PfadnavigationHomeReiseDeutsche Urlauberflaute„Die USA haben sich verzockt“Von Kira HanserVerantwortliche Redakteurin im Ressort Stil, Leben und ReiseStand: 12:23 UhrLesedauer: 5 MinutenFlaute statt Boom: Viele Gäste aus Übersee bleiben weiterhin ausQuelle: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmnDeutschlands wichtigste Nordamerika-Veranstalter melden erneut herbe Einbrüche bei Reisen in die USA. Dort versucht man, die Einreiseangst zu dämpfen. Jetzt rudern die US-Behörden bei den geplanten Kontrollen mit obligatorischem Social-Media-Check zurück.Ja, wo bleiben sie denn? Urlauber aus Übersee, vor allem aus Deutschland, machen sich trotz der spannenden Fußball-WM weiterhin in den USA rar. Die Flaute hält seit 2025 an, die Nachfrage ist mau. Der erwartete, man könnte fast sagen, fest eingeplante Schub ist ausgeblieben. Dabei hat die oberste US-Tourismusbehörde, das National Travel and Tourism Office, sich das für das Jahr 2026 alles ganz anders vorgestellt. Lesen Sie auchIn einer ziemlich euphorischen Prognose vom April 2026 wird eine Trendwende orakelt: Alles läuft super, sozusagen. Auch aus Deutschland, immerhin zweitwichtigstes Herkunftsland nach den Briten aus good old Europe: So hoffte man mit gut Hunderttausend mehr Urlaubern aus Deutschland und einem satten Plus von 2,1 Prozent. Doch die tatsächlichen Ankunftszahlen für 2026 sprechen eine ganz andere Sprache: Bis Ende Mai sind sogar 13,2 Prozent weniger Urlauber aus Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingereist; genau 588.420 Besucher. Im Juni und Juli sind, was Urlauber betrifft, die Buchungszahlen auch nicht besser.Zur Erinnerung: 2025 waren auch nur noch 1,7 Millionen Urlauber aus Deutschland in den USA unterwegs – ein Minus von 11,3 Prozent. Die Zeiten, in denen jedes Jahr mehr als zwei Millionen verlässlich in die USA stürmten, sind offenbar erst einmal vorbei. Lieber Kanada statt USA Und wie sieht die aktuelle Buchungslage aus? Kommen die Deutschen vielleicht doch noch 2026 zurück? Nachgefragt bei auf Nordamerika spezialisierten Veranstaltern. Timo Kohlenberg, Geschäftsführer von America Unlimited aus Hannover, sagt zu den Buchungen: „Die USA haben sich verzockt. Als eigentlich mit Abstand stärkstes Reiseziel schwächeln sie und liegen mit rund minus 25 Prozent zum Vorjahr deutlich zurück.“ Viele seiner Kunden weichen auf Kanada aus. Lesen Sie auchAuch Tilo Krause-Dünow, CEO von Canusa Touristik aus Hamburg, sieht in diesem Jahr ein deutliches Minus bei der Nachfrage für Reisen in die USA: „Wir gehen von einem Rückgang von circa zehn Prozent der Buchungen aus. Dies zieht sich durch alle Staaten – bis auf Hawaii“. Auch er stellt fest, dass viele Nordamerika-Urlauber die USA einfach umgehen: Kanada läuft in diesem Jahr bei ihm zweistellig im Plus.Gefühlte EinreiseangstDoch woran liegt die Flaute genau? Die Mischung aus politischen Faktoren, globalen Konflikten, höheren Reisekosten, einem schwächeren Image der USA – und vor allem die gefühlte Einreiseangst – schreckt Erstreisende ab. Das sieht auch die US Travel Association, die wichtigste Tourismus-Lobby in den USA. Deren Vorsitzender Geoff Freeman, erklärt im April auf einer Reisemesse in Fort Lauderdale: „Wir müssen uns mehr anstrengen, um eine klare Botschaft zu senden, dass Reisende willkommen sind.