Straße von Hormus. Diese habe drastisch gezeigt, wie sehr die Welt auf freie Handelsrouten, sichere Seewege und funktionierende Lieferketten angewiesen sei. Wenn Nahrungsmittel, Dünger und Treibstoff nicht mehr transportiert werden könnten, stiegen weltweit die Lebensmittelpreise – mit dramatischen Folgen gerade für ärmere Länder, warnt der Bundespräsident.Steinmeier sprach auch das Scheitern der deutschen Bewerbung um einen nicht-ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat an. Diese Niederlage sei bitter und Anlass zu kritischen Fragen – auch an Deutschland selbst. Zugleich wandte er sich gegen Forderungen, das deutsche Engagement bei den Vereinten Nationen zurückzufahren. „Ein Rückzug wäre kurzsichtig und fatal“, sagte er. Konferenz mit Teilnehmern aus 110 Ländern Die Hamburg Sustainability Conference findet am Montag und Dienstag zum dritten Mal statt. Nach Angaben der Veranstalter kommen rund 1600 Teilnehmer aus mehr als 110 Ländern zusammen, darunter Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft. Sie beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, wie extreme Armut und Hunger weltweit beendet werden können.Am Dienstag soll der Startschuss für eine von der Bundesregierung einberufene Nord-Süd-Kommission fallen. Sie soll neue Formen der Entwicklungszusammenarbeit in einer multipolaren Welt finden. Vorsitzende werden der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Costa Ricas Ex-Präsidentin Laura Chinchilla. (KNA)