Gegen den Vorwurf, den Inhalt ihres aufrüttelnden Romans erfunden zu haben, setzte sich Harriet Beecher Stowe mit einem Bild zur Wehr: „Onkel Toms Hütte“ sei „ein sorgfältig zusammengestelltes Mosaik von Tatsachen“, keine „Dichtung“.Das ist ein entscheidender Unterschied – für die Autorin und für die beabsichtigte Wirkung des Romans auf seine Leser. Denn das Werk, das sich unter anderem auf die 1849 erschienenen Memoiren des freigekommenen Sklaven Josiah Henson stützt, erschien von 1851 an zunächst in wöchentlichen Fortsetzungen in der Zeitschrift „The National Era“, die in der Diskussion um Sklavenhaltung in den USA klar Stellung dagegen bezog. 1852 folgte die Ausgabe als Buch.Harriet Beecher Stowe: „Uncle Tom's Cabin“ in der Ausgabe von 1852.Maryland Co„Onkel Toms Hütte“ schildert sehr anschaulich die Leiden mehrerer Sklaven, die Demütungen, die harten körperlichen Strafen, die Rechtlosigkeit. Einige – wie Tom, der auch als christlicher Prediger wirkt – ertragen das mit unfassbarer Geduld, andere – wie die Familie der Sklavin Eliza, die willkürlich auseinandergerissen werden soll – ergreifen die Gelegenheit zur Flucht in den Norden. Denn während in Amerika und Europa der Widerstand gegen Sklaverei wächst und Gesetze erlassen werden, die sie verbieten, kommt es in der hitzig geführten amerikanischen Debatte sogar zu einer Verschlimmerung der Lage, indem Sklavenhaltern weitergehende Rechte zuerkannt werden, wenn es um entflohene Sklaven geht.In ihrem Roman setzt die Autorin auf Anschauung der Verhältnisse – darum beansprucht sie für ihr Werk den Charakter des Tatsachenromans und reiht ihn damit in eine beliebte Gattung jener Zeit ein. Sie verbindet das mit häufigen Appellen an ihre Leser: Als Christ könne man nicht akzeptieren, das Kinder Gottes nicht wie Menschen, sondern wie Vieh behandelt würden.Während sie die Sklaven bei aller Anteilnahme und allem Engagement allerdings meist stereotyp zeichnet, ist ihr Blick auf die Sklavenhalter sehr viel erhellender. Da gibt es bösartige, dumme und solche, die beides sind, kühl rechnende, die ihre Sklaven als Investition betrachten und deshalb einigermaßen gut behandeln. Bisweilen ist das von grimmigem Witz, etwa wenn der Sklavenhalter Harris auf Vorhaltungen eines anderen Weißen, er behandle seinen Sklaven George nicht anständig, antwortet: „Wir sind in einem freien Land, Sir, der Mann gehört mir, und ich mache mit ihm, was mir beliebt.“ Ein freies Land, nur nicht für alle.Darum geht es der Autorin vor allem: Beleuchtet werden diejenigen, die vom System profitieren. Das betrifft auch die freundlichen, trägen Sklavenhalter, die sich ihres guten Verhältnisses zu den Sklaven rühmen und sich dann nicht zum Freilassen durchringen können, bis es zu spät ist. Das immens erfolgreiche Buch hat seinen Anteil am Ende der Sklaverei.In unserer Serie „Amerika, wie es im Buche steht“ stellen wir anlässlich des 250. Geburtstags der Vereinigten Staaten von Amerika fünfzig Bücher vor, die das Selbstverständnis des Landes geprägt haben.
"Onkel Toms Hütte" und der Kampf gegen die Sklaverei
In der Debatte um das Verbot der Sklaverei in den USA war kein Werk so einflussreich wie Harriet Beecher Stowes Roman „Onkel Toms Hütte“ von 1852 – der 16. Teil der F.A.Z.-Serie „Amerika, wie es im Buche steht“.








