Am ersten Ferientag in Hessen herrscht am Frankfurter Flughafen reges Treiben, aber es ist nicht überfüllt. Menschen schieben Kofferwagen, Kinder sitzen auf Rucksäcken, auf den Anzeigetafeln wechseln die Ziele. Wer hier steht, hat in den vergangenen Wochen Urlaubslisten geschrieben, Schultermine sortiert, Urlaub eingereicht. Nun ist der Moment gekommen, in dem aus der Planung eine Reise wird.Diana und Matthias aus Frankfurt gehören zu denen, die an diesem Morgen in den Süden starten. Sie stehen mit ihrer Familie vor dem Schalter nach Palma de Mallorca, die Bordkarten in einer durchsichtigen Mappe. Vor mehr als 25 Jahren haben sie geheiratet, am 1. Juni 2001. Dass sie nun die Silberhochzeit feiern, ist für beide mehr als ein Datum. „Wir haben viel zusammen erlebt“, sagt Matthias. Die Entscheidung, statt einer großen Feier zu reisen, ist bewusst gefallen. Die zwei Söhne, 18 und 22 Jahre alt, studieren oder machen eine Berufsausbildung. „Wegen des Jüngsten mussten wir deswegen auf den Ferienbeginn warten“, sagt seine Mutter. Die Großeltern, die mitfliegen, sind nicht mehr so mobil wie früher, für sie ist diese Woche ein Geschenk.Diana und Matthias wollen auf Mallorca ihre Familie treffen und Silberhochzeit feiern.Peter JülichDie 31 Jahre alte Tochter aus der ersten Ehe des Vaters ist mit ihrem Mann bereits auf Mallorca und wartet dort auf die Gruppe. Für Diana ist es ein besonderer Moment, alle Generationen zusammenzubringen. „Wir wollten keine Feier, bei der man allen gerecht werden muss“, sagt sie, „sondern Tage, in denen wir einfach beisammen sind.“ Auf der Insel wollen sie wenig Programm, dafür viele gemeinsame Momente. Sie wollen gemeinsam frühstücken, vielleicht einen Ausflug machen oder abends zusammen am Tisch sitzen.Vera reist mit Hund Turbo und will zwei Monate auf Madeira bleiben.Peter JülichEin paar Meter weiter steht Vera in der Schlange vor einem anderen Schalter und hält ihren Hund Turbo im Arm. Der kleine, 14 Jahre alte Hund ist auf Reisen ihr ständiger Begleiter. Sein Platz ist das Handgepäck, ein weiches Transportbehältnis, das sie mit einer Hand gut tragen kann. Die 82 Jahre alte Frau fliegt nach Madeira. Zwei Monate will sie dort bleiben. Früher ist sie mit ihrem Mann gereist, die beiden haben ihr Haus verkauft und dafür die Welt gesehen. Kinder hatten sie nie, dafür Ziele, die sie immer wieder aufgesucht haben. „Wir waren 40 Jahre lang immer wieder in Marokko“, erzählt sie. Dreimal waren sie gemeinsam auf Madeira. Im vergangenen September ist ihr Mann gestorben. „Er hat immer gesagt, wenn ich nicht mehr da bin, musst du weitermachen“, sagt Vera. Jetzt sitzt sie allein im Flieger, der Hund neben ihr. Sie ist früh da, drei Stunden vor Abflug, damit sie mit Turbo draußen noch einmal spazieren gehen kann. Der Hund soll vor dem Flug zur Ruhe kommen, sie selbst auch. Dass sie diese Reise fortsetzt, ist für sie Erinnerung und Trost zugleich.In der gleichen Schlange wartet eine Gruppe junger Leute, Mitte bis Ende dreißig, mit großen Rucksäcken und Wanderstöcken. Auch für sie geht es nach Madeira, doch ihr Plan sieht anders aus. Die zwei Paare, Helen und Julian sowie Lea und Ruben, kennen sich seit vielen Jahren, Julian und Ruben noch aus der Schulzeit. Sie sind oft gemeinsam wandern gewesen, bisher höchstens drei Tage am Stück. Nun wollen sie einmal quer über die Insel laufen, eine Woche in Zelten übernachten, jeden Tag ein Stück weiter. „Wenn das gut geht, wollen wir das öfter machen“, sagt Lea. Für sie ist Urlaub nicht der Liegestuhl am Pool, sondern das Gefühl, morgens den Rucksack aufzusetzen und nicht genau zu wissen, wo sie abends schlafen.Ein paar Schalter weiter steht eine Familie, die einen anderen Wunsch mit dem Ferienbeginn verbindet. Lina und ihr Mann, beide Anfang vierzig, reisen mit ihrer Tochter Leni. Die 14 Jahre alte Schülerin besucht die achte Klasse und zählt bereits, wie viele Ferientage der Urlaub einnimmt. Sie fliegen nach Antalya, zum ersten Mal in einen Klub direkt am Meer.Leni, Lina und Markus (von links) fliegen nach Antalya.Peter JülichDie Eltern haben bewusst keinen Fernflug mit langen Zeiten im Flugzeug gewählt. „Wir wollten irgendwohin, wo es warm ist, aber noch nicht zu heiß“, sagt Lina. Sie arbeiten beide Vollzeit, für sie ist der Urlaub die einzige längere Auszeit im Jahr. Das Check-in hat die Familie zu Hause erledigt, die Bordkarten liegen ausgedruckt in einer Hülle. Dass sie drei Stunden vor Abflug am Flughafen sind, ist eine gemeinsame Entscheidung. Sie wollen ohne Stress durch die Kontrollen gehen, vielleicht noch etwas essen, bevor es ernst wird.