“Immerhin: Da tut sich was. So ist die drastische Datenabfrage für alle ESTA-Einreisenden, mit der normalerweise Urlauber in die USA einreisen, in ihrer absurdesten Form vom Tisch. Sie hatte eigentlich von Mitte 2026 an vorgesehen, dass alle Reisenden ihre Social-Media-Profile der vergangenen fünf Jahre nicht optional, sondern verpflichtend im Formular hätten angeben müssen. Und auch noch alle verwendeten E-Mail-Adressen – und zwar der letzten zehn Jahre. Social-Media-Check nur in Ausnahmefällen Doch nach mehr als 2000 Einwänden gegen diesen Plan (ein Rekord in der Geschichte der Behörde) rudert die US Customs and Border Protection jetzt deutlich zurück: Nun ist voraussichtlich frühestens Ende 2026 geplant, dass nur in begründeten Ausnahmefällen einzelne ESTA-Reisende genauer unter die Lupe genommen werden, sofern sie beispielsweise verdächtige Angaben im Formular gemacht hätten. Welche genau das wären, das sagt die Grenzschutzbehörde nicht.Grundsätzlich aber müssen Urlauber wie Gruppenreisende, Familien oder ein distinguiertes Pärchen in den besten Jahren wenig bis gar nichts befürchten. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie ihren Urlaub in den USA mit illegalen Gelegenheits-Beschäftigungen wie Babysitten, Kellnern oder Poolreinigen verbringen wollen. Aber: Bei jungen Rucksacktouristen beispielsweise, die vielleicht monatelang erst einmal fröhlich nach dem Schulabschluss mit wenig Geld durch die Welt ziehen und als erste Unterkunft in den USA auch nur eine Privatadresse angeben, wird bei der Einreise genauer nachgefragt, was sie so vorhaben.Matt Davies, Direktor für den operativen Außendienst, Zulassung und Passagierprogramme bei der US Customs and Border Protection, beruhigt auf der Reisemesse im April 2026 in Fort Lauderdale: „Die Zahlen sind so, dass die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben vom Blitz getroffen zu werden, höher ist, als dass das Handy durchsucht wird“.Auch die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation stellt zur Einordnung klar: Bei rund 420 Millionen international Reisenden in die USA im Jahr 2024, so die letzte verfügbare Zahl, wurden zwölf Millionen von ihnen einer sogenannten zweiten Befragung unterzogen. Nur 47.000 von ihnen mussten zur heiklen dritten Befragung. Dann konnten deren Mobiltelefone und Laptops an den Behörden-Computer angeschlossen werden. Lesen Sie auchZwei praktische Tipps hat die Bürgerrechtsorganisation für Besucher parat: Am besten Unterlagen wie erste Urlaubsadresse, Mietwagen-Reservierung oder Reiseverlauf ausgedruckt dabei haben und bei Bedarf vorzeigen. Das erspart schon mal den eigenen Blick ins entsperrte Handy vor den Augen des Grenzbeamten. Zweitens: Vor der Kontrolle die Mobiltelefone in den Flugmodus schalten und auch kein WLAN des Flughafens nutzen. Dann kann nur kontrolliert werden, was sich gerade unmittelbar auf dem elektronischen Gerät befindet, nicht aber, was beispielsweise in einer Cloud gespeichert ist.Die Einreiseangst treibt jedoch so viele Urlauber um, dass beispielsweise der erste Veranstalter in Deutschland eine „Einreise-Garantie“ gibt: Urlauber, die „im absolut unwahrscheinlichen Fall“ bei der Einreise an der Immigration scheitern und zurückgeschickt werden, bekommen bei Canusa Touristik ihren kompletten Reisepreis erstattet. Das aber sei bisher noch nie passiert.
USA-Reisen: Deutsche Urlauber meiden die Staaten – Kanada boomt - WELT
Deutschlands wichtigste Nordamerika-Veranstalter melden erneut herbe Einbrüche bei Reisen in die USA. Dort versucht man, die Einreiseangst zu dämpfen. Jetzt rudern die US-Behörden bei den geplanten Kontrollen mit obligatorischem Social-Media-Check zurück.